Stall im Dorf fast unmöglich

Wolfgang Wenisch. Bild: Grüner
Lokales
Tirschenreuth
06.05.2015
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Nicht nur bei den Milchkühen, auch bei den Schweinen ist der Landkreis mittlerweile "eine Bank". Die "Erdäpfel" dagegen spielen in der einstigen Kartoffelpfalz keine Rolle mehr. Und das hat seine Gründe.

Auffallend groß ist die Bedeutung der Landwirtschaft im Landkreis Tirschenreuth: Sowohl deren Anteil an der Wertschöpfung als auch an den Erwerbstätigen ist etwa dreimal so hoch wie im Mittel der bayerischen Landkreise.

Wolfgang Wenisch, Leiter des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, berichtete in der Bürgermeister-Dienstversammlung über die Landwirtschaft in den einzelnen Gemeinden. Rund 1500 Betriebe gibt es im Landkreis. Die Unterschiede in der Agrarstruktur aber sind groß, häufig zum Beispiel wegen der Höhenlagen klimatisch bedingt oder auch aufgrund historischer Entwicklungen. Auch zwischen östlichem und westlichem Landkreis gibt es deutliche Differenzen: "Im Stiftland sind die Betriebe tendenziell größer."

Dort gibt es mehr Haupterwerbsbetriebe, mehr Tierhaltung, größere Einzelflächen und mehr Ackerland. "Aber auch Einkommenskombinationen wie Urlaub auf dem Bauernhof und Direktvermarktung sind dort stärker verbreitet", berichtete Wenisch. In der Tierhaltung sei der Landkreis nicht nur bei Milchkühen, sondern auch bei Schweinen inzwischen "eine Bank". Diese wichtigen betrieblichen Schwerpunkte sind laut Wenisch in den einzelnen Gemeinden sehr unterschiedlich ausgeprägt. Wiesau und Mähring sind beispielsweise die Gemeinden mit den meisten Kühen je Hektar landwirtschaftlicher Fläche. Die Besatzdichten an Schweinen sind dagegen in den Gemeinden Waldsassen, Plößberg und Reuth am höchsten.

Die mittleren Betriebsgrößen schwanken nach den Ausführungen zwischen 13.3 Hektar in Brand und 45 Hektar in Krummennaab. Die Haupt-Kulturen sind im Landkreis das Grünland mit etwa 30 Prozent Anteil, gefolgt vom Silomais mit 17 Prozent, Sommergerste mit 11 Prozent, Winterweizen und Kleegras mit je 9 Prozent. Die "Erdäpfel" spielen in der einstigen "Kartoffelpfalz" mit weniger als 1 Prozent der Ackerfläche nur noch eine Nebenrolle.

In den einzelnen Gemeinden gehen die Anbau-Umfänge aber weit auseinander. So schwankt beispielsweise der Anteil von Silomais an der Ackerfläche zwischen 6 in Friedenfels und 33 Prozent in Pechbrunn. Der Waldanteil an der Fläche in den Gemeinden streut zwischen nur 29 Prozent in Krummennaab und fast 74 Prozent in Leonberg.

Abschließend ging der Behördenleiter noch auf die Schwierigkeiten bei Genehmigungen von Stallbauten ein. "Die sind bei den derzeitigen Rahmenbedingungen selbst in den Dörfern inzwischen nur noch sehr eingeschränkt möglich." Vor allem die gesetzlichen Auflagen durch Wohnhäuser zwängen entwicklungswillige Landwirte meist zur Aussiedlung auf die "Grüne Wiese" abseits einer Wohnbebauung.
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