Starthilfe ins Berufsleben

Nicole Kühlein (links) und Erik Feszter (rechts) können die ausbildungsbegleitenden Hilfen nur empfehlen. Karl Höltl und Harald König von der Kolping-Berufshilfe stehen den Berufsanfängern beim Lernen zur Seite. Berufsberater Franz Lahm (hinten) macht darauf aufmerksam, dass es mit Tirschenreuth, Wiesau und Kemnath drei Standorte gibt. Bild: sbü
Lokales
Tirschenreuth
22.06.2015
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Wenn die Abschlussprüfung erfolgreich war und der Gesellenbrief ausgehändigt ist, fragt niemand mehr danach, ob jemand beim Lernen geholfen hat. Ziel erreicht - und darauf kommt es an.

(sbü) Ausbildungsbetriebe wissen oft nicht, dass es für ihre Lehrlinge professionelle Hilfe gibt. Und Jugendliche warten oft viel zu lange, bis sie Unterstützung suchen. Dabei erweisen sich ausbildungsbegleitende Hilfen (abH) seit Jahren als sehr erfolgreich für die Karriereleiter.

"Das Beste ist, die Jugendlichen sind gleich am Anfang der Ausbildung dabei", sagen Karl Höltl und Harald König von der Kolping-Berufshilfe. Sie betreuen Jugendliche im Rahmen des Förderprogramms der Agentur für Arbeit. Im Pressegespräch berichten die beiden von ihren Erfahrungen. "Wir haben bei der Wiederholung der Prüfung Blut und Wasser geschwitzt, als ein Jugendlicher erst zu uns kam, nachdem er nicht bestanden hatte."

Je früher Jugendliche, die Unterstützungsbedarf haben, zur Kolping-Berufshilfe kämen, desto höher sei die Erfolgsquote. Und die Statistik beweist den Erfolg von abH: Von August 2009 bis März 2013 absolvierten 102 Teilnehmer mit diesem Programm die Abschlussprüfung in einer dualen Ausbildung. 98 haben schon bei der ersten Prüfung bestanden, die restlichen 4 bei der Wiederholung. Ähnlich erfolgreich verlief das Prüfungsjahr 2014. Von 38 Auszubildenden haben 36 auf Anhieb ihren Gesellenbrief erhalten. Zusammen mit dem Leiter der Kolping-Berufshilfe in Tirschenreuth, Johannes Saalfrank, berichten die abH-Betreuer von zwei Gruppen von Auszubildenden, für die sie arbeiten: Jugendliche, die aus einem Förderzentrum kommen und junge Leute aus Mittelschulen. Dass die Arbeit so erfolgreich ist, liegt vor allem an der individuellen Betreuung in Kleinstgruppen von einem bis maximal fünf Teilnehmern. Auch sozialpsychologische Hilfestellung gehört zum Programm. Ausgerichtet auf die verschiedenen Ausbildungsberufe bestehen knapp 30 solcher Kleingruppen.

"abH ist mehr als reine Wissensvermittlung", betont Berufsberater Franz Lahm von der Arbeitsagentur Weiden. Es gehe nicht um Nachhilfe, sondern um "ganzheitliche Hilfestellung in der beruflichen Entwicklung eines jungen Menschen". Um Fahrstrecken möglichst klein zu halten, unterhält Kolping für abH mit Tirschenreuth, Wiesau und Kemnath drei Standorte. Franz Kiener, Teamleiter bei der Agentur für Arbeit Weiden, berichtet von aktuell 80 bei Kolping besetzten Plätzen. "Aber wir könnten deutlich mehr Jugendliche fördern." Gerade in Zeiten des Nachwuchsmangels sei es doch wichtig, möglichst viele Jugendliche zum Ausbildungserfolg zu führen. Die Experten von Kolping und Arbeitsagentur haben zwei Auszubildende mit zum Pressegespräch gebracht, die von ihren Erfahrungen erzählen: Nicole Kühlein lernt im dritten Jahr den Beruf Bürokauffrau, Erik Feszter Werkzeugmechaniker. Beide sind auf einem erfolgreichen Weg zum Berufsabschluss und haben schon ihre Übernahme zugesichert bekommen.

"Wenn wir früher gekommen wären, hätten wir uns noch leichter getan", sagen die Auszubildenden übereinstimmend. Mancher Wissensstoff, der jetzt verlangt würde, sei in der Mittelschule zu wenig vermittelt worden. Oft gehe es um Rechnungswesen oder Mathematik. Deshalb empfehlen sie ihren Altersgenossen: "Die wöchentlich drei Stunden lohnen sich unbedingt."
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