"ZEN" ist Chefsache in Berlin

"Hand in Hand für Nagaland", kommentierte Walter Rinderer (links) diese Szene. Zuvor hatte Clementina (rechts) MdB Reiner Meier einen Original Zubza-Schal überreicht. Bild: tr
Lokales
Tirschenreuth
06.09.2015
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"Dass Politik so schnell gehen kann, ist fast unfassbar." Entwicklungshelfer Walter Rinderer bedankte sich bei Reiner Meier für dessen Einsatz für die Projekte im Nagaland in Indien und überreichte dem MdB seinen Entwurf für einen Klimaschutzplan in der Provinz Dimapur.

Walter Rinderer kam nicht alleine zum Termin in das Abgeordnetenbüro in der Kreisstadt. Clementina heißt die junge Dame aus Nagaland, die seit zwei Monaten als Übersetzerin für die Korrespondenz zwischen Don Bosco in Indien und dem Büro in Beidl bei Plößberg fungiert. Als Dankeschön für den Einsatz des Bundestagsabgeordneten hatte sie für Reiner Meier einen echten Zubza-Schal mitgebracht.

Einen solchen soll auch Dr. Gerd Müller, Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, bekommen, wenn alles in trockenen Tüchern ist. Ihn hat Reiner Meier auf die Aktivitäten von Walter Rinderer aufmerksam gemacht. Daraufhin hat der Minister sofort gehandelt und das Thema zur Chefsache erklärt.

Hilfe zur Selbsthilfe

Zur Vorgeschichte: Walter Rinderer verbringt seit sechs Jahren als ehrenamtlicher Entwicklungshelfer viel Zeit im Nagaland bei den Zubzas im Nordosten von Indien und zelebriert dort die Hilfe zur Selbsthilfe. Das Einzige, was seiner Meinung nach Sinn macht, um Entwicklungsländern effektiv zu helfen (wir berichteten mehrmals).

Die Bundesregierung stellt für Entwicklungshilfe in Indien jährlich 60 Millionen Euro zur Verfügung, von denen nach Rinderers Einschätzung, große Teile nicht bei der Basis ankommen. Deshalb hatte er sich selbst an die Bundesregierung gewandt, um sein eigenes Konzept vorzustellen. Eines, bei dem das Geld dort eingesetzt werden soll, wo die Effizienz am Größten ist.

Anfangs hatte er wenig Erfolg, doch das änderte sich, nachdem er sich an MdB Reiner Meier gewandt hatte. "Sie haben den Ball ins Rollen gebracht", betonte Rinderer erfreut, als er Meier jetzt in dessen Büro gegenübersaß. Der Abgeordnete sicherte zu, dass er am Ball bleiben und die weitere Entwicklung begleiten werde.

In Rinderers Entwurf für einen Klimaschutzplan in Nordost-Indien ist vorgesehen, Salesianer Don Boscos, die vor Ort tätig sind, in einem Zentrum für erneuerbare Energie und Nachhaltigkeit (ZEN) zu unterweisen. Es geht dabei darum, den Leuten zu zeigen, wie sie selbstständig ihre Lebensbedingungen verbessern, ihre Heimat nachhaltig bewirtschaften und Energie mit Hilfe von Sonne, Wasser, Wind und Biomasse selbst erzeugen können.

Zwei Büros

Dazu werden zwei Büros eingerichtet - bei Rinderer in Beidl und bei Don Bosco in Golaghat in Indien - die das Ganze koordinieren und ständig Kontakt halten sollen. Des weiteren entsteht auf dem Gelände von Don Bosco in Golagath ein ausbaufähiges Schulungszentrum. Dort werden dann abschnittsweise diverse Module für alle möglichen Handlungsfelder errichtet. Unter anderem für Energiewirtschaft, Gesundheit, Wald- und Forstwirtschaft, biologische Vielfalt und vieles mehr.

Zur Umsetzung gehört auch die Erstellung eines Ausbildungsrahmenplans und die Gewinnung geeigneten heimischen Lehrpersonals. Alle Maßnahmen erfolgen zwischen 2016 und 2020. Dabei kann die Einrichtung der Verbindungsstellen und die Bau- und Erschließungsplanung sofort beginnen. Die Erstellung eines Ausbildungsrahmenplans kann in Kooperation mit Don Bosco in der Provinz Dimapur erfolgen. Die praktische Umsetzung erfolgt umgehend nach der Mittelgenehmigung des BMZ. Zur Finanzierung des Klimaschutzplans sind fast 590 000 Euro nötig.

Das ist aber längst nicht alles. Die Visionen von Walter Rinderer haben noch größere Dimensionen. Der Bausachverständige und Energieberater will neben der deutschen Entwicklungshilfe auch den indischen Staat mit ins Boot holen. Bildung und Aufklärung der Bevölkerung seien dabei das Wichtigste. Rinderer stellt sich vor, dass eines Tages die Don Bosco-Schulen, die er als die besten im Land bezeichnet, ein Netzwerk im ganzen Nordosten Indiens bilden. "Ist das Fundament erst einmal gebaut, ist ZEN ein Selbstläufer", ist er überzeugt.

Aktueller Bezug

MdB Meier sieht auch einen aktuellen Bezug zu Rinderers Bemühungen. Angesichts der Flüchtlingswelle, die täglich auf Deutschland zurollt, ist er überzeugt, dass "der Hebel dort angesetzt werden muss, wo die Armut die Menschen zur Flucht zwingt". Damit meint er auch Länder wie Albanien oder Mazedonien, wo viele Menschen mit weniger als dem hiesigen Existenzminimum auskommen müssen. Es sei nur allzu verständlich, dass diese in Richtung einer besseren Zukunft abwanderten. Auch aus diesem Grund müsse man Denkmodelle unterstützen, wie sie Rinderer anstoße. "Das ist der richtige Weg der Hilfe." Damit ließen sich echte Perspektiven für die Menschen im eigenen Land schaffen.

Auch Minister Müller sei laut Meier der Ansicht, dass in Richtung Bildung und Ausbildung mehr vor Ort getan werden müsse. Deshalb seien Rinderers Vorschläge grundsätzlich zu unterstützen.
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