Unbekanntes und Übersehenes

Im Staatsarchiv Amberg exzerpierte Harald Fähnrich viele "neue" Dokumente des Stiftes Waldsassen. Sein mehrmaliger Vorschlag, eine neue Tirschenreuther Chronik zu schaffen, fand keine Resonanz. Jetzt stellt Fähnrich sein eigenes Werk zur Stadtgeschichte vor. Bild: fae
Lokales
Tirschenreuth
07.11.2014
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In einigen Tagen erscheint der erste Teil des aufwendigen, zweibändigen Geschichtswerkes: "Stadtgemeinde Tirschenreuth, neue historische Forschungen". Verfasst und herausgegeben hat es Harald Fähnrich. Seine Beweggründe sind vielfältig.

Fähnrich möchte Althergebrachtes durch neue Forschungen berichtigen und ergänzen. Das sind die Chroniken von Ludwig Mehler (1864) und Johann Brunner (1933). Einst mit Sachverstand und Herzblut geschrieben! Doch entscheidende Dokumente des Stiftes Waldsassen waren ihnen nicht zugänglich. "Beide wären hocherfreut über neue Forschungsansätze für ihre Werke", meint Fähnrich. Es fand sich nicht nur ein Beleg, dass der Ort schon 40 Jahre früher zur Stadt erhoben worden ist - und seine Bewohner zu bevorzugten Bürgern. Dem geänderten Geschichtsbild widmete 2008 Staatsarchivdirektorin Dr. Sagstetter (Amberg) ihren ersten Vortrag. Allerdings bemängelt Fähnrich hier bei den sonst so "innovativen und agilen" politischen Stadtverantwortlichen eine gewisse "Beratungsresistenz". Ihnen und der Stadtverwaltung würde seit 2008 der 150 Jahre alte Kenntnisstand genügen. Fähnrich sieht es auch an der Zeit, die Orte der Stadtgemeinde aus ihrer Randstellung zu holen. Zu oft seien sie bloßer Ortsteil, wie der Ziegelanger. Themen im Buch greifen ihre Bedeutung auf. Dazu gehören die acht Burgstätten rund um die Burg der Stadt oder die frühe Wondreber Rechtssprechung unter der Linde. Erstaunliche Informationen über Dörfer wie Lengenfeld, Lohnsitz und Marchaney beschreibt Fähnrich im Band 1.

Die Beiträge schrieben moderne Wissenschaftler. Weitere Arbeiten lieferten bekannte Laienforscher - zu Bodenfunden, zur großen Urpfarrei bzw. Adelsherrschaft Tirschenreuth, über den Aufenthalt Kaiser Karl V. im Schloss. Alle Autoren arbeiteten ehrenamtlich. Nach rund zehnjähriger Recherche entstand in 12 Monaten das Manuskript zu beiden Bänden. Unbekanntes und Übersehenes wurde aufgespürt. Erhalten ist in Resten das Schlupftürl in der Stadtmauer für Spätheimkehrer. Wer kennt die auffälligen Einmeißelungen in den Granitwänden der bis 6 m hohen Kanalschlucht bei der Sägmühle? Was hat es mit dem "Käsweibl" bei Rosall auf sich? Gewidmet ist das Werk dem ersten modernen Stadthistoriker und Visionär Max Gleißner.
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