"Nur kein Neid, liebe Kollegen!"

Lokales
Tirschenreuth
27.04.2015
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Wenn der "Rattenfänger von Hameln" plötzlich Lehrer statt Kinder anlockt, dann steckt gewiss Han's Klaffl dahinter. Viele fühlen sich mit ihm auf einer Welle.

Geschätzte 90 Prozent Lehreranteil waren es wohl am Sonntagabend, als Klaffl mit seinem neuen Programm 650 Zuhörer ins Kettelerhaus holte. Der ehemalige Gymnasiallehrer, aktuell der begehrteste Musikkabarettist unter den Pädagogen, machte seinem Ruf alle Ehre, gab sich trocken-sarkastisch und holte sein Publikum dort ab, wo des Pädagogen Seele sitzt: Lehrer sein wäre schön, gebe es nicht gleichzeitig Schüler, Eltern, den Chef, das Kultusministerium, das G8 und naja, auch manch lästigen Kollegen.

"Ich hab's geschafft!", verkündete der Gymnasiallehrer a.D. fröhlich seine Pensionierung, um mit frechem Grinsen anzufügen: "Nur kein Neid, liebe Kollegen!" Das lange Schulleben des 64-Jährigen sorgt klar für reichlich Anekdoten. Weil er diese ausgesprochen nett und humorvoll erzählen kann, bekam der Humorist in Tirschenreuth gleich Vorschusslorbeeren in Form von kräftigem Beifall, gefolgt von zahlreichem Zwischenapplaus und Lachanfällen in jeder menschenmöglichen Form.

Klaffl dokumentierte beispielsweise, wie er sich stets auf seine Schüler einstellen musste. Als das Lied "Kuckuck ruft's aus dem Wald" keiner mehr kannte, sang er mit den Kindern "Kobold mit dem roten Haar", danach "Sexbomb". Lautstark singend haute Klaffl dazu ins Keyboard, das Publikum lachte sich schier schief.

Doch dann das bittere Ende eines modern gemeinten Unterrichts: Am Nachmittag sei die E-Mail gekommen von einem Vater, der von anzüglichen Bemerkungen sprach und mit dem Anwalt drohte. Zu dieser Anekdote nickten viele Köpfe im Saal wissend. Jaja, mit Eltern sollte man sich heutzutage als Pädagoge lieber nicht anlegen. Schließlich seien alle Sprösslinge Wunderkinder. Nur die Schule merke selten etwas davon. Und wer sei wieder schuld? "Die Lehrer!", so Klaffl, bevor er in die Pause ging.

Im Foyer dann bei Sekt und Häppchen outeten sich die Fans gleichzeitig als Kollegen: Zwei Lehramtsanwärterinnen erzählten, ihr gesamtes Kollegium sei anwesend. Eine Schulsekretärin meinte, sie fühle sich besonders mit Klaffl auf einer Welle. Schließlich bekomme sie den geballten Schulfrust stets von beiden Seiten ab, von Lehrern und Schülern.

Zu Klaffls Fans gehören auch Manfred Grüssner und Marianne Stangl aus Tirschenreuth, beide Pädagogen. Grüssner ist mit dem Bühnenstar per Du, hat mit ihm einen Workshop absolviert. "Und er ist noch besser geworden", freute sich der Grundschulrektor a. D. über den Bühnenerfolg des Münchener Freundes.

Nach der Pause bekamen endlich auch das vermaledeite G8 und dessen Verursacher ihr Fett weg. Mit dem Kultusministerium liegt Klaffl ja heute noch im Clinch. "Es gibt wirklich Leute, die glauben, Schulnoten haben mit Intelligenz zu tun", wetterte er über die teils unsinnigen Amtsanweisungen und lachte sich schief über die Idee des Ministeriums, Schüler in die Schulbibliothek zu schicken und dort selbstständig arbeiten zu lassen.

"Aber mich geht das alles nix mehr an", fiel ihm am Ende wieder seine Pensionierung ein. Naja, ganz glücklich scheint er nicht darüber zu sein, im Schlussakkord am Kontrabass drang ein wenig Wehmut durch. Damit Klaffl nicht total aus der Übung kommt, ließ er sein Publikum zur Schulklasse werden. Kurz darauf stellte er sarkastisch fest: "Das mit dem gemeinsamen Singen klappt nie, auch nicht in Tirschenreuth."

Das wahre Brot des Künstlers ist bekanntlich der Applaus. Und den hat sich dieser Han's Klaffl mit seiner liebenswerten Art in Tirschenreuth am Ende mehr als reichlich verdient. Schön war's, auch für Nicht-Lehrer.
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