Stromführung bleibt spannend

Lokales
Tirschenreuth
28.07.2015
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Was hat der Ostbayernring mit einer Gleichstromtrasse zu tun? Erst mal gar nichts. Der Ring überträgt ja ausschließlich Wechselstrom. Doch viele befürchten eine Bündelung dieser beiden Arten der Stromübertragung quer durch den Landkreis - mit noch höheren Masten.

Ein Vertreter des Netzbetreibers Tennet hielt so ein Szenario jetzt im Kreistag für unwahrscheinlich. Die Bedenken konnte er jedoch nicht gänzlich zerstreuen. Das war auch nicht seine Aufgabe, denn Gunnar Heinitz war in anderer Mission unterwegs: Er erklärte die Notwendigkeit eines Ersatzneubaus für den seit rund 40 Jahren bestehenden Ostbayernring.

Gesetzlicher Auftrag

Diese Stromleitung zieht sich von Redwitz im Landkreis Lichtenfels über Mechlenreuth im Landkreis Hof, von dort über die Landkreise Wunsiedel und Tirschenreuth bis Etzenricht bei Weiden und weiter nach Schwandorf (Info-Kasten). Tennet habe den gesetzlichen Auftrag, den Ersatzneubau durchzuführen, betonte der Tennet-Vertreter. Wenn mit dem Raumordnungs- und Planfeststellungsverfahren alles wie geplant läuft, beginnt der Trassenbau 2018 und ist 2020 abgeschlossen. Erst danach wird der alte Ostbayernring außer Betrieb genommen, die nicht mehr benötigten Masten sollen dann verschwinden.

Neue Masten höher

Laut Gunnar Heinitz sieht Tennet derzeit keine konkreten Anzeichen, dass eine Bündelung von Gleichstrom und Wechselstrom zwingend in Betracht kommt. Die neuen Masten des Ostbayernrings werden zwischen 65 und 75 Meter hoch, etwa 5 bis 10 Meter höher als der Bestand. Bei Gleichstrom würden sie nochmals um 10 bis 15 Meter höher werden.

Kein Kabel unter Trasse

Eine Erdverkabelung, wie sie für Gleichstromtrassen neuerdings Vorrang haben soll, hielt der Referent unter der neuen Ostbayern-Trasse wegen der massiven Fundamente für technisch nicht realisierbar. Der Raum unter der alten Trasse sei theoretisch frei, aber bei der Planung eines Kabels seien die aktuellen Gegebenheiten neu zu bewerten. Raumordnerische, naturschutzrechtliche und technische Aspekte müssten erneut auf den Prüfstand.

Sowohl bei einer Bündelung der Stromübertragungswege als auch bei einer Verlegung des Höchstspannungs-Gleichstromkabels unter der Erde seien neue Verfahren notwendig. Tennet müsse den Neubau des Ostbayernrings schnell vorantreiben. Wenn sich die Rahmenbedingungen ändern würden, müsste der Netzbetreiber neu planen. Grundsätzlich sei eine recht hohe Akzeptanz in der Bevölkerung für den Ersatzneubau des Ostbayernrings vorhanden, merkte Heinitz an.

Für Landrat Wolfgang Lippert war eine Aussage aus den Eckpunkten der Koalitionsverhandlungen wichtig: "Prinzipiell sind für Gleichstromtrassen Erdkabel vorgesehen." Die Arbeit der vielen Bürgerinitiativen gegen "Monstertrassen" habe Früchte getragen. "Die Trasse wird mit Sicherheit nicht durch den Steinwald führen." Die Zeit, eine Bürgerinitiative gegen eine Trasse durchs Stiftland zu gründen, hielt er aber für verfrüht. "Gegen was konkret? Wir haben nichts auf dem Tisch."

CSU-Kreisrat Tobias Reiß, der sich als Landtagsabgeordneter vehement gegen eine eventuelle Nutzung des Ostbayernrings als "Bestandstrasse" für Gleichstrom eingesetzt hatte, forderte eine komplette Erdverkabelung und konkrete Aussagen, wo sie auszuschließen sei. Roland Grillmeier (CSU), der Bürgermeister von Mitterteich, befürchtete, dass am Ende des Tages zwei Trassen möglich seien: "Eine Gleichstromtrasse neben der Wechselstromtrasse, das kann es nicht sein."

Eine Entwidmung des alten Ostbayernrings als Stromleitung sei die wichtigste Voraussetzung: "Alles andere wäre ein Vertrauensbruch." In dieses Horn stießen auch Rainer Fischer (SPD) und weitere Kreisräte. Landrat Lippert bekräftigte: "Wenn die Gleichstromtrasse nicht mit dem Bürgerwillen vereinbar ist, müssen wir entsprechend handeln."
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