Weil die Qualifikation fehlt

Die Zahl der Hartz IV-Empfänger im Kreis Tirschenreuth ist r leicht gestiegen. Zum Jahreswechsel 2014/2015 hatte das Statistische Landesamt 2327 Männer, Frauen und Kinder (die bekommen weniger) in den Akten, denen Hartz IV den Lebensunterhalt sicherte. Grafik: zds
Lokales
Tirschenreuth
24.08.2015
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399 Euro im Monat, 13 Euro am Tag: Kann Mann oder Frau davon leben? Müßige Frage, denn viele Menschen müssen.

Wenn das Jahr wechselt, zählt der Staat, die Hartz IV-Empfänger: Zum Stichtag 31. Dezember 2014 gab es im Landkreis Tirschenreuth insgesamt 2327 "Leistungsberechtigte, die Grundsicherung für Arbeitssuchende nach dem Sozialgesetzbuch II" bezogen, wie das umgangssprachliche "Hartz IV" im Juristendeutsch richtig heißt. Das waren 72 mehr als Ende 2013, aber deutlich weniger als 2010 mit 2823 Empfängern.

Die Zählung unterscheidet dabei nach erwerbsfähigen Arbeitslosengeld-II-Empfängern (799 Männer und 918 Frauen) und nichterwerbsfähigen Sozialgeld-Empfängern (621), wozu meist Kinder und Jugendliche (607) zählen, die mit im Haushalt leben. Bezogen auf alle Leistungsberechtigten lag der Anteil der unter 15-Jährigen somit bei 26,1 Prozent.

Nach ihrem Alter aufgeschlüsselt, waren von den Männern und Frauen, die zum Stichtag Arbeitslosengeld II (kurz: ALG-II) bezogen, 277 Empfänger jünger als 25 Jahre (Vorjahr: 250), weitere 865 waren 25 bis 50 Jahre alt (Vorjahr: 854), 217 waren zwischen 50 und 55 Jahre (Vorjahr: 221) und 347 Leistungsberechtigte waren 55 Jahre und älter (Vorjahr: 339).

Nicht alle, die ALG-II bekommen, haben tatsächlich keinen Job. Manchmal reicht schlicht das Arbeitseinkommen nicht, um auf die 399 Euro netto zu kommen. Und wenn das regelmäßige Einkommen nicht zur Deckung des Grundbedarfs ausreicht, wird der Mensch zum "Aufstocker", bekommt die Differenz aus der Sozialkasse dazu.

Ausländer sind auch unter den Hartz-IV-Empfängern: Zum Stichtag waren es 264 Personen, sprich 11,35 Prozent. An der Abstammung aber liegt es nicht, wenn jemand von 399 Euro im Monat leben muss. Jonas Beste, Arne Bethmann und Stefanie Gundert in einer Studie fürs Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) der Bundesagentur für Arbeit: "Ein entscheidender Faktor für Erwerbslosigkeit und Leistungsbezug ist ein Mangel an schulischen und beruflichen Qualifikationen." Hartz-IV-Empfänger werden also nicht geboren, sondern zumindest teilweise dazu ausgebildet.
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