Turbodroge ein Teufelszeug

Crystal ist kein Rauschgiftproblem des bayerischen, tschechischen und sächsisches Grenzraumes. Großaufgriffe zeigen die inzwischen längst internationale Dimension. Archivbild: dpa
Lokales
Tirschenreuth
04.02.2015
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Da sind sich die Experten sicher: Crystal hat Heroin längst schon den Rang abgelaufen und wird zu einem immer größeren Problem. Nicht regional, europaweit.

Den einseitigen Fingerzeig in Richtung Tschechien ließen Thomas Bauer, Leiter der Kriminalinspektion Weiden, und Gerhard Krones, vor seiner Pensionierung Leiter der Fachambulanz für Suchtprobleme in Weiden, jüngst im Jugendhilfeausschuss so nicht gelten. Die Vertreter von "Need no speed" stellten dort ihre Präventionsinitiative vor, die auch mit Unterstützung aus Tschechien arbeitet. "Das Problem lässt sich nur gesamt-gesellschaftliche lösen", so Thomas Bauer.

Dass es mit ein paar Polizeibeamten mehr nicht getan ist, machte Gerhard Krones deutlich. Vor allem geht es um Aufklärung und Information. "Da muss die Politik mit ran." Und da ist "Need no speed" bereits ein wichtiger Gesprächspartner. Beim deutsch-tschechischen Zukunftsfonds in Pilsen zum Beispiel, aber auch bei der Drogenbeauftragten des Bundes in Berlin.

Krones berichtete, dass der "Ameisen-Verkehr" mittlerweile längst abgelöst ist. Die kleinen Fische, die sich für den Eigenverbrauch mit ein paar Gramm Rauschgift eindecken, sind längst von den dicken Drogen-Haien abgelöst worden. "Deutschland ist Transitland für Japan und Australien", wusste Krones und berichtete von Aufgriffen im Hamburger Hafen ebenso wie am Düsseldorfer Flughafen. Selbst mexikanische Drogenkartelle seien hier aktiv.

Der Suchtexperte wusste von seiner früheren Beratungsarbeit her, dass es im Jahr etwa so um 500 Fälle wegen harter Drogen geht. Und auch Thomas Bauer sprach von rund 700 bis 800 Delikten. "Aber das sind vielleicht nur 10 Prozent des tatsächlichen Geschehens, also die Spitze des Eisbergs."

Aufklärung nicht nur bei Schülern und Lehrern war für Krones das Gebot der Stunde. "Die Eltern sind oft regelrecht in Panik." Familien mit Drogenabhängigen gaukelten dem Umfeld meist eine heile Welt vor. Gemeinsam mit dem Lionsclub "Goldene Straße" hat das Netzwerk "Need no speed" deshalb ein Familien-Wochenende ins Leben gerufen. Dabei sollen die Eltern auch lernen, wie sie mit der heiklen Situation umgehen können und müssen.

Das Angebot war mit 28 Anmeldungen so schnell ausgebucht, dass später an eine Wiederholung gedacht ist. "Sofern es gut läuft und wir wieder einen Sponsor finden." Krones hatte aber auch konkrete Forderungen. Etwa, dass Betroffene innerhalb von 24 Stunden Beratung und Hilfe finden und nicht erst Monate auf eine Termin warten müssten.

Oder dass eine suchtspezifische Jugendhilfe abgelöst wird von einer familien- und umfeldorientierten. Auch Streetworker, wie sie in Tschechien arbeiten, sah der Suchtberater als guten Ansatz. Vor allem aber, dass Präventionsarbeit eine ausreichende finanzielle und personelle Ausstattung erfährt.
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