Störfeuer nur Bremsklötze

Für 40- und 25-jährige Tätigkeit wurden jetzt 20 Lehrer von Grund- und Mittelschulen im Landkreis ausgezeichnet. Mit im Bild Schulamtsdirektor Wolfgang Krauß (hinten links), Personalratsvorsitzender Wilhelm Trisl (hinten Fünfter von links) und Landrats-Stellvertreter Alfred Scheidler (rechts) Bild: tr
Lokales
Tirschenreuth
22.11.2015
7
0

"Wohin soll ich mich wenden, wenn Gram und Schmerz mich drücken? Wem künd' ich mein Entzücken, wenn freudig pocht mein Herz?" Mit der ersten Strophe aus der Deutschen Messe von Franz Schubert beschrieb Anton Waldmann das Lehrerdasein aus Sicht eines langjährigen Praktikers.

Anlass für die kleine Feierstunde im Landratsamt war die Ehrung von 20 Kollegen anlässlich ihrer Dienstjubiläen an den Grund- und Mittelschulen des Landkreises. Neben der entsprechenden Urkunde durften sie sich über ein Landkreisbuch und zwei freie Tage freuen.

"Inkubations-Prinzip"

Als beeindruckend lang wertete Schulamtsdirektor Wolfgang Krauß die Zeit, welche die Lehrkräfte für die Kinder im Landkreis da gewesen sind. Der Lehrerberuf bringe es mit sich, dass selten ein Kollege das ernten könne, was er gesät hat. "Wir arbeiten nach dem ,Inkubations-Prinzip', sagte der Sprecher. Lehrer gehörten gerade in der heutigen Zeit zu den Berufsgruppen, die viel ertragen müssten.

Jeden Tag müssten sie das bei ihren Schützlingen ausbügeln, was überforderte oder uninteressierte Eltern versäumten. "Vielleicht bräuchten wir einfach viel mehr Lehrer als Polizei", spielte er auf die jüngsten Ereignisse mit terroristischem Hintergrund in Europa an. Er forderte höhere Achtung vor Lehrern. Stimme die Akzeptanz gegenüber den Pädagogen, führe dies unmittelbar zum Erfolg. Stellvertretender Landrat Alfred Scheidler erklärte, dass sich sein Lehrerbild schlagartig geändert habe, seit er selbst als Dozent an verschiedenen Beamtenschulen unterrichte. Es mache einen großen Unterschied aus, ob man acht Stunden im Büro arbeite oder sechs Stunden vor einer Klasse agiere. Letzteres fordere alles von einem und "schlaucht ganz gewaltig."

Ständige Veränderungen

Personalratsvorsitzender Wilhelm Trisl wies darauf hin, dass Schule ständigen Veränderungen unterworfen sei. Meistens zum schlechteren, ergänzte er. Um da als Lehrer über lange Zeit bestehen zu können, bedürfe es vor allem Anpassungsfähigkeit, Flexibilität und Selbstständigkeit. Anton Waldmann von der Mittelschule Kemnath beleuchtete den Lehrerberuf aus der Sicht eines langgedienten Profis. Dabei stellte er fest, dass die Unterschiede zwischen 25 oder 40 Jahren gar nicht so eklatant seien, wie man vielleicht vermuten möchte.

Am meisten kritisierte er, dass heutzutage viele Leute von den verschiedensten Seiten versuchten, Einfluss auf die Arbeit zu nehmen. Dabei seien Störfeuer von außen nichts als Bremsklötze. Seinen Kollegen riet er, Dinge nicht wichtiger zu nehmen als sie eigentlich seien.

Musik aus Kollegium

Musikalisch gestalteten Anna-Maria Beck und Christiane Böhm mit Stimmen und Keyboard die Feier.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.