Tirschenreuther Selbsthilfegruppe Behinderte und Nichtbehinderte gewinnt Inklusionspreis
Gemeinsam basteln und sporteln

Bezirkstagspräsident Franz Löffler (links) zeichnete die Selbsthilfegruppe Behinderte-Nichtbehinderte Tirschenreuth mit dem Inklusionspreis aus. Landrats-Stellvertreter Günter Kopp (rechts) gratulierte. Bild: gib
Lokales
Tirschenreuth
16.12.2014
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Wie können behinderte Menschen am ganz normalen Alltag teilhaben? Die drei Gewinner des Bezirks-Inklusionspreises machen es vor. Abgeräumt hat auch ein Projekt aus Tirschenreuth.

Vor 30 Jahren hatte eine junge Frau im Rollstuhl keine Lust mehr, zu Hause zu sitzen. Daraus entwickelte sich die Selbsthilfegruppe Behinderte-Nichtbehinderte Tirschenreuth (SHG). Den mittlerweile 315 Mitgliedern mit und ohne Behinderung stehen zahlreiche Freizeitaktivitäten offen wie Basteln, Eisstockschießen, Fitness, Malen und Nähen. Die Selbsthilfegruppe finanziert sich aus Spenden und geringfügigen Mitgliedsbeiträgen.

Jury überzeugt

In erster Linie ist die SHG im östlichen Landkreis aktiv. Das Preisgeld in Höhe von 3000 Euro soll unter anderem dafür verwendet werden, die Aktivitäten auf den gesamten Kreis auszuweiten. Außerdem soll 2015 ein Segeltörn in Tschechien stattfinden. Überzeugt hat die Jury "die Vielfalt der Angebote, die lange Zeitdauer des Projekts, sowie dass Menschen mit Behinderung absolut gleichwertig sind", wie Bezirkstagspräsident Franz Löffler am Montagabend bei der Preisverleihung im Festsaal des Bezirks sagte.

Neben der Tirschenreuther Selbsthilfegruppe wurden das Projekt "Stadtführung inklusiv" in Regensburg sowie das gemeinsame Sommerlager von Behinderten und Nichtbehinderten der Pfadfinder Sinzing ausgezeichnet. Insgesamt hatte es 16 Bewerbungen gegeben. Der Bezirk hatte den mit insgesamt 9000 Euro dotierten Preis zum zweiten Mal ausgelobt. "Die vollständige Einbeziehung von Menschen mit Behinderung in allen Lebensbereichen zu erreichen, ist eine gesellschaftliche Vision", sagte Bezirkstagspräsident Löffler mit Verweis auf die UN-Behindertenrechtskonvention, die seit fünf Jahren in Deutschland gilt.

Jeder Mensch mit und ohne Behinderung habe unterschiedliche Anlagen und Fähigkeiten. "Es geht darum, diesen gerecht zu werden und bestmögliche Entwicklungschancen in allen Lebensbereichen zu bieten."

Arbeitsmarkt hinkt nach

Zwölf Prozent der Menschen in Deutschland hätten eine Behinderung, erklärte Löffler. Gerade auf dem Arbeitsmarkt müsse sich noch einiges ändern. 60 Prozent der Betriebe mit mehr als 20 Mitarbeitern würden lieber die gesetzlich vorgeschriebene Ausgleichsabgabe zahlen als Menschen mit Behinderung einzustellen, bedauerte Löffler.

Nichts hält er davon, aus Gründen der Inklusion bestehende Förderangebote abzuschaffen. "Für manche Eltern kann die Förderschule der bestmögliche Bildungsort für ihr Kind sein."

Mit dem Inklusionspreis will der Bezirk "vorbildliche Gedanken zur Inklusion in die Öffentlichkeit rücken". Der Bezirk ist für die Eingliederungshilfe für Behinderte in der Oberpfalz zuständig. Außerdem ist er Kostenträger bei zahlreichen Fördermaßnahmen in Krippen, Kindergärten, Schulen, Integrationsfirmen und Wohngemeinschaften.
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