Immer weniger Medziner wollen aufs Land
Mittel gegen Ärzte-Schwund

Immer weniger Haus- und Fachärzte gehen aufs Land. Die kommunale Allianz von zehn Stiftland-Gemeinden sucht nach Auswegen. Archivbild: Hartl
Politik
Tirschenreuth
10.08.2016
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Dauernd Überstunden ständige Erreichbarkeit und kein Privatleben - bei den Hausärzten krankt es. Immer weniger Mediziner wollen aufs Land. Und immer mehr Kommunen suchen das richtige Rezept dagegen.

Die IKomStiftland, wie sich der Zusammenschluss von zehn Gemeinden im Stiftland nennt, stellt sich dieser schwierigen Aufgabe. "Zentrale Herausforderungen und Lösungsoptionen für die fach- und hausärztliche Versorgung" war die Sitzung des Zweckverbands überschrieben. Geschäftsführer Wolfgang Kaiser hatte dazu einen Experten des Kommunalbüros für ärztliche Versorgung Nürnberg eingeladen. Das ist eine Fachstelle des Bayerischen Landesamtes für Gesundheit.

Medizinaloberrat Gunnar Geuter betonte die Bedeutung der künftigen medizinische Versorgung im Stiftland. Die Sicherung der Ärzteversorgung sei ein wichtiges Handlungsfeld der kommunalen Allianz. Die praktizierenden Ärzte sollen dabei mit eingebunden werden.

Der Referent zeigte zunächst Ist-Stand auf und wies auf den Generationswechsel in der niedergelassenen Ärzteschaft hin. Junge Ärzte wollten häufig in Teams, Assistenzärzte gerne in Praxen und Kliniken arbeiten. Immer mehr Vertragsärzte seien als Angestellte tätig. "Zu viele Überstunden auf Kosten des Privatlebens lehnen viele Mediziner ab." Das Durchschnittsalter der Ärzte steige weiter an, außerdem übten immer mehr Frauen den Arztberuf aus. Laut Geuter besteht eine hohe Nachfrage nach kooperativen Formen der Berufsausübung und nach flexiblen Beschäftigungsverhältnissen. Eine große Rolle spielt auch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

"Es sind zukünftig neue Strategien und innovative Formen der Berufsausübung nötig, um die Versorgung in der Fläche wohnortnah zu sichern." Um den Herausforderungen erfolgreich begegnen zu können, bedarf es nach Geuters Worten gemeinde- und berufsübergreifender Lösungsansätze sowie einer entsprechenden Vernetzung. "Die IKom Stiftland geht mit ihrem interkommunalen Ansatz den richtigen Weg". so Geuter.

Zwar seien für die Sicherstellung und Förderung der ambulanten Versorgung grundsätzlich die Kassenärztlichen Vereinigungen (KV) zuständig. Die Kommunen hätten jedoch die Möglichkeit, mit geeigneten Anreizen zur flächendeckenden und bedarfsgerechten medizinischen Versorgung der Bevölkerung beizutragen, etwa durch die Inanspruchnahme von Fördermitteln, ein gemeindeübergreifendes Standortmarketing, flankierende Aus- und Weiterbildung sowie Hilfe bei der Nachfolgersuche.

Gute Schul- und Betreuungsangebote für die Kinder und berufliche Entwicklungsmöglichkeiten für die Partner könnten die Bedingungen der Arztfamilie verbessern. Hohe Lebensqualität durch ein gutes Freizeitangebot sowie Hilfen bei der Patientenversorgung, etwa durch Hol- und Bringdienste (Bürger-/Patientenbus) wären weitere Bausteine für eine erfolgreiche Ansiedlung von Ärzten. Nicht zuletzt könnten die Kommunen durch die Bereitstellung mietgünstiger Praxisräume und bei der Suche nach Investoren unterstützend wirken.
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