Rückzug auf Truppenübungsplatz

Auch eine Streuobstwiese beherbergt der Truppenübungsplatz Grafenwöhr. Die Teilnehmer der Exkursion des Bund Naturschutz waren von der Artenvielfalt auf dem riesigen Areal überrascht. Bild: lpp
Lokales
Tirschenreuth
28.07.2015
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Neben Wäldern prägen große Moore und weitläufige offene Flächen das Landschaftsbild im Truppenübungsplatz Grafenwöhr. Gefährdete Tierarten finden hier ein Rückzugsgebiet, informiert die Kreisgruppe Tirschenreuth des Bund Naturschutz.

Neuland für fast alle Teilnehmer betrat die BN-Kreisgruppe Tirschenreuth mit einer Ganztagsfahrt in den Truppenübungsplatz Grafenwöhr. Mit dabei auch Bürgermeister Ludwig König aus Brand, Naturpark-Geschäftsführer Christian Kreipe und vom FGV-Vorstand Hauptvorsitzender Heinrich Henniger und Hauptnaturschutzwart Jörg Hacker. Zwei Biologen der US-Truppenverwaltung lotsten den Bus rund 70 Kilometer durch den Truppenübungsplatz zu ganz besonderen Biotopflächen. Der Übungsplatz Grafenwöhr umfasst 216 Quadratkilometer Fläche, davon sind über 86 Prozent dem Naturschutz gewidmet. Im Untergrund finden sich vielfältiges Ausgangsgestein, Schwemmsande und Torfe. Vor allem störungsempfindliche Vogelarten haben hier ihre letzten Rückzugsgebiete. Wieder zurückgekehrt sind mehrere Brutpaare Fischadler und Seeadler, die die Besucher auch vom Bus aus sehen konnten.

Die Gruppe besuchte unter anderem das renaturierte Thumbachtal mit großen Altwasserflächen, Steinen für Fischotter und Brutwand für Eisvögel. Laut Schätzungen der Biologen gibt es etwa 90 Biber-Quartiere mit etwa 300 Tieren und rund 8000 Stück Rotwild.

Mit großem Einsatz führt die US-Verwaltung zusammen mit der Bundesforstverwaltung Maßnahmen zum Erhalt der Artenvielfalt durch, wie etwa die Mahd weitläufiger artenreicher Wiesen. Auch wurde gleich neben der Kirchenruine von Hopfenohe aus Reiser absterbender Bäume durch Veredelung ein neuer Bestand an alten Obstsorten herangezogen. Bei der Erweiterung des 1910 gegründeten Übungsplatzes nach Westen in den Jahren vor dem Zweiten Weltkrieg mussten etwa 3500 Menschen ihre Dörfer verlassen. Ein weiteres Relikt aus dieser Zeit konnte mit dem Friedhof von Haag mit behauenen Sandsteingrabmalen aus den 1920er Jahren besucht werden. So konnten die Teilnehmer der Exkursion, die eine triste, zerstörte Landschaft erwartet hatten, mit einem ganz gegensätzlichen Bild vom wohl interessantesten Biotopkomplex Bayerns die Rückfahrt antreten.
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