Prototypen und Paradebeispiele

Lokales
Tirschenreuth
21.12.2014
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Grundsatzdiskussion sollte es eigentlich keine mehr werden. Wurde es dann aber doch. Windkraft sorgt halt immer wieder für stürmische Zeiten - selbst in besinnlichen Weihnachtssitzungen.

Das Thema beschäftigt den Kreistag seit Jahren und füllt mittlerweile alleine als Sitzungsvorlage weit über 100 Seiten: Wendelin Fenzl will beim Gramlhof eine 150 Meter hohe Windkraftanlage in Genossenschaftsform bauen. Das dafür vorgesehene Grundstück allerdings liegt im Landschaftsschutzgebiet "Ostmarkstraße - Nördlicher Teil", weshalb der Besitzer bereits im April 2012 die Herausnahme einer 1,5 Hektar großen Fläche beantragt hat. Bisher ohne großen Erfolg. So ziemlich genau ein Jahr nach der letzten Beratung war nun am Freitag die Mehrheit des Kreistags damit einverstanden. Zuvor aber gab es noch reichlich Debatten.

Viele Einwände

Landrat Wolfgang Lippert erinnerte daran, dass sich der Naturschutzbeirat, der Bund Naturschutz, die Gemeinde Kirchendemenreuth, die Dorfgemeinschaften Frodersreuth und Glasern, die Unteren Naturschutzbehörden aus Neustadt und Tirschenreuth, der Bezirk Oberpfalz und der Verein "Hessenreuther Wald" eindeutig gegen diese Maßnahme ausgesprochen hatten.

Und nach den Erfahrungen mit den Ellenfelder Windrädern wollte Lippert den "Bedenken der Bevölkerung mehr Raum geben". Die geplante Einzelanlage war für den Landrat der "Prototyp der Verspargelung" und ein gewaltiger Eingriff in die Landschaft. Rein persönlich unterstrich Toni Dutz jedes Wort Lipperts. Als Sprecher der CSU-Fraktion berichtete er aber von keiner einhelligen Meinung. Eine Situation, die auch Hans Klupp (Freie Wähler) und Benjamin Zeitler (Zukunft Tirschenreuth) zu teilen hatten.

Rainer Fischer zitierte zwar Karl Valentin ("Es ist schon alles gesagt, nur nicht von jedem") plädierte für die SPD dann aber klar für eine Herausnahme der Flächen. "Wir respektieren auch die Meinung der Windkraftgegner, aber wir teilen sie nicht." Fischer griff auch einen Satz des Landrats auf, wonach der Mensch im Vordergrund stehen sollte. "Der Mensch zählt bei uns auch, sogar der in Fukushima." Heidrun Schelzke-Deubzer (Bündnis 90/Die Grünen) wollte das Argument, dass 77 Prozent der Kreisfläche nicht unter Landschaftsschutz stünden und so für Windkraft nutzbar seien, so nicht gelten lassen. "Wo sind die Planungen der Welt (Windenergie Landkreis Tirschenreuth) geblieben, wo gibt es alternative Projekte zum Gramlhof?"

Bürgerenergiewende

Die Kreisrätin sah sich nicht nur in der Verantwortung für die Region, sondern auch für die Weiterentwicklung der Energieversorgung in Bayern und Deutschland mit globalen Auswirkungen auf den Klimawandel. Der Gramlhof war für die Sprecherin ein "Paradebeispiel für eine dezentrale Bürgerenergiewende". "Wir sind die Generation, die das hinbekommen muss."

Gregor Zölch (CSU), früherer Kreisobmann des Bauernverbandes, und sein Nachfolger in diesem Amt, Ely Eibisch (Freie Wähler), sahen in den Bestrebungen des Landwirts und der Einbindung der Bürger vor Ort die Wertschöpfung in der Region.
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