Vorerst keine Elektrifizierung der Bahnstrecke Marktredwitz-Regensburg
"Wollen niemand überrumpeln"

Klaus-Dieter Josel stand Landrat Wolfgang Lippert und den Bürgermeistern des Landkreises Rede und Antwort. Bild: bz
Lokales
Tirschenreuth
25.01.2015
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Der Pflock ist gesetzt, auch wenn er Wirtschaft und Politik der Region nicht gefallen dürfte: Vor dem Jahr 2024 wird es wohl nichts mit einer Elektrifizierung der Bahnstrecke Marktredwitz-Regensburg. Viel Zeit also für den von der Bahn versprochenen Dialog mit den Betroffenen.

Anders als bei der Strecke Nürnberg-Marktredwitz-Hof mit einem Schlenker nach Eger (Cheb) ist die Nord-Süd-Schiene noch nicht im Bundesverkehrswegeplan aufgenommen. Zwar gibt es eine Fußnote mit Stern, aber noch keinen offiziellen Beschluss. Und solange der Bund kein Geld gibt, wird die Bahn auch nicht aktiv.

"Es gibt zwar Überlegungen, erste Ideen, aber keine belastbaren Planungen", berichtete Klaus-Dieter Josel den Bürgermeistern des Landkreises in der jüngsten Dienstversammlung. Der Konzernbevollmächtigte der Deutschen Bahn AG für den Freistaat Bayern sprach allerdings auch von einem internen Dialog, ob es nicht Vorfinanzierungsmittel gibt. "Wir würden uns damit Zeit einkaufen." Denn nach seiner persönlichen Einschätzung wird es wohl bis Mitte 2016 dauern, bis man mit dem Planfeststellungsverfahren beginnen kann. Und dann noch mindestens acht Jahre bis zur Realisierung der millionenschweren Maßnahme.

Dann allerdings hätte die Region laut Josel einen umweltfreundlicheren Verkehr mit leistungsfähigeren Zügen und besseren Fahrplänen. Der Sprecher sah auch wirtschaftliche Chancen etwa durch die Ansiedlung von Logistik-Centern. Eine der wichtigsten Fragen vorab wird nach seiner Einschätzung die Frage sein, ob es sich um eine wesentliche bauliche Veränderung handelt. Dann nämlich sei die Bahn zur Lärmvorsorge verpflichtet.

Lärm halbieren

"Das Thema wird die große Diskussion sein", vermutete Josel und gab auch gleich den Hinweis, dass sich bis 2020 der Lärm im Güterverkehr durch die Verwendung von Flüsterbremsen halbieren wird. Der Konzernbeauftragte versprach, rechtzeitig mit allen Beteiligten in einen Dialog zu treten. "Wir wollen niemanden überrumpeln."

Die lange Dauer des Verfahrens war für Klaus-Dieter Josel kein Spezifikum der Oberpfalz, wie die Bürgermeister Toni Dutz und Hans Donko vermutet hatten. "Die Realisierung unter rollendem Rad dauert halt so lange." Und es gebe auf viele Fragen einfach noch keine Antworten.

Dass die Strecke Nürnberg-Marktredwitz-Hof eher dran ist, begründete Josel mit einem 1995 geschlossenen Staatsvertrag mit Tschechien, der den Ausbau einer schnellen Verbindung nach Pilsen und Prag vorsieht. Mit ihrem Drängen auf einen schnelleren Anschluss des Landkreises rannten die Bürgermeister bei dem Bahnvertreter offenen Türen ein. "Wir wollen diese Strecke", verwies er auch auf den Schulterschluss mit der Industrie- und Handelskammer Regensburg. "Allerdings ist auch Lobby-Arbeit notwendig", bat er die Kreispolitiker um Unterstützung.

Dialog suchen

Planungssicherheit mahnte Landrat Wolfgang Lippert an. "Man kann die Gemeinden doch nicht noch zehn Jahre im Ungewissen lassen, wenn es beispielsweise um die Ausweisung von Baugebieten geht." Der Plößberger Bürgermeister Lothar Müller als Kreisvorsitzender des Bayerischen Gemeindetages sah zwar die Sorgen und Ängste der Anlieger, aber auch die Chancen für die Betriebe. "Wir brauchen die Elektrifizierung. Und im Dialog sollten wir eine vernünftige Lösung zustande bringen."
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