Selbst Raben könnten Bairisch

Lokales
Tirschenreuth
30.04.2015
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Ganz in der Tradition des großen Mundartforschers steht die Schmeller-Gesellschaft. Da spielen dann auch "Gauwitz" und "Dornkreil" eine wichtige Rolle.

Zwar waren der Einladung der Johann-Andreas-Schmeller-Gesellschaft zur Jahreshauptversammlung ins Kettelerhaus etwas weniger Mitglieder als in den vergangenen Jahren gefolgt, dafür freute sich Vorsitzender Christian Ferstl umso mehr über den unverhofften Besuch einiger Gäste aus nah und fern, die offensichtlich der angekündigte Vortrag über die bairischen Volksnamen der Vögel neugierig gemacht hatte.

In seinem Tätigkeitsbericht wies Ferstl zunächst auf den Höhepunkt des zurückliegenden Vereinsjahres hin, das in Hetzenbach gemeinsam mit der Gemeinde Zell und dem Landkreis Cham ausgerichtete "6. Dialektologische Symposium im Bayerischen Wald", das die Thematik "Mundart auf der Bühne" aufgegriffen hatte.

Als vordringlichste Aufgabe für die nächste Zeit sah der Vorsitzende die Fertigstellung der ausstehenden Jahrbücher, um regelmäßig selbst einen aktuellen Beitrag zur Mundartpflege und Dialektforschung in der Tradition Johann Andreas Schmellers zu leisten. Das nächste Jahrbuch mit dem Titel "Mit Schmeller von Puhoi bis Hinterkleebach" mit 14 Beiträgen aus verschiedenen Bereichen dialektologischer Forschung soll bis zum Sommer erscheinen.

Laut Schatzmeisterin Beate Heinrich wurde das vergangene Geschäftsjahr mit einem Kassenplus abgeschlossen. Aus diesem Grund sah sich die Schmeller-Gesellschaft auch in der Lage, drei Anfragen mit der Bitte um Druckkostenzuschüsse oder finanzielle Unterstützung von Forschungsprojekten positiv zu bescheiden.

Die Tirschenreuther Gästeführer Cornelia Stahl und Thomas Sporrer berichteten, dass die Person Schmeller bei den historischen Stadtführungen stets auf großes Interesse stoße. In dieselbe Kerbe schlug Bürgermeister und 2. Vorsitzender Franz Stahl, der in seinem Schlusswort die Verbundenheit der Stadt mit ihrem großen Sohn betonte und die Bedeutung der Schmeller-Gesellschaft für und über Tirschenreuth hinaus unterstrich.

Im Anschluss referierte Kerstin Richter aus Regensburg zum Thema "Gauwitz, Moosreiger und Dornkreil. Die bairischen Volksnamen der Vögel". Dabei nahm sie eine Unterteilung in vier Kategorien vor, und zwar nach Gesang und Lauten, Erscheinungsbild, Verhalten und zuletzt Religion und Aberglaube.

Garniert wurde der unterhaltsame Beitrag mit zahlreichen Bildern und Lauteinspielungen. So erfuhr die erstaunte Zuhörerschaft etwa angesichts eines Englisch redenden Raben (bairisch "Ruach"), dass dieser lediglich im "falschen" Sprachraum beheimatet sei, sonst hätte er sich ebenso gut auf Bairisch äußern können. Eine schriftliche Fassung dieses Vortrages mit wissenschaftlichem Anspruch wird sich übrigens im bereits erwähnten Jahrbuch der Schmeller-Gesellschaft wiederfinden.
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