Wie Jugendliche heute ticken

Wie junge Leute denken und handeln, damit befasst sich seit 1953 die Shell-Studie. Landrat Wolfgang Lippert, Pressesprecher Walter Brucker, Theresia Kunz und "Bufdi" Leonie Jäger (von links) freuen sich, dass das neue Werk in Tirschenreuth von einem Co-Autor vorgestellt wird. Bild: tr
Lokales
Tirschenreuth
23.10.2015
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Die deutschen Jugendlichen stellen andere Ansprüche an ihr Leben als noch vor fünf Jahren. Das geht aus der neuesten Shell-Jugendstudie hervor. Sie ist für Landrat Wolfgang Lippert eine Art "Gebetbuch der Kommunalen Jugendarbeit".

Mitte Oktober stellte Familienministerin Manuela Schwesig (SPD) die Studie in Berlin der Öffentlichkeit vor. Für das diesjährige Forum der Kommunalen Jugendarbeit im Landkreis, "Jugendarbeit im Blick", konnte einer der Co-Autoren der Jugendstudie, Ingo Leven gewonnen werden.

Am 9. November um 19 Uhr stellt er die Studie im Hotel Seenario am Platz am See in Tirschenreuth vor. Ingo Leven wird auf die vielfältigen Erwartungen Jugendlicher im Berufsleben eingehen und das Thema Internet in den Fokus stellen.

Pampa oder Freiraum

Vorher geben Florian Preisinger vom Initiaktivkreis und Stephanie Wenisch vom Regionalmanagement die Ergebnisse eines "Landkreis-Checks" bekannt. Die Landkreis-Analyse von Jugendlichen stand unter dem Titel "Pampa oder Freiraum".

Als Bewerbung für Leader-Fördermittel hatte der Initiaktivkreis 2014 eine lokale Entwicklungsstrategie verfasst. Erstmals wurden dabei auch Jugendliche der Region aktiv beteiligt, zum Beispiel bei diversen Workshops mit Schülersprechern. Unter dem Motto "Der Landkreis-Check" analysierten sie Stärken und Schwächen ihrer Heimat und sammelten Ideen für die Zukunft. Beim Forum lassen nun Stephanie Wenisch und Florian Preisinger die Katze aus dem Sack und erklären, wie Jugendliche heute wirklich ticken.

Seit 1953

Die Studie, die seit 1953 vom Mineralölunternehmen Deutsche Shell finanziert und im Abstand von drei bis fünf Jahren veröffentlicht wird, zählt zu den umfassendsten Studien zum Thema Jugend. Unabhängige Forschungsinstitute veröffentlichen darin jeweils die aktuellen Sichtweisen, Stimmungen und Erwartungen junger Leute in Deutschland. Die Studie sei immer wieder eine spannende Lektüre, weiß Theresia Kunz von der Kommunalen Jugendarbeit. Sie erklärt, dass im Vergleich zur letzten Veröffentlichung 2010, teilweise eklatante Unterschiede, was Bedürfnisse angehe, zu heute festzustellen sind.

So würde heutzutage ein Großteil der Jugendlichen ihre Kinder genauso erziehen, wie sie von ihren Eltern erzogen worden sind. Überhaupt habe Familie einen hohen Stellenwert bei den jungen Menschen der Gegenwart. Mehr als 90 Prozent der Befragten attestierten ein gutes Verhältnis zu ihren Eltern. 95 Prozent ist ein sicherer Job wichtig, Karriere hingegen eher zweitrangig. 47 Prozent halten Überstunden für notwendig, "um etwas zu werden." Trotzdem finden 91 Prozent, dass Familie und Kinder neben dem Beruf nicht zu kurz kommen dürfen.

18 Stunden online

Das Internet hat weiter an Bedeutung gewonnen. So sind im Schnitt die 12- bis 25-Jährigen pro Woche mindestens 18 Stunden online. 84 Prozent sind der Meinung, dass Facebook oder Google an persönlichen Informationen Geld verdienen wollen. Zwei Fünftel sind überzeugt, dass man bei sozialen Netzwerken deshalb dabei sein muss, weil man sonst nicht mitbekommt, was die anderen machen.

Politisch interessiert

Gestiegen ist das Interesse der Jugend an der Politik. 69 Prozent sind allerdings überzeugt, "Politiker kümmern sich nicht darum, was Leute wie ich denken." Die Mehrheit findet Respekt vor Gesetz und Ordnung wichtig und dass man die Vielfalt der Menschen anerkennen und respektieren müsse.

Die Mehrheit der Jugendlichen gehört einer Glaubensgemeinschaft an. Allerdings finden es nur 38 Prozent der Christen wichtig an Gott zu glauben, bei muslimischen Jugendlichen sind es 81 Prozent. Für 68 Prozent der ostdeutschen Jugendlichen ist der Glaube an Gott unwichtig. Diese Aussage trifft auch auf 45 Prozent der westdeutschen Jugendlichen zu.
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