Nicht die Armenstube Bayerns

Mit der Dreifaltigkeitskirche Kappl zeigte der umstrittene Fernsehbeitrag, dass die Oberpfalz auch wirklich schön sein kann. Archivbild: tr
Lokales
Tirschenreuth
13.01.2015
3
0

Die Wellen schlagen immer noch hoch: Die Sendung "Schöne Oberpfalz" finden viele im Landkreis halt gar nicht so schön. Die Junge Union sieht allerdings nicht nur beim Bayerischen Rundfunk Schuldige.

"Es ist mehr als enttäuschend, wie der Landkreis offensichtlich nach außen hin wahrgenommen wird", so JU-Kreisvorsitzender Bernhard Söllner in einer Pressemitteilung. "Wenn wir in München nach wie vor das Image von trostlosen Landschaften und zurückgebliebenen Hinterwäldlern haben, dann brauchen wir uns nicht wundern, wenn wir im südlichen Bayern immer noch als Armenstube Bayerns angesehen werden."

CSU-Kreisrat Mario Rabenbauer nennt Beispiele: "Es gibt Gemeinden im Landkreis, die suchen händeringend nach einem Hausarzt. Zugleich suchen viele Betriebe hochqualifizierte Mitarbeiter. Leider selten mit Erfolg. Von den Betroffenen hört man dann oft, dass die Ehepartner den Ausschlag geben, weil sie nicht in eine ,langweilige' Gegend umziehen möchten."

In einem Schreiben an den Bayerischen Rundfunk und an Heimatminister Markus Söder rügt er die Reportage. "Jeder kann sich vorstellen, wie sehr nun solche Vorurteile über die nördliche Oberpfalz weiter befeuert werden. Damit wurde allen, die sich für ihre Heimat engagieren, ein Bärendienst erwiesen."

Es sei schade, wie hier die Region präsentiert wurde. Söllner ärgert sich aber nicht nur über die verkorkste Sendereihe im Fernsehen, sondern weist auch auf Defizite beim Außenmarketing des Landkreises hin. "Im Prinzip haben wir kein einheitliches Tourismusmanagement, bei dem alle Fäden zusammenlaufen."

Zwar seien viele Themen wie Fisch, Zoiglbier, grenzüberschreitende Projekte, Freizeitangebote oder die erstklassige Landschaft mit ihren Sehenswürdigkeiten in der Vergangenheit nach vorne gebracht worden, aber dennoch fehle ein erkennbarer roter Faden. Deshalb fordert die Junge Union im Landkreis, dem Tourismus endlich einen höheren Stellenwert einzuräumen und das jetzige Konstrukt grundlegend zu reformieren. "Wir brauchen ein einheitliches Tourismus- und Gastronomiekonzept, in dem alle Städte und Gemeinde, Hotellerie, Gastronomie, Tourismusverbände und die Landwirtschaft mit ihrer Selbstvermarktung eingebunden werden." Der Landkreis habe so viele Sehenswürdigkeiten und Alleinstellungsmerkmale, mit denen er sich - egal wo und bei welcher Gelegenheit - positiv darstellen müsse. "Manchmal kommt es einem so vor, als wenn wir den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen."

In der Verantwortung sieht Söllner nicht nur die zuständigen Stellen am Landratsamt. "Wir brauchen darüberhinaus Fachleute, die uns unterstützen." Mit der Hotel- und Tourismusschule in Wiesau habe man vor Ort Experten, die sich ausschließlich mit diesen Themen beschäftigen. "Wieso wird diese Einrichtung nicht besser bei Planung und Umsetzung integriert?" Der Landkreis habe auch andere Themen zu bewältigen und dürfe nicht ausschließlich den demografischen Wandel im Auge haben.
Weitere Beiträge zu den Themen: Markus Söder (1507)Januar 2015 (7957)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.