Ein Leben für die Natur
Peter Hausbeck beim Neujahrsempfang des Bundespräsidenten

Peter und Johanna Hausbeck vor einem VSL-eigenen Grundstück, dem "Berr-Weiher" in der Gemarkung Moos bei Tirschenreuth. Die Moorfläche ist wertvoll und artenreich. Bilder: Grüner (2)
Politik
Tirschenreuth
05.01.2016
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Da brennt noch viel Feuer für die Sache in meiner Brust.

Vom Ausgleich zur trockenen Materie des Jurastudiums über die Liebe zur Natur kam Peter Hausbeck zu deren Schutz. Der 77-Jährige gründete 1977 den ""Verein zum Schutz wertvoller Landschaftsbestandteile in der Oberpfalz" (VSL). Am Freitag empfängt ihn der Bundespräsident.

Die Einladung aus dem Büro von Joachim Gauck flatterte bereits am Montag vor 14 Tagen ins Haus. "Der Bundespräsident freut sich, Sie beim Neujahrsempfang begrüßen zu dürfen", heißt es darin. Etwa 60 Menschen aus ganz Deutschland, die ehrenamtlich engagiert sind, sind am 8. Januar dabei und haben auch Gelegenheit kurz mit dem Bundespräsidenten zu sprechen.

Ein Buchgeschenk


Als Geschenk wird Peter Hausbeck dem höchsten Repräsentanten des Landes das Buch über das Prackendorfer und Kulzer Moor, in dem der VSL eines seiner Vorzeigeprojekte ausführlich beschreibt, überreichen. Falls er Gelegenheit dazu bekommt, einen Wunsch zu äußern, will er den Bundespräsidenten bitten, darauf einzuwirken, , dass Bund und Länder auch künftig den Naturschutz mit genügend Mitteln ausstatten.

Bereits am Mittwoch reiste Peter Hausbeck mit Ehefrau Johanna in die Landeshauptstadt. Eine Botticelli-, eine Dali-Ausstellung und der Besuch im Naturkundemuseum stehen auf dem Programm. Am Donnerstagabend ist dann im Schloss Bellevue eine Vorbesprechung mit anschließender Führung, Der Empfang am Freitag beginnt um zehn Uhr.

450 Hektar


Der VSL zählt aktuell etwa 250 Mitglieder. Seither hat er rund 450 Hektar an wertvollen Biotopflächen in der gesamten Oberpfalz im Gegenwert von zwischen vier und fünf Millionen Euro gekauft. "Als ich mich ernsthaft mit Naturschutz beschäftigte, ist mir sehr schnell klar geworden, dass man mit dem Vollzug der Naturschutzgesetze nicht weit genug kommt. Diese Gesetze haben nicht den Biss, den es bräuchte, um der mächtigen Lobby auf der anderen Seite wirksam gegenzusteuern. In unserer Gesellschaft sind die Eigentumsrechte das Entscheidende", sagt Hausbeck.

Nur so seien wichtige Gestaltungsmaßnahmen überhaupt erst möglich, Naturschutzstatus allein reiche bei weitem nicht aus. Die Art des Naturschutzes, wie sie der VSL betreibe, funktioniere in Bayern sehr gut über die Landschaftspflegeverbände. "Als kleiner Verband, der sich keine Angestellten und keine Verwaltung in dem Sinn leisten muss, sind wir sehr agil. Nichts, was wir tun, muss erst langwierig Instanzen durchlaufen, auch deshalb können wir sehr schnell handeln. Wir haben bei allen Projekten immer sämtliche Fördermöglichkeiten voll ausgeschöpft, zum Beispiel über den Bayerischen Naturschutzfonds, die Unteren Naturschutzbehörden oder diverse Klimaprogramme der Regierung. Wir loten ständig aus, was neu ist und was sich verändert. 80 bis 90 Prozent an Fördermitteln sind meistens drin."

Gutes Polster


Den Eigenanteil schultert der VSL über Mitgliedsbeiträge, Spenden oder auch Vermächtnisse. Bisher habe das immer ausgereicht. Es sei ein gutes Polster vorhanden, "so dass wir stets sofort reagieren konnten und künftig auch können." Beim Ausloten aller Möglichkeiten und dem perfekten Prozedere kommt Peter Hausbeck sein Berufsleben in der Justiz zugute. Er war Amtsrichter an den Standorten Waldsassen, Kemnath und Tirschenreuth und weiß schon aus dem Grund, was zu beachten ist und wo man nachschauen muss. "Grundbuch und Kaufrecht sind mir durchaus geläufig, das ist ein großer Vorteil. Und ich weiß auch, wie man mit Menschen spricht und umgeht."

Erst Kauf, dann Pflege


Bei den Ankäufen handle es sich ausnahmslos um landwirtschaftliche Flächen, wie zum Beispiel feuchte Wiesen. "Für die Bauern sind die wirtschaftlich meist ohnehin uninteressant. Nach dem Kauf kümmern wir uns auch um die Pflege. Die läuft oft über Landschaftspflegeverbände oder Vertragsnaturschutz. So verdienen die Landwirte, die die Flächen pflegen, noch einmal Geld damit. Ein beliebtes Nebeneinkommen."

Ausdrücklich lobt Hausbeck die Zusammenarbeit mit dem Amt für ländliche Entwicklung (ALE). "Manche Käufe sind nur über diesen Weg zustande gekommen." Es gibt nicht viele Leute, die sich mit 77 Jahren so engagieren und für eine Sache leben wie der pensionierte Richter. "Ich mache weiter, solange ich fit bin", sagt Hausbeck. "Da brennt noch viel Feuer für die Sache in meiner Brust."
Da brennt noch viel Feuer für die Sache in meiner Brust.Peter Hausbeck
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