Zuwendung und ein offenes Ohr

Maria Staufer und Julia Zeitler (von links) in der Dreifachturnhalle, die für die nächsten Wochen als Notunterkunft herhalten muss. Bild: bz
Lokales
Tirschenreuth
31.07.2015
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Alle ihre Habseligkeiten stecken in einer kleinen Plastiktüte, all ihre Hoffnungen im Wunsch auf eine sichere Zukunft. Viele Asylsuchende schütten Julia Zeitler und Maria Staufer, den Flüchtlingsberatern der Caritas, ihr Herz aus. Darunter auch ein sechsjähriger Bub.

Auch wenn nach der Hektik der ersten Tage langsam die Normalität in der Notunterkunft am Stiftland-Gymnasium einkehrt, der Einsatz der Helfer ist ungebrochen. 120 Asylbewerber leben derzeit in der früheren Turnhalle. Die Zahl kann sich aber ständig ändern.

Der Trubel der ersten Tage ist vorbei. Kehrt langsam Routine ein?

In gewisser Weise ja. Mittlerweile wissen unsere Gäste auch, welche Personen und Organisationen für welche Anliegen zuständig sind. Wenn aber erneut ein ganzer Bus voll Asylsuchender ankommt, werden sich viele der bereits geklärten Fragen wiederholen.

Wie war denn das die vergangenen Tage, mit welchen Problemen wurden Sie konfrontiert?

Die meisten Probleme waren struktureller und praktischer Natur. Schon bei der Ankunft der Flüchtlinge konnten wir feststellen, dass sich die mitgebrachten Habseligkeiten sehr in Grenzen hielten. Viele hatten nur eine kleine Plastiktüte mit wenigen Klamotten dabei. Unter anderem wurden wir von einem Mann nach Schuhen gefragt, da er seit mehreren Tagen barfuß unterwegs war.

Als sehr prekär stellte sich auch die Zuweisung der Schlafplätze heraus, da Männer und Frauen/Kinder in abgetrennten Sälen schlafen. Durch die zum Teil sehr traumatischen Umstände der Flucht war die nächtliche Trennung für einige Familien und Paare noch zusätzlich schmerzhaft. Hier war vor allem seelische Ersthilfe als auch in einem besonderen Fall medizinische Hilfe notwendig.

Ein besonders intensiver Fall stellte sich für uns am Sonntagabend, da eine junge Mutter ins Krankenhaus eingeliefert werden musste und ihr sieben Monate alter Sohn im Gymnasium zurückblieb. Der Vater war aus Sorge um seine Frau nicht in der Lage, sich um seinen Jungen zu kümmern und erlitt einen Nervenzusammenbruch. Mittlerweile wurde die Mutter wieder aus dem Krankenhaus entlassen und die Situation hat sich normalisiert.

Wie reagieren die Asylsuchenden denn auf die neue Situation ?

Generell ist eine sehr große Zufriedenheit und Dankbarkeit festzustellen, weil die Menschen nach zum Teil sehr langer Reise endlich einen Platz gefunden haben, an dem sie sich sicher fühlen und alle lebensnotwendigen Dinge organisiert werden. Sehr positiv ist, dass die Asylbewerber von Anfang an auch tatkräftig selbst mitgeholfen haben, zum Beispiel bei der Reinigung der Räume, dem Sortieren der ersten Kleiderspenden oder beim Tragen von schweren Gegenständen. Zudem spüren sie, dass sie hier angenommen und akzeptiert werden. Natürlich ist durch die Absperrung trotzdem deutlich, dass ein gewisser Schutz von Nöten ist. Dies ist aber aufgrund der Vorkommnisse in Asylbewerberunterkünften in anderen Orten leider unabdingbar.

Erzählen sie von ihren Erlebnissen, Sorgen und Wünschen?

Ja, die Bereitschaft ist sehr groß, sobald sie spüren, dass man sich Zeit nimmt zuzuhören. Natürlich ist es in Anbetracht der großen Menschenmenge und des großen Arbeitsaufwands vor allem anfangs nur eingeschränkt möglich gewesen. Jetzt ergeben sich aber immer wieder wichtige und interessante Gespräche über die Vergangenheit im Heimatland und den Fluchtweg, aber auch über zukünftigen Hoffnungen und Vorstellungen.

Ein sehr prägendes Erlebnis war, als ein sechsjähriger Junge zusammengekauert und verängstigt unter seinem Feldbett saß und sich herausstellte, dass er nur mit seinem Opa geflüchtet war. Seine Eltern und sein jüngerer Bruder befinden sich derzeit noch in Damaskus.

Was brauchen diese Menschen am nötigsten? Reichen die Kleider- und Spielzeugspenden aus?

Kleidung und Spielzeug konnten wir nach unserem Spendenaufruf reichlich entgegennehmen. Dennoch wären Schuhe, nicht getragene Unterwäsche und Handtücher nötig. Wegen des sehr unbeständigen und für die Asylbewerber ungewohnten Klimas in Deutschland bräuchten wir dringend noch zusätzliche Decken. Die Menschen frieren nachts und werden zum Teil krank.

Von diesen praktischen Dingen abgesehen, benötigen die Menschen vor allem lebenspraktische Unterstützung im deutschen System, Zuwendung und ein offenes Ohr. Aufgrund der sprachlichen Barriere organisieren AWO und Caritas so oft wie möglich geeignete Dolmetscher. Auch das Engagement selbst Deutsch zu lernen, ist bei den Neuankömmlingen sehr groß. Wir freuen uns deshalb sehr, dass ein erprobter, ehrenamtlicher Mitarbeiter der Caritas sich bereit erklärt hat, im Gymnasium Deutschstunden zu erteilen.
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