Pauken für die Passions-Musik

Die erste Probe absolvierten die Musiker der Passion im Januar. Vergangenes Wochenende paukten sie im Musikzimmer des Stiftland-Gymnasiums. Am 9. März sind sie bei einer Probe erstmals im Kettelerhaus dabei. Unser Bild zeigt von links Komponist, Helmut Burkhardt, Katharina Weinberger, Kinga Schröder, Jakob Schröder, Marie Kuzmiakova und Stefanie Heinrich. Bild: Grüner
Lokales
Tirschenreuth
22.02.2015
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Die Begleitmusik zur Passion ist auch von den persönlichen Vorlieben ihrer Schöpfer geprägt. Galt die von Max Schnurrer als volksmusikalisch, die von Jakob Schröder als kammermusikalisch barock, spannt die neue einen Bogen von Volksmusik und gregorianischem Choral bis Klassik, Barock und Romantik.

Für die fünfte Oberpfälzer Passion hat Helmut Burkhardt die Musik neu komponiert. In einem Interview mit unserer Zeitung lobte der Autor und Regisseur, Johannes Reitmeier: "Helmut Burkhardt hat die Auswahl der Stücke und Kompositionen spezifisch genau auf die Oberpfälzer Passion zugeschnitten. Ich gehe davon aus, dass eine Musik entstanden ist, die stilistisch insgesamt zu dieser Passion am besten passt." Über ein Jahr hat Burkhardt daran gearbeitet und aus 21 überlieferten Passionsliedern und 11 gregorianischen Chorälen ein völlig neues Gebilde arrangiert. Sein Chef, der Leiter der Kreismusikschule (KMS), Jakob Schröder hatte die Idee, dass der KMS-Lehrer die Musik schreiben könnte.

Kleines Ensemble bleibt

"Obwohl ich ahnte, was da an Arbeit auf mich zukommt, war ich als Komponist natürlich begeistert. Ich habe mir vor fünf Jahren die Generalprobe angeschaut. Das kleine Ensemble, das auch immer gewünscht war, habe ich ähnlich übernommen." Als Ausgangspunkt für seine Recherchen nennt Burkhardt die Weihnachts-CD des ehemaligen KMS-Leiters Max Schnurrer. Die kam vor 15 Jahren heraus. "Eine fantastische Scheibe mit dem Titel, ,Weihnachtliches aus Oberpfalz und Egerland', eingespielt mit KMS-Lehrern. Für mich eine Art Initialzündung. So fing ich an, nach entsprechenden Liedern für die Passion zu suchen, fand und bearbeitete sie."

Als Burkhardt den Kompositionsauftrag der Stadt erhalten hatte, reiste er im November 2013 zwei Mal ins Regensburger Oberpfälzer Volksmusikarchiv. Die Passionslieder die in seiner Musik Verwendung finden, stammen alle aus überlieferter Volksmusik aus dem oberpfälzischen, böhmischen, süddeutschen und österreichischen Raum. Die gesamte Passionsmusik dauert etwa 35 bis 40 Minuten. Einige der verwendeten Werke kommen aus dem Landkreis Tirschenreuth. Zum Beispiel Gesänge und Melodien, die bei Kreuzwegandachten in der Pfarrei Münchenreuth gesungen wurden. Unterstützt wurde Burkhardt bei seinen Recherchen vom ehemaligen Bezirksheimatpfleger Adolf Eichenseer. "Der hat zum Beispiel aus dem Bischöflichen Zentralarchiv Regensburg oder auch bei "Vorsängern" aus der Oberpfalz diverse Stücke "ausgegraben". Darunter, "Lass mich deine Leiden singen, dir des Mitleids Opfer bringen", "Sieh deinen Heiland an" sowie das Kulmainer und das Kemnather Kreuzweglied. Letzteres wird heute noch zur Kreuzwegandacht auf dem Armesberg gesungen. Bei der Tirschenreuther Passion leitet es das zehnte Bild ein, die Kreuztragung.

Insgesamt 13 Stücke

Die Musik setzt immer zwischen zwei Szenen ein. Bis zu drei Lieder hat Burkhardt in einem Stück verarbeitet. Insgesamt umfasst die Komposition 13 Stücke. Das Auffinden der Vorlagen sei alles andere als einfach gewesen. Beim "Judaslied" von 1527 habe, wie des Öfteren, das Internet hervorragende Dienste geleistet. Im Archiv der Staatsbibliothek Leipzig wurde der Komponist fündig.

Gregorianische Choräle sind in und leben vor allem vom Gesang. Der ist für die Passion aber nicht relevant. Deshalb übernehmen die Singstimmen Violine, Klarinette, Flöte oder Cello. Diese Passagen schwingen dem Choralgesang entsprechend rhythmisch freier und nicht eingezwängt in Dreiviertel- oder Vierviertel-Takt, erklärt Burkhardt. Nicht immer sei es einfach gewesen, die beste Melodie zu finden. Bei den Chorälen zum Beispiel wären deshalb manchmal drei oder vier Sequenzen aus verschiedenen Originalen zusammengesetzt worden. Insgesamt hat Burkhardt von November 2013 bis Januar 2015 an seiner Komposition gearbeitet. Selber spielt er das Cembalo, das die Generalbassbegleitung, zusammen mit dem Cello, übernimmt. Als weitere Musiker sind Stefanie Heinrich, Katharina Weinberger, Kinga Schröder, Jakob Schröder und Marie Kuzmiakova dabei.

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Weitere Informationen im Internet:

http://www.tirschenreuther-passion.de http://www.helmutburkhardt.de/
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