Über Kirchturm hinaus gedacht

Wo heute die "Klostermühle" in Waldsassen steht, könnte nach den Vorstellungen von Bürgermeister Bernd Sommer durchaus einmal eine Behörde ihren Standort finden. Der Landkreis und seine Gemeinden unterstützen die Bewerbung der Klosterstadt. Bild: Grüner
Lokales
Tirschenreuth
05.11.2014
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Es war zwar reiner Zufall, kam Franz Stahl aber sicher nicht ungelegen. Bei der Abstimmung am Mittwoch im Kreistag, welche Stadt aus dem Landkreis sich für eine mögliche Behördenverlagerung bewerben soll, fehlte der Tirschenreuther Bürgermeister. Waldsassen machte das Rennen. Übrigens einstimmig.

Seit die Staatsregierung beschlossen hat, in den nächsten zehn Jahren vier große Behördenbereiche aus München in die drei fränkischen Regierungsbezirke und in die nördliche Oberpfalz zu verlagern, werfen immer mehr Kommunen den Hut in den Ring. Die Stadt Vohenstrauß mit der Friedrichsburg zum Beispiel, aber auch der Markt Wiesau.

Dass auch Tirschenreuth Gewehr bei Fuß steht, hatte Franz Stahl ja schon jüngst beim Besuch von Heimatminister Markus Söder deutlich gemacht. "Wir haben da Erfahrung", erinnerte der Bürgermeister an die Verlagerung des Amtes für Ländliche Entwicklung von Regensburg in die Kreisstadt.

Und für weitere Standortüberlegungen hat das Stadtoberhaupt schon entsprechende Flächen im Auge. Die hat auch sein Kollege Bernd Sommer aus Waldsassen. "Es kommt halt darauf an, was genau benötigt wird." Den Bereich "Klostermühle" könnte er sich vorstellen. "Aber wir haben auch noch andere Möglichkeiten."

Signale aus München

Um die ging es am Mittwoch im Kreistag aber gar nicht. Wohl mit Blick auf den Nachbarlandkreis Wunsiedel, wo sich die Bürgermeister auf Marktredwitz als möglichen Standort einer neuen Behörde geeinigt hatten, und den folgenden Signalen aus München, dass so eine Vorgehensweise nicht ungern gesehen wird, zog Tirschenreuth nach.

"Wir müssen schnell und präzise handeln", sagte Lothar Müller. Der Plößberger Bürgermeister ist Kreisvorsitzender des Bayerischen Gemeindetages, der sich nach intensiven Diskussionen im Vorfeld der Kreistagssitzung schon auf die Stadt Waldsassen geeinigt hatte. Dank sagte Müller allen Gemeinden, "die nicht nur an ihren eigenen Kirchturm denken".

Zu denen zählte sich auch Toni Dutz, der als Bürgermeister eine Bewerbung der Marktgemeinde Wiesau zugunsten Waldsassens zurückzog. Und der als Sprecher der CSU-Kreistagsfraktion noch am Dienstag einen offiziellen Antrag eingereicht hatte, wonach der Landkreis die Bestrebungen der Klosterstadt unterstützen möge. Die stehe vor allem nach dem Strukturwandel in der Porzellanindustrie nach wie vor vor großen Herausforderungen. "Eine staatliche Behörde würde hier - neben dem Finanzamt - in hohem Maße für eine positive Zukunftsentwicklung sorgen und auf die gesamte Region ausstrahlen."

Dutz erinnerte auch die Verlagerung der Zentralen Bußgeldstelle vor gut 30 Jahren. "Da konnte sich der Landkreis Wunsiedel nicht darauf einigen, ob Wunsiedel, Marktredwitz oder Selb das Rennen machen soll. Jetzt ist die Einrichtung in Viechtach." In Waldsassen würde strukturpolitisch der größte Effekt erreicht.

Chancen erhöhen

Ob die Klosterstadt dann tatsächlich einmal zum Zuge komme, sei nicht sicher. "Aber wir erhöhen die Chancen." Wie Lothar Müller dankte auch Dutz allen, die über den Schatten gesprungen sind. "Solidarität ist keine Einbahnstraße." Als "starke Stunde des Kreistags" wertete Landrat Wolfgang Lippert die einstimmige Entscheidung. "Respekt, das hat ein hohes Maß an Disziplin und Weitsicht verlangt." Dieser Zusammenhalt mache ihn zuversichtlich für die Zukunft des Landkreises.
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