Raum für würdevollen Abschied

Die Geistlichen Georg Flierl und Ralph Knoblauch erteilten der neuen Aussegnungshalle nach der Generalsanierung wieder einmal den kirchlichen Segen. Großzügiger ist der Aufbahrungsraum gestaltet worden. Dort können bis zu drei (früher 6) Särge untergebracht werden. Ebenso ist ein Platz für Urnen vorgesehen. Bild: Schirmer
Lokales
Tirschenreuth
17.07.2015
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Grauer Granitboden, gedeckte Farben und dezente Beleuchtung sorgen in der neuen Aussegnungshalle für eine gediegene Atmosphäre. Eben ein Raum, in dem es sich würdevoll von den Verstorbenen Abschied nehmen lässt.

Dennoch ist die Generalsanierung der "Leichenhalle" am Friedhof kein Luxus. Jahre schon liegen die letzten Arbeiten zurück. Und obwohl die Stadt immer wieder ausgebessert hat, war die Aussegnungshalle lange kein würdevoller Platz für Trauer.

Nach mehreren Monaten Bauzeit und rund 243 000 Euro hat sich nicht nur das Erscheinungsbild grundlegend geändert. Auch beim Konzept, gerade für den Aufbahrungsraum, ist die Stadt neue Wege gegangen.

Am Dienstag hatte Bürgermeister Franz Stahl Geistliche und Ehrengäste zum Abschluss der Maßnahme in die Aussegnungshalle geladen. "Der Verlust eines geliebten Menschen lässt die Hinterbliebenen im Schmerz zurück. Ihre Trauer braucht Zeit und vor allem Raum", so der Bürgermeister. Ein Anliegen, dem die Stadt mit der Sanierung der Aussegnungshalle nachkomme.

Im Rückblick erinnerte Stahl, dass der Bau der Leichenhalle 1890 mit der Vergrößerung des Friedhofs erfolgt sei. 60 Jahre dauerte es bis zur ersten Modernisierung des Gebäudes. 1966 wurden 63 000 und 1985 188 000 Mark aufgewandt. Im September vergangenen Jahres startete dann die Generalsanierung. Putz, Fußböden, Fenster oder Elektroleitungen wurden erneuert, ein barrierefreier Zugang angelegt. Neu angeschafft wurden die Stühle für die Aussegnungshalle, ebenso erfolgte ein behindertengerechter Umbau der Toilettenanlage. Neu gestaltet wurde zudem der Außenbereich, dabei habe man die Abfallgrube oder den Glascontainer nahe dem Gebäude entfernt.

Weitere Maßnahmen geplant

Das neue Konzept für den Aufbahrungsraum sieht nur noch Raum für drei Särge (früher sechs) sowie einen Platz für Urnen vor. Erhalten wurde das Kreuz mit Glassteinen in der Außenmauer. Fertig sei die Stadt damit aber noch nicht, wusste Stahl. So soll noch im Außenbereich der Weg vom Leichenhaus zum Friedhof neu befestigt werden. Um den Trauernden einmal Schatten zu spenden, könnten auch Baumreihen gepflanzt werden. Insgesamt erkannte Stahl in den Maßnahmen einen wichtigen Beitrag zur Sterbekultur in Tirschenreuth. "Damit ist ein ehrenhaftes Verabschieden von lieben Menschen möglich", hoffte der Bürgermeister.

Stadtpfarrer Georg Flierl dankte für die Investition und die Beteiligung der Kirche bei den Planungen. Mit Blick auf die Sterbekultur bedauerte Flierl einen Umbruch hin zu einer gewissen Anonymität. Für einen pietätvollen Abschied sei jedoch ein entsprechender Rahmen notwendig. "Wir sind für Gott keine namenlosen Wesen. Es gibt eine Individualität im Sterben und darüber hinaus!" Pfarrer Ralph Knoblauch beurteilte die Aussegnungshalle als einen Durchgangsort auf dem Weg zu Gott. Deshalb sei es wichtig, dass dieser Raum eine gewisse Würde ausstrahle. "Was danach geschieht können wir getrost in Gottes Hand legen", versicherte Knoblauch den Gästen.
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