Hospizverband fordert Umsetzung des Gesetzes
Caritas im Landkreis bleibt auf den Kosten sitzen

Politik
Tirschenreuth
08.10.2016
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Tirschenreuth/Kemnath. Anlass ist der Welthospiztages am 8. Oktober: Der Deutsche Hospiz- und Palliativ-Verband (DHPV) fordert die im Hospiz- und Palliativgesetz (HPG) vorgesehenen Verbesserungen in der Versorgung schwerstkranker und sterbender Menschen weiterhin zügig umzusetzen. Das Gesetz wurde Ende 2015 verabschiedet - für den Kreis-Caritasverband Tirschenreuth als Träger des Ambulanten Hospizdienstes im Landkreis Anlass, sein Angebot für alle Bürger des Landkreises zu verbessern und auszubauen. "Seit Mitte Januar ist bei unserem Hospizdienst als Koordinations-Fachkraft die Krankenschwester und Palliative-Care-Fachkraft Angelika Wegmann beschäftigt", erklärt Jürgen Kundrat als Geschäftsführer des Kreis-Caritasverbandes in einer Pressemitteilung. Ihre Aufgaben seien vor allem die palliativ-pflegerische Beratung von Sterbenden und ihren Angehörigen. Außerdem solle sie ehrenamtliche Hospizbegleiterinnen gewinnen, begleiten und fortbilden. Denn dem Gesetz zufolge solle die unmittelbare persönliche Begleitung am Sterbebett von Ehrenamtlichen geleistet werden, die für ihren Dienst entsprechend qualifiziert, fortgebildet und begleitet werden müssten. "Die Einstellung der Mitarbeiterin war absolut notwendig und bedeutet gleichzeitig eine deutliche qualitative Verbesserung unseres Angebotes", so Kundrat weiter.

Auf gänzliches Unverständnis bei den Verantwortlichen der Caritas stieß allerdings die Ablehnung des fristgerecht im Frühjahr des Jahres bei den Krankenkassen eingereichte Zuschussantrag für das laufende Jahr. "In Aussicht gestellt wurde lediglich, den Dienst ab Beginn des nächsten Jahres in die vom Gesetzgeber vorgesehene Förderung aufzunehmen", heißt es. Der Caritasverband trage neben den Personalkosten der Koordinatorin anfallende Sachkosten des Dienstes wie Versicherungen, Fahrtkosten, Mieten, Kosten für Qualifizierung und Fortbildung der Ehrenamtlichen.

35 000 Euro


"Durch das Entgegenkommen der Pfarrei konnten wir für diesen Dienst optimal passende zusätzliche - und in den Richtlinien der Krankenkassen geforderte Räumlichkeiten - anmieten, für unsere Zwecke umbauen und entsprechend ausstatten", teilt Kundrat weiter mit. Auch auf diesen Kosten werde die Caritas dem aktuellen Stand zufolge sitzen bleiben. An die 35 000 Euro blieben der Caritas dieses Jahr insgesamt vorenthalten. "Gelder, die für die Versorgung Sterbender im Landkreis dringend nötig wären", schimpft Kundrat. Die Caritas habe diese prekäre Situation nicht widerspruchslos akzeptiert. Seitens der Kassen bestehe auf Landesebene wenig Bereitschaft zum Einlenken. "Auf meine Intervention haben die Kassen nicht einmal geantwortet", hätten die Caritas-Verantwortlichen aus der Geschäftsstelle des Bayerischen Hospizverbandes gehört, der mittlerweile in der Sache mit eingeschaltet ist. Von dort erhielt man auch die Auskunft, dass dieser an der Entstehung des HPG beteiligt war und man aus zahllosen Verhandlungen weiß, dass genau der Tirschenreuther Fall seitens des Gesetzgebers so nicht beabsichtigt war.

Gespannt auf Reaktion


"Neben den juristisch nötigen Schritten haben wir ... die örtlichen Bundestagsabgeordneten informiert und um politische Unterstützung gebeten. Auf deren Reaktionen sind wir nun gespannt", so Kundrat.

HintergrundDer Deutsche Hospiz- und Palliativverband e. V. (DHPV) vertritt die Belange schwerstkranker und sterbender Menschen. Er ist die bundesweite Interessenvertretung der Hospizbewegung sowie der zahlreichen Hospiz- und Palliativeinrichtungen in Deutschland. Als Dachverband überregionaler Verbände und Organisationen der Hospiz- und Palliativarbeit sowie als Partner im Gesundheitswesen und in der Politik steht er für über 1000 Hospiz- und Palliativdienste und -einrichtungen, in denen sich mehr als 100 000 Menschen ehrenamtlich, bürgerschaftlich und hauptamtlich engagieren. Der Ambulante Hospizdienst der Caritas Tirschenreuth, der seit 2002 im Landkreis Tirschenreuth tätig ist und seither mehr als 500 Menschen auf ihrer letzten irdischen Wegstrecke begleiten durfte, ist Mitglied im DHPV.
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