Roter Kreis auf weißem Grund schließt Radler aus - Richtige Beschilderung bei Radwegen ...
Fahrlehrer liest Bürgermeistern die Leviten

Ganz in seinem Element war Fahrlehrer Max Schiedeck, als er in der Versammlung der Bürgermeister auf die falsche Beschilderung an vielen Radwegen hinwies. Bild: jr
Lokales
Tirschenreuth
11.10.2015
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Kein Blatt vor den Mund nahm Max Schiedeck, gebürtiger Konnersreuther und über viele Jahre beruflich in Baden-Württemberg aktiv, vor den Bürgermeistern des Landkreises. Die richtige Beschilderung von Wegen ist dem ehemaligen Fahrlehrer schon länger ein besonderes Anliegen (wir berichteten).

Besonders ärgert er sich darüber, dass vielerorts das Verbotsschild Nummer 250 - roter Kreis um weiße Fläche - aufgestellt ist. Seiner Ansicht nach schließt dieses Pauschalverbot für Fahrzeuge aller Art auch Räder ein, wenn kein Zusatzschild angebracht ist. Radler müssten also schieben, wollten sie keine Ordnungswidrigkeit begehen. Der heute in Preisdorf beheimatete Fahrlehrer betonte in der Dienstversammlung im Saal des Landratsamtes: "Ich will Ihnen einen Denkanstoß geben." Zur Untermauerung seiner Bestandsaufnahme händigte Schiedeck den Bürgermeistern ein ganzes Geheft mit falschen Beschilderungsbeispielen im Landkreis aus.

Seinen Vortrag begann er mit einem Zitat von Erich Kästner. "Menschen machen Fehler, das Schlimme ist nur, dass diese Fehler nicht beseitigt werden." Schiedeck betonte, dass er seit mehr als 40 Jahren versuche, den Tourismus im Landkreis anzukurbeln: "Jährlich besuchen durch meine Vermittlung Gäste unsere Region und sorgen so für 100 bis 300 Übernachtungen." Er wolle, dass aus dem zarten Pflänzchen Tourismus eine starke Pflanze wird. "Wenn diese Saat freilich nicht aufgeht, haben wir ein Problem."

Schiedeck berichtete, dass er mit einer kleinen Gruppe Urlaubern - Fahrlehrer-Kollegen aus dem Badischen - mit dem Rad im Landkreis unterwegs war. "Am Ende kamen sie zur Erkenntnis: Deinen Landkreis kannst du vergessen. Da darfst du ja nirgends Rad fahren", meinte der gebürtige Stiftländer. "Radtouristen sind sensibel, die fahren nicht in gesperrte Straßen ein."

Schiedeck erinnerte an die Aufforderung des bayerischen Innenministers, falsche und überflüssige Verkehrszeichen zu melden. Alleine im Landkreis Tirschenreuth gebe es rund 500 falsch angeordnete Verkehrszeichen. "Wenn ich das dem Ministerium melde, erklären sie mich in München für verrückt."

Bei den Schildern hakt es vor allem am Zeichen 250, dem bekannten roten Kreis um eine weiße Fläche. Bei diesem Schild seien Fahrzeuge aller Art verboten. Wer dennoch - auch mit dem Rad - einfahre, handle grob fahrlässig und verliere den Versicherungsschutz. Schiedeck wusste von Problemlösungen mit dem Zeichen 260, denn da könnten Fahrräder passieren. Dieses rot umrahmte Schild zeigt ein Auto und ein Motorrad in der weißen Fläche, also die motorisierten Fahrzeuge, auf die sich das Verbot bezieht.

Nicht gut zu sprechen war Schiedeck in dem Zusammenhang auf die Stadt Mitterteich. "Ich warte noch immer auf einen Rückruf von der Stadtverwaltung." Mitterteich sei der Spitzenreiter darin, verkehrte Schilder aufzustellen. Auch sei es unmöglich, von der Kappl mit dem Rad nach Konnersreuth zu fahren, weil die Stadt Waldsassen dies verhindere. Das Verbotsschild zwischen Pechofen und Großbüchlberg sei mittlerweile beseitigt. Im Landkreis Tirschenreuth seien ganze Radwege für die Benützer von Fahrrädern unwissentlich durch eine falsche Beschilderung gesperrt, machte Schiedeck deutlich. Nachdem es im Saal schon recht unruhig wurde, machte er ein Angebot: "Ich bin gerne bereit, jeder einzelnen Kommune zu helfen und die Beschilderung durchzugehen." Das Zusatzschild "kein Winterdienst" könnten die Gemeinden übrigens vergessen: "Dieses Schild entbindet nicht von einer Verkehrssicherungspflicht. Wenn etwas passiert, sind die Kommunen dran."

Für die Beschilderung ist laut Schiedeck jede Gemeinde selber zuständig, die Polizei werde nur gehört. "Ich will Ihnen helfen, dass künftig alles auf rechtlicher Basis geschieht", bot er den Bürgermeistern an. Abschließend war für Landrat Wolfgang Lippert klar, dass sich in der Beschilderung im Landkreis etwas ändern müsse. Den Bürgermeistern riet er, das Angebot von Max Schiedeck anzunehmen. Freilich bleibt abzuwarten, ob die Gemeindevertreter nach diesem Vortrag darauf eingehen.
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