Theatergruppe der Mittel- und Oberstufe des Stiftland-Gymnasiums zeigt "Herr Peter Squentz"
Abgespeckt und entstaubt

Erfolgreich ins 21. Jahrhundert transformiert hat die Theatergruppe des Stiftland-Gymnasiums das Schimpfspiel von Piramus und Thisbe, mit dem 1968 das erste Stück des Schultheaters überhaupt gespielt wurde. Bild: hfz
Lokales
Tirschenreuth
05.05.2015
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Eine "Sau" bedeutet in der Theatersprache des 17. Jahrhunderts einen gravierenden Schnitzer, der den Schauspielern auf der Bühne unterläuft. Und "Säue" produzieren die Handwerksburschen um Herrn Peter Squentz bei ihrer Aufführung des antiken Stoffes von Piramus und Thisbe am Königshof jede Menge.

Was die Theatergruppe der Mittel- und Oberstufe des Stiftland-Gymnasiums unter der bewährten Leitung von Martina Schmelzer seinem Publikum bei den beiden Vorstellungen von "Herr Peter Squentz" bot, war auf alle Fälle saukomisch und strapazierte die Lachmuskeln von der ersten bis zur letzten Minute mit allerlei Slapstick, Klamauk und guten Einfällen ganz gehörig.

Zum 60. Jubiläum des Tirschenreuther Gymnasiums hatte sich die Gruppe mit dem barocken Schimpfspiel genau jener Komödie angenommen, welche im Jahr 1968 als erstes Stück überhaupt von einer Schulspielgruppe des Stiftland-Gymnasiums aufgeführt wurde. Dabei hatte sie allerdings die altertümliche Vorlage ordentlich entstaubt und entrümpelt und so erfolgreich ins 21. Jahrhundert transportiert, indem der barocke Wortschwulst abgespeckt und modernisiert oder einfach durch Handlung ersetzt wurde.

Dabei wird die unglückliche Liebesgeschichte um Piramus und Thisbe aus Ovids "Metamorphosen" gleich dreimal auf die Bühne gebracht: Einmal krude und derb, als der Schulmeister Peter Squentz den Handwerkern das Vorhaben, ein Stück auf dem Königshof aufzuführen, schmackhaft machen will. Einmal schmalzig-melodramatisch, als die Handlung im Prolog am Hofe zusammengefasst wird. Und zuletzt bei der von Säuen gespickten Vorstellung vor dem König und seinem Gefolge, wo bei den gröbsten Verfehlungen der wackeren Gesellen tatsächlich eine Sau grunzend über die Bühne lief.

Für Komik sorgten auch die immer wieder vorkommenden Anspielungen auf die jüngere Geschichte, wenn zum Beispiel die Wand zwischen den beiden Liebenden unter den Rufen "Die Mauer muss weg" beseitigt werden soll oder der König Bundeskanzlerin Merkel zitiert. Das Problem, dass ein Mädchen einen Mann spielt, der wiederum im Piramus-Stück eine Frau darstellt, wurde genial dadurch gelöst, dass der Akteurin optische Ähnlichkeiten zu Conchita Wurst verpasst wurden.

Für die größten Lacher sorgte allerdings der lustlose, gelangweilte König mit seinen ebenso lakonischen wie drastischen Kommentaren zu den Schauspielleistungen der Squentz-Truppe. Besondere Anerkennung verdient hierbei, wie geschickt es gelang, den Hofstaat des Königs letztendlich als dekadente, versoffene Kretins darzustellen, die den Handwerksleuten, die sich wenigstens bemühen, das Wasser nicht reichen können. Mit einfachen Kniffen, unter anderem zum Beispiel dass der Adel breitesten Dialekt spricht, wird dabei die barocke Ständeklausel aus den Angeln gehoben und der Lächerlichkeit preisgegeben.

Die überzeugenden schauspielerischen Leistungen, die alle 24 Mitglieder des Ensembles an beiden Abenden zeigten, waren das Resultat zahlreicher intensiver Proben, auch an Wochenenden. Das einfache, aber effektive Bühnenbild und der geschickte Einsatz von Musik und dramaturgischen Kunstgriffen machten die Inszenierung zu einer runden Sache.

Häufiger Szenenapplaus und anhaltender Beifall am Ende beider Aufführungen waren der verdiente Lohn für eine engagierte, couragierte und vor allem urkomische Darbietung sowie für den Mut der Gruppe, einen klassischen Stoff, den schon der gute alte Shakespeare in seinem "Sommernachtstraum" verwendete, ohne falsche Ehrfurcht gründlich aufzumischen und dabei im wahrsten Sinne des Wortes ordentlich die Sau herauszulassen. Damit dürfte die Gruppe ihrer Theaterlehrerin zu deren 10. Jubiläum als Spielleiterin der Oberstufentheatergruppe das schönste Geschenk gemacht haben.
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