Parklandschaft mit religiöser Symbolkraft

Eine entsprechende Satzung sieht auf dem Friedhof in Wernersreuth nur Gräber mit Kreuzen aus Holz oder Schmiedeeisen vor (links). Auch die Anordnung von Werkzeugen, wie hier in Tirschenreuth spielt bei der Bewertung eine Rolle (rechts).
Lokales
Tirschenreuth
04.04.2015
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In Bremen ist die Friedhofsbestattungspflicht aufgehoben. In Norddeutschland liegt die Quote der Urnenbestattungen bei etwa 80 Prozent, in Bayern bei rund 30 - Tendenz steigend. Ist der traditionelle Friedhof Kulturgut oder Kostenfaktor?

"Friedhof in der Zukunft" ist ein Thema, dem sich auch die Kreisfachberatung für Gartenbau und Landespflege widmet. Die Landesanstalt für Wein- und Gartenbau liefert mit zwei Broschüren Denkanstöße für die Träger von Friedhöfen, um den Wandel der Trauerkultur in unserer Gesellschaft positiv zu bestehen.

Das Fachblatt des Landesverbandes für Gartenbau und Landespflege mit Unterstützung des Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten titelt ihre Broschüre, "Unser Friedhof - Ort der Würde, Kultur und Natur."

Das greift Kreisfachberater Harald Schlöger auf. "In Großstädten sind Friedhöfe schon immer viel mehr als nur Plätze, wo die Toten bestattet werden. Sie dienen dort auch der Erholung und erinnern eher an Parkanlagen." Er geht davon aus, dass sich fast alle 70 Landkreise im Freistaat an dem ausgeschriebenen Wettbewerb beteiligen werden.

Schlöger hat bereits im vergangenen Jahr sämtliche Gemeinden, Kirchengemeinden und Obst- und Gartenbauvereine im Landkreis Tirschenreuth angeschrieben. Er und seine Kollegin Manuela Pappenberger haben schon zahlreiche Fachvorträge in Städten und Gemeinden gehalten, um für den Wettbewerb zu werben.

Sechs Kriterien sind es, bei denen die Teilnehmer bei der Fachjury punkten können. Da geht es um die Lage und Erschließung eines Friedhofs, um Einfriedung und Eingrünung, um die Gliederung des Areals, um seine funktionellen Einrichtungen, um Konzepte und um die Grabstellen selbst. Die Bestattungskultur ändere sich momentan sehr stark, sagt Schlöger. Im Moment geschehe das noch unbewusst. Aber es sei eine Entwicklung in Gang gesetzt, die dazu führe, "dass der Kulturort Friedhof, wie wir ihn jetzt kennen, nicht mehr in dieser Qualität erhalten werden kann".

Diese Befürchtung sei in der demografischen Entwicklung begründet. Es wären einfach nicht mehr genug Angehörige da, um die Gräber zu pflegen. Die Frage, wie lässt sich die Last der Pflege minimieren, bringe als beste Antwort stets die Urnenbestattung. Doch die müsse organisiert werden. Die Gemeinden machten sich zwar Gedanken, aber zu wenig darüber, welche Bedeutung das für den Friedhof als Ganzes habe.

Kalte Urnengrabwände

Schlöger weist auf die Entwicklung unserer Friedhöfe zu kalten Urnengrabwänden hin. Denen steht er skeptisch gegenüber. "Da ist es schwer, individuelle Trauer auszudrücken." Blumensträuße, oft mit Klebefilm angebracht, ließen sich nur schwer zuordnen. Urnengräber seien so zu planen, dass eine traditionelle Friedhofsgestaltung gewährleistet sei. Es gehe auch darum, Friedhöfe so einzurichten, dass sie Aufenthaltsqualität bieten.

Empfehlungen der Fachjury

Mitte Juni wird die Fachjury, bestehend aus Bürgermeistern, Vertretern der Gartenfachberatung, der Geistlichkeit und der Heimatpflege, die Friedhöfe der Teilnehmer begutachten und an Ort und Stelle Empfehlungen aussprechen. Bei dem sensiblen Thema dürfe nicht nur die Bequemlichkeit des Einzelnen im Vordergrund stehen. "Ein Friedhof hat immer auch viel Symbolcharakter." Zum Beispiel dürfe bei der Thematik Laub nicht nur der Pflegeaufwand berücksichtigt werden. Gerade auf einem Gottesacker habe die Symbolik von Pflanzen große Wirkung. Wenn das Laub im Herbst fällt, sei das symbolhaft für Trauer, wenn es im Frühjahr neu sprießt, sei das ein sehr starkes Auferstehungssymbol.
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