Sicherheit nicht gewährleistet

Die sehr komplexe Dachkonstruktion des Tirschenreuther Hallenbades macht den Verantwortliche schwer zu schaffen. Nachdem jetzt Risse in den stählernen Zugstangen festgestellt worden sind, lässt Landrat Wolfgang Lippert das Bad nicht wie geplant zum Oktober öffnen. Archivbild: Grüner
Lokales
Tirschenreuth
28.09.2015
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Eigentlich sollte das Hallenbad am Stiftland-Gymnasium nach der Schließung der Bärnauer Einrichtung die "obdachlosen" Schwimmer vom Grenzkamm aufnehmen. Jetzt suchen die Tirschenreuther selbst nach einem neuen Quartier.

Nach der Sommerpause sollte das Tirschenreuther Hallenbad eigentlich im Oktober wieder den gewohnten Betrieb aufnehmen. Daraus wird nun nichts. Landrat Wolfgang Lippert hat sich entschlossen, bis auf weiteres nicht zu öffnen.

Aus Gründen der Sicherheit. Die ist nicht mehr gewährleistet. Im Zuge der aktuellen Instandhaltungsarbeiten - allein im diesjährigen Haushalt waren gut 57 000 Euro dafür vorgesehen - war auch die Dachkonstruktion überprüft worden. Dabei hatte das Landratsamt eine Material-Prüfungsanstalt aus Stuttgart eingeschaltet. Und die hat festgestellt, dass die Stahlkonstruktion durch Korrosion teilweise stark geschädigt ist.

Der Landrat hat sich selbst ein Bild von dem Ausmaß gemacht und Risse gesehen. "Unter diesen Umständen ist die Tragfähigkeit nicht mehr gewährleistet", begründet Wolfgang Lippert seine Entscheidung. "Und das ist nicht verhandelbar."

Dass sich der Landkreis über kurz oder lang Gedanken machen muss, wie es mit dem vor rund 30 Jahren erbauten Hallenbad am Stiftland-Gymnasium weitergeht, war hinlänglich bekannt. Nicht aber, dass akuter Handlungsbedarf besteht. Seit gut 2001 wird die sehr komplexe Konstruktion immer wieder überprüft. "Der damals verwendete Stahl ist nach den aktuellen Bestimmungen heute so nicht mehr erlaubt", weiß Lippert, "weil er korrodieren kann".

Der Landrat ist sich durchaus bewusst, dass seine Entscheidung "gerade für die Schulen, aber auch für die Vereine eine sehr einschneidende Situation darstellt", schreibt er in einem am Montag rausgegangenen Brief an alle Nutzer des Hallenbades, das im vergangenen Jahr immerhin gut 36 000 Gäste verzeichnete.

Es werde derzeit mit Hochdruck versucht, die geschädigten Teile schnellstmöglich zu ersetzen. Ob das überhaupt geht, soll ein externes Statik-Büro beantworten. Bis dahin sind auch keine Angaben über Kosten oder auch Zeitdauer der Maßnahme möglich.

Darauf warten sehnlichst die betroffenen Schulen und Vereine. Neben den Wasserwacht-Ortsgruppen aus Tirschenreuth und Erbendorf müssen auch die Selbsthilfegruppe Behinderte und Nichtbehinderte, das Gymnasium (Schwimmen ist durchaus für das Abitur relevant), die Grund- und Mittelschule sowie die Förderschule Tirschenreuth auf Schwimm-Training oder Unterricht verzichten. Einen Korb bekommt jetzt auch die Schule in Plößberg, die nach der angekündigten Schließung des Bärnauer Hallenbades ihre Schwimmer in die Kreisstadt schicken wollte.

"Für uns ist das eine Katastrophe", berichtet German Helgert. Der Trainer des Tirschenreuther Schwimmclubs verweist auf ein breites Angebot im Breitensport, angefangen vom Baby-Schwimmen über Aqua-Jogging bis hin zum Anfängerkurs , das jetzt auf Eis liegt. Gut 80 bis 100 Kinder haben da alle Jahre das Schwimmen gelernt.

Und für die Leistungsschwimmer der Tirschenreuther ist es der Super-Gau. Die Athleten schwimmen durchaus in der deutschen Spitze mit. In drei Wochen sollten die Bayerischen Kurzstrecken-Meisterschaften stattfinden. Und was mit dem allseits beliebten NT-Adventpokal-Schwimmen wird, weiß heute niemand.

Dankbar ist Helgert für die Hilfe des Waldsassener Nachbarvereins. Dort zu trainieren, ist für ihn aber kein Dauerzustand. "Für 90 Minuten Training sind die Aktiven mit An- und Abfahrt, Auf- und Abbau drei Stunden unterwegs." Und letztendlich sei das ja auch eine finanzielle Frage, weshalb Helgert hofft, "dass es zeitlich schnell zu einer Lösung kommt".
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