Von Zufall und Schicksal

Wolfgang Minssen unternimmt seit drei Jahren mit seinen Zuhörern Spaziergänge durch die Welt der Philosophie. Bild: ubb
Lokales
Tirschenreuth
27.01.2015
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Er ist Mathematiker und Physiker, aber seine heimliche Leidenschaft gilt der Philosophie: Wolfgang Minssen, 69 Jahre alt und ehemaliger Schulleiter des Stiftland-Gymnasiums, wandelt seit seiner Pensionierung auf den Spuren von Aristoteles, Plato und Co.

Nun kann man sich zweifellos auch alleine ein Leben lang mit diesen Männern und ihren Werken beschäftigen. Aber Philosophie macht weit mehr Sinn, wird darüber kommuniziert. Minssen suchte nach Gleichgesinnten und wurde bei der VHS-Leiterin Angelika Schraml fündig. Es folgten Nägel mit Köpfen: Erstmals in der Region bot die Volkshochschule im Jahr 2012 unter dem Titel "Philosophische Spaziergänge" in einem Klassenzimmer des Stiftland-Gymnasiums Philosophie als Seminarreihe an.

Dass manches Wagnis auch funktioniert, zeigt sich drei Jahre später: Minssen steht zum 13. Mal im Gymnasium vor etwa 20 Teilnehmern, die sich auf den Themenabend "Zufall, Notwendigkeit, Wahrscheinlichkeit" freuen. Die Erwartungen sind zweigeteilt. Einige bringen einen anspruchsvollen Wissensstand mit und kommen regelmäßig. Andere kommen sporadisch, weil sie ein besonderes Thema anspricht.

Dabei wünscht sich Minssen ausdrücklich den Dialog. Er bringt die Voraussetzungen dafür mit, seine Fachkenntnisse sind enorm und beschränken sich nicht auf die Philosophen als Person. Sein Anliegen: "Ich möchte mit diesen Abenden den zentralen Begriff der Lebenskunst näherbringen." Zum diesmaligen Thema "Zufall" schlägt er Bücher von Monod, Audretsch, Heisenberg als Lektüre vor. Eine Teilnehmerin stellt den Zufall in Frage. Sie interpretiert das Phänomen, dass die Freundin immer anruft, wenn man selbst zum Telefon greift, als Telepathie.

"Gründlich nachdenken, das ist die Aufgabe der Philosophie", rät der Referent dazu, schließt aber andere Denkweisen nicht völlig aus. Als Physiker und Mathematiker hat er jedoch Rechenbeispiele parat, die unwiderlegbar sind. Glück beim Lotto? Unmöglich, sagt er und macht den Vorschlag, das Geld lieber zu spenden. Bei 14 Millionen Varianten brauche der begehrte Sechser im Lotto 90 000 Versuche. Da hat der Zufall keine Chance, die Wahrscheinlichkeit ist berechenbar.

Nur: Können wir Gott im Zufallsprinzip dann überhaupt einen Ermessensspielraum geben? Minssen ist diplomatisch: Dank der Zufälle stelle die Welt den Menschen einen riesigen Raum an Möglichkeiten zur Verfügung. Man könne es Zufall, Schicksal oder Gottes Fügung nennen. Aber ein Handel mit Gott sei unmöglich. Doch leider blühe das Geschäft mit den Pilgern weiterhin, so Minssen. Hier ist der Abend zu Ende und der Referent schaut zufrieden zurück auf 13 angeregte Spaziergänge durch die spannende Welt der Philosophie.

Wenn er sich auch anfangs mehr Interesse erhofft habe, müssten auch die richtigen Leute kommen, sagt er heute. Zwei Seminare stehen in den nächsten Monaten noch an. Ob es im Herbst weitergeht? Das steht in den sprichwörtlichen Sternen.
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