Oft "Masel tov" gehabt

Professor Dr. Alexander Fried (Zweiter von links) feierte mit seiner Familie von rechts, Olga und Jonathan Fried und Dr. Dorothea Woiczechowski sowie Bürgermeister Franz Stahl (links) 90. Geburtstag. Bild: Grüner
Lokales
Tirschenreuth
08.05.2015
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Er spricht zehn Sprachen fließend. Er liest gerne Kafka. Er liebt ausgedehnte Spaziergänge mit seinem Hund Nando und er mag ganz doll seine "Frau" Dr. Dorothea Woiczechowski. Professor Dr. Alexander Fried hat den Holocaust überlebt. Am Donnerstag feierte er 90. Geburtstag.

Wer vor ihm steht, glaubt ihm sein Alter kaum. Alexander Fried ist topfit, geistig wie körperlich. Und er ist viel unterwegs. Oft an Schulen, um jungen Leuten durch seine Geschichte die Gräueltaten des Naziregimes nahezubringen, "Damit das nie wieder passiert".

Mit ganzer Kraft

Dafür kämpft Professor Fried auch im hohen Alter mit seiner ganzen Kraft. Neben seinem eigentlichen Geburtstag am 7. Mai feiert er seit 1945 auch den 3. Mai als eine Art zweiten Geburtstag. An diesem Datum wurde der damals 20-Jährige auf dem Todesmarsch von Sachsenhausen in Crivitz im heutigen Mecklenburg von Alliierten befreit.

Trotz der schrecklichen Jahre in verschiedenen Konzentrationslagern hat der gebürtige Tschechoslowake - auf diese Bezeichnung legt er ganz besonderen Wert - eigentlich immer Glück gehabt in seinem Leben. Mehrmals hing es am seidenen Faden. "Und immer meinte es das Schicksal gut mit mir." Eigentlich grotesk - aber einmal rettete ihn sogar ein SS-Offizier. "Warum? Ich habe keine Ahnung."

Bis er vor etwa 15 Jahren nach Tirschenreuth kam, war das Leben des Professors Dr. Alexander Fried eine Reise mit Höhen und Tiefen. Abgesehen von den enormen Schrecken des Krieges überwogen dann aber doch die Höhen. Aber wer solche Dinge, wie er, erlebt hat, wird wohl auch 70 Jahre nach der "Wiedergeburt" und Befreiung aus den Fängen der Unmenschen, die Gräuel nicht wirklich aus dem Kopf bekommen.

Beförderung für Franz Stahl

Mit "Herr Oberbürgermeister" beförderte der Jubilar Franz Stahl, der zum Jubeltag für die Stadt gratulierte. Aus Dubai waren Sohn Jonathan und dessen Ehefrau Olga angereist, um mit ihm zu feiern. Eigentlich sind Sohn und Schwiegertochter in London verwurzelt. Aber die kommenden drei Jahre hat es sie beruflich in die Wüste verschlagen. Jonathans älterer Halbbruder Daniel lebt in Belgien. Der Professor für europäische Geschichte, der, jeweils jahrelang, in Prag, Wien, Marienbad, Tel Aviv und Kanada, er hat die kanadische Staatsbürgerschaft, lebte, erzählt, dass er in Žilina, zu deutsch, Sillein, in der heutigen Slowakei, eine glückliche Kindheit und Jugend verleben durfte, bevor er wegen seines jüdischen Glaubens in den KZs in Sillein und Sared interniert war. Nach einer missglückten Flucht kam er schließlich ins KZ Sachsenhausen.

Nach seiner Befreiung musste er einige Jahre später noch einmal fliehen. Gemeinsam mit dem Onkel des späteren tschechischen Präsidenten, Václav Havel verließ er die Tschechoslowakei und ging nach Wien. "Ich habe damals für die israelische Botschaft gearbeitet, was den Kommunisten ganz und gar nicht gefiel", begründet er diese weitere Flucht.

Gleichgesinnte

Nach Tirschenreuth kam er eher zufällig. Als er vor etwa 15 Jahren wieder einmal in Marienbad weilte, bekam er plötzlich Halsschmerzen. Er fuhr nach Tirschenreuth und las auf einem Schild die Aufschrift, "Allgemeinarzt Dr. L. Schmid". Er ließ sich von dem Mediziner untersuchen. "Wir kamen schnell ins Gespräch.

Der Doktor erzählte mir, dass es in Tirschenreuth eine Gleichgesinnte von mir gebe. Er stellte mich Dorothea Woiczechowski vor. Tja, wie das halt so ist im Leben - ich sagte ja bereits - ich hatte oft Glück."
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