Zwei von Japans Pearl-Harbor-Spionen setzten sich in Tirschenreuth zur Ruhe
Mysteriöse "Professorenfamilie"

Der Tirschenreuther Bürgermeister Franz Stahl mit Berichten über die Spione. Das Ehepaar Otto und Friedel Kühn und deren Tochter Ruth waren als Spione für den japanischen Angriff auf Pearl Harbor mitverantwortlich. Bild: dpa
Lokales
Tirschenreuth
07.08.2015
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Der japanische Angriff auf Pearl Harbor markierte einen Wendepunkt im Zweiten Weltkrieg - etwa 2400 US-Bürger kamen am 7. Dezember 1941 ums Leben. Zwei der damaligen Spione für die Japaner verbrachten ihren Lebensabend in der Oberpfalz. Die Familie Kühn wurde Jahre nach ihrer Verurteilung nach Tirschenreuth abgeschoben. Das Ehepaar lebte dort bis zu seinem Tod nahezu unerkannt.

"Von 100 Menschen in Tirschenreuth kennt vielleicht einer die Spione Kühn", sagt Bürgermeister Franz Stahl (CSU). Auch bei Stadtführungen wird die abenteuerliche Geschichte der Kühns nicht erzählt. "Es ist ja auch kein Ruhmesblatt für die Stadt", betont der Bürgermeister.

Laut einer Buchreihe des Landkreises hat sich die Geschichte der Spione wie folgt abgespielt: Das Ehepaar Kühn und deren Tochter Ruth wurden 1936 auf Vorschlag der Nazis 1936 japanische Agenten. Mit gefälschten Papieren kam die "Professorenfamilie" nach Hawaii. Dort verdrehte die charmante Ruth den amerikanischen Offizieren den Kopf und gelangte so an geheime Unterlagen. Mit Hilfe eines ausgeklügelten Systems von wechselweise erleuchteten Räumen, signalisierte Ruth in der Nacht zum 7. Dezember 1941 der japanischen Admiralität die Stärke des amerikanischen Flottenverbands. Dann kam der Angriff.

Anhand von Unterlagen im japanischen Konsulat wurden die Kühns vom FBI verhaftet. Otto Kühn wurde zunächst zum Tode verurteilt, die Strafe später aber zu 50 Jahre Zuchthaus umgewandelt. Am 1. September 1945 wurde die ganze Familie nach Deutschland in die Oberpfalz abgeschoben. In Tirschenreuth starb Otto Kühn am 3. Oktober 1956, seine Frau acht Jahre später. 1984 wurde ihr verwahrlostes Grab stillgelegt. Nichts erinnert mehr an die Spione.
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