Viel Leid und Gewalt erfahren

Jakob Fischer stammt selbst aus Kasachstan. Mit einer Wanderausstellung informiert er über Geschichte und Gegenwart von Russland-Deutschen. Die Schau ist noch bis 23. Februar am Landratsamt zu sehen. Bild: kro
Lokales
Tirschenreuth
02.02.2015
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Allein aus Kasachstan sind rund 1,3 Millionen Russland-Deutsche nach Deutschland gekommen. Auch Jakob Schröder und Viktor Ehlscheidt von der Kreismusikschule. Zwei Beispiele, wie die Menschen hier Wurzeln schlagen und die Gesellschaft stärken.

Eine vom Bundesinnenministerium und vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge geförderte Wanderausstellung macht auf Geschichte und Gegenwart aufmerksam und ist Teil eines bundesweiten Integrationsprojektes. Bis zum 23. Februar ist sie noch im Landratsamt Tirschenreuth zu sehen.

Projektleiter Jakob Fischer, selbst Deutscher aus Kasachstan,erläuterte bei der offiziellen Eröffnung im großen Sitzungssaal des Landratsamtes die Schautafeln. Landrat Wolfgang Lippert verwies darauf, dass vor rund 250 Jahren viele Deutsche in das russische Zarenreich ausgereist seien und unter der Zarin Katharina II, einer Deutschen, eine neue Heimat gefunden hätten.

Nahezu 200 Jahre seien die Deutschen in Russland hoch geachtet und geschätzt gewesen. Ab dem Zweiten Weltkrieg hätten aber viele Russland-Deutsche unfassbares Leid und Gewalt erfahren müssen, da Stalin sie der Zusammenarbeit mit Hitler-Deutschland verdächtigte. Viele seien ermordet oder verschleppt worden.

Hunderttausende, so erzählte Projektleiter Jakob Fischer, seien deshalb wieder nach Deutschland zurückgekommen, insgesamt 2,8 Millionen Menschen, davon alleine 700 000 in Bayern. Doch in Deutschland seien sie als Fremde angekommen, die Integration klappte zunächst nicht so wie gewünscht. Doch mittlerweile sei dies gelungen, die vielen ehemaligen Russland-Deutschen hätten sich integriert, dies werde mit dieser Wanderausstellung eindrucksvoll dokumentiert.

"Wurzeln schlagen - Gesellschaft stärken" sei der Leitgedanke dieser Ausstellung, die zum Abbau gewisser Vorbehalte und zum Aufarbeiten von Defizit-Infos dienen soll. Vor allem die Schulen seien eingeladen, diese zeitgeschichtliche Ausstellung zu besichtigen. Landrat Wolfgang Lippert. "Diese Ausstellung soll die Menschen bewegen, aufeinander zuzugehen und sich einander besser zu verstehen." Lippert zeigte sich erfreut, dass im Landkreis die Migration gelungen sei, beispielgebend nannte er den Leiter der Kreismusikschule, Jakob Schröder, und den Musiklehrer Viktor Ehlscheidt.

Projektleiter Jakob Fischer verwies darauf, dass Voraussetzung für eine erfolgreiche Migration die Aufnahmebereitschaft der heimischen Bevölkerung sein müsse. Es müsse aber auch die Integrationsbereitschaft der Migranten vorhanden sei, dazu gehöre Lernbereitschaft, die deutsche Sprache zu beherrschen und die Gesetze anzuerkennen. Die Eingliederung in die Gesellschaft sei jedoch ein langer Prozess.

Dass man es schaffen könne, zeigte er anhand einiger Beispiele auf, wie Schlagersängerin Helene Fischer, Boxerin Christina Hammer, Sängerin Julia Neigel, um nur einige zu nennen. Fischer machte aber auch klar, dass die Aussiedler aus Russland Deutsche seien und als Deutsche zurückkommen. Deshalb müssten für sie andere politische, gesellschaftliche und rechtliche Voraussetzungen gelten als für ausländische Zuwanderer und Flüchtlinge.

Musikalisch wurde die Ausstellungseröffnung von Jakob Schröder, Viktor Ehlscheidt und Jennifer Bäumler (Schülerin der Kreismusikschule) umrahmt.
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