Wenn Eltern an Grenzen stoßen

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Lokales
Tirschenreuth
15.01.2015
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Aggressiv, hyperaktiv, bockig, teilnahmslos, essgestört - Verhaltensweisen und Probleme von Heranwachsenden, mit denen die Mitarbeiter der Erziehungsberatungsstellen täglich zu tun haben.

Die Zahl der Fälle nimmt bayernweit zu. Im Landkreis waren 2013 insgesamt 346 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene alleine oder mit ihren Eltern in einer Beratung. Gegen den Landestrend waren das 23 Fälle weniger als ein Jahr zuvor.

Wenn Eltern an ihre Erziehungsgrenzen stoßen, sind Profis gefragt. Landauf, landab kümmerten sich die Beratungsstellen im Jahr 2013 um rund 61 500 Fälle - und damit um 1200 mehr als im Vorjahr. Rund 19 300 Beratungen waren dabei zum Jahreswechsel 2013/2014 noch in Gang.

Erste Anlaufstelle

Die (psychologischen) Beratungsstellen der öffentlichen und freien Träger sind für Hilfesuchende meist die erste Anlaufstelle, bevor andere Hilfen zur Erziehung in Anspruch genommen werden (können). Ihr Angebot ist für Familien offen und kostenfrei.

"Die Nachfrage von Familien wird immer größer, die Fälle werden immer komplizierter", kommentiert ein Mitarbeiter die momentane Situation. Nach Zahlen des Landesamtes für Statistik ist allein zwischen den Jahren 2007 und 2013 eine Zunahme von zehn Prozent zu verzeichnen. Gründe für den Anstieg gibt es einige: Die Eltern holen sich schneller Hilfe als früher, gleichzeitig fallen in Kindergarten und Schule immer mehr Kinder durch auffälliges Verhalten auf, das mitunter gemeinsame Aktionen oder den Unterricht extrem erschwert.

Breites Spektrum

Prekäre finanzielle Lebenslagen, die Trennung der Eltern, Krankheiten oder Tod eines Elternteils, aber auch die Geburt eines Geschwisters können Kinder komplett aus der Bahn werfen, vor allem wenn mehrere Probleme auf einmal zusammenkommen. Das erleben die Mitarbeiter der Beratungsstellen, meist Psychologen, Sozial- und Heilpädagogen, tagtäglich. Das Spektrum der Fälle ist breit gestreut: hier die Mutter, die mit ihrem trotzigen Kleinkind nicht klarkommt, da die Alleinerziehende, deren aggressiver Sohn in der Schule regelmäßig ausrastet und dort die gut situierten Eltern, deren verzweifelte Heranwachsende mit Depressionen kämpft.

Im Landkreis Tirschenreuth hatten es die Beratungsstellen übers Jahr hinweg mit 346 Heranwachsenden und ihren Familien zu tun. Davon waren 47 Fälle (Vorjahr: 94) zum Jahreswechsel noch in Gang. 188 Jungen und junge Männer sowie 158 Mädchen und junge Frauen registriert die Statistik. Probleme gibt's quer durch alle Altersgruppen.

So waren 100 Kinder (29 Prozent) noch im Vorschulalter, also unter sechs Jahre alt. Weitere 154 (45 Prozent) waren zwischen sechs und zwölf. Im typischen Pubertätsalter bis zur Volljährigkeit waren 87 Jugendliche (25 Prozent) und 5 (1 Prozent) waren im Alter zwischen 18 bis 27 Jahren. Rund 14 Prozent der Heranwachsenden hatte mindestens einen Elternteil ausländischer Herkunft.

Durchschnittlich drei Monate dauerte eine Beratung im Landkreis (bezogen auf beendete Fälle), der landesweite Schnitt lag bei fünf Monaten, wobei die Spanne von durchschnittlich drei bis zu zwölf Monaten (Stadt Aschaffenburg) reicht. Waren anschließend auf Anraten der Fachkräfte weitere intensivere Hilfen wie etwa eine Sozialpädagogische Familienhilfe, ein Erziehungsbeistand oder die Unterbringung in einer Wohngruppe nötig, musste dies beim Jugendamt beantragt werden.
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