Von Erfolgen und Rückschlägen

Schulanfang in Peducca. Die junge Dame vorne in der Mitte kann sich dafür noch nicht begeistern. Walter Rinderer hat im Vorjahr umfangreiche Baumaßnahmen an der vom Zubza-Projekt Weisendorf finanzierten Schule geleitet.
Lokales
Tirschenreuth
10.04.2015
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Die Ausbildung sogenannter Multiplikatoren erscheint den Entwicklungshelfern Walter Rinderer und Hans Rupprecht als der beste Weg, den Menschen im indischen Nagaland Fortschritt näher zu bringen. Egal wo sie hinkommen, Hilfe ist überall nötig..

"Heute fahren wir bei angenehmen 25 Grad Celsius hoch nach Zubza." So beginnt der Eintrag im Tagebuch von Hans Rupprecht für den zweiten Teil unserer Serie über ihn und Walter Rinderer in Indien. Zwei Stunden brauchen sie für die 65 Kilometer. Am Mittag beträgt die Temperatur in dem 1000 Meter hoch gelegenen Dorf nur noch 20 Grad.

Father Samuel ist der Rektor der Don-Bosco-Schule und erwartet die beiden bereits. "Walter nimmt seinen alten Freund spielend auf den Arm. Innerhalb einer Minute stehen die rund 90 Internatsschüler mit Gitarre und Gesang auf dem Schulhof und heißen uns willkommen. Tränen fliesen, dann wird jeder noch einzeln mit Handschlag begrüßt."

Nur Stammessprache

Nach dem Mittagessen folgt eine Ortsbesichtigung. Clementina heißt die Naga, die als Dolmetscherin in den kommenden Monaten zwischen Helfern und Einheimischen zielführende Kommunikation sicherstellt. Zwar ist Englisch die Amtssprache. Aber viele, vor allem ältere Bewohner, sprechen nur die Stammessprache Nagamis.

Die Don-Bosco-Schule besuchen knapp 700 Kinder. Die Eltern von mehr als 100 sind nicht in der Lage, das Schulgeld zu zahlen. Sie sind einfach zu arm. Die Schule nimmt sie trotzdem auf. Die Salesianer haben sich voll und ganz der Kinder- und Jugendausbildung verschrieben. "Schräg gegenüber der Kirche ist das Gemeindehaus. Walter, mittlerweile ein Zubza, wird sofort erkannt und freundlich begrüßt", notiert Hans Rupprecht. "Wie selbstverständlich, werden wir spontan eingeladen. Das wiederholt sich mehrmals täglich. Um 17 Uhr ist es dunkel, es wird frisch. Zum Abendessen sitzen wir, in dicke Jacken, Pullover und Strickmützen verpackt, am Tisch. Wir haben zwar ein gemauertes Gebäude, doch fünf Grad Celsius Außentemperatur kriechen, dank schlechter Isolierung, recht schnell in die Innenräume. Wärmequellen gibt es nicht. Dabei haben wir es noch gut. Die Einheimischen leben in schlichten Bambushütten."

Am nächsten Morgen geht es ins zehn Kilometer entfernte Peducca in "Walters Schule". Walter Rinderer war hier bereits im Vorjahr tätig und hat die Baumaßnahmen an der vom Zubza-Projekt Weisendorf finanzierten Schule als Bauleiter begleitet. In letzter Minute konnte er damals den Einbau bereits gelieferter Asbestplatten verhindern.

In der Schule werden etwa 150 Schüler von den Salesianern betreut. "Heute ist Schulanfang. Manche Kinder weinen und müssen von ihren Lehrerinnen getröstet werden. Eine Lehrerin hat selbst ein etwa drei Monate altes Baby im Wickeltuch dabei. Elternzeit und Mutterschutz kennt hier niemand." Drei Tage später fährt Walter Rinderer ins stickige Dimapur zurück, um dort sechs Salesianer-Padres zu "Solar-Experts" auszubilden. Sie werden später das erworbene Wissen an andere Schüler weitergeben. Die Ausbildung sogenannter Multiplikatoren erscheint den Entwicklungshelfern als die beste Methode auf dem Weg zur Selbsthilfe.

Hans Rupprecht indes begibt sich in ein Kloster, dessen Konvent aus drei Schwestern besteht. Sie leben 500 Meter vom Ort entfernt zusammen mit drei Internatsschülerinnen. Ein gepflegter Garten mit duftenden Blumen erwartet ihn. "Die kommenden drei Tage bringe ich hier die Weinstöcke auf Vordermann, gebe Tipps und lege mit den Einwohnern gemeinsam Salat- und Kräutergärten an. Ich beginne mit der gärtnerischen Ausbildung von 13 Novizinnen, die in einem angrenzenden Areal wohnen. Ich bilde drei von ihnen aus und lasse dann von jeder jeweils wieder eine weitere ausbilden. Schwerpunkt sind vorerst der Maisanbau und die Bodenkultur. Nach weiteren vier Tagen gebe ich mich mit dem, an die Novizinnen vermitteltes Wissen zufrieden - ein gewaltiger Fehler."

Dicke Rauchschwaden

Täglich hat Rupprecht mehrmals versucht den Leuten klar zu machen, dass sie Grünabfälle, welche nicht für die drei Kühe und acht Schweine benötigt werden, für die Bodenpflege und Düngung verwenden. Am fünften Tag die Ernüchterung. Als dicke Rauchschwaden in den Himmel steigen, ahnt er zunächst nicht, dass sie vom Verbrennen der Grünabfälle kommen. "Ein Rückschlag und es sollte nicht der letzte sein."

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Weitere Informationen im Internet:

http://www.zubza.de/
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