Kaufkraft und Renten im Jahr 2040
Senioren-Stift-Land

Laut einer Studie des Instituts Prognos müsste es 2040 vor allem Rentnern in Tirschenreuth finanziell gut gehen. Ob das dann tatsächlich so ist, hängt von vielen Faktoren ab. Bild: Götz
Politik
Tirschenreuth
19.01.2016
208
0

Schmerzende Gelenke, graues Haar und wenig Geld - viele graust es vor dem Alter. Rentner, die ihren Lebensabend in Tirschenreuth verbringen, müssten sich aber keine Sorgen machen. Zumindest nicht ums Finanzielle, wie eine Studie ergeben hat. Falls sich die Realität an die Prognose hält.

Dem Prognos-Institut zufolge hat der Kreis Tirschenreuth im Jahr 2040 die größte Rentenkaufkraft. Gründe dafür seien das wirtschaftliche Wachstum und die gleichzeitig niedrigen Unterhaltskosten. Wie groß die Differenzen künftig sein könnten, verdeutlicht das Institut anhand des Musterbeispiels einer Verkäuferin mit zwei Kindern: Liegt die Kaufkraft 2040 in Tirschenreuth - in heutigen Werten gerechnet - bei 1313 Euro, wären es in München 475 Euro weniger.

Ein Blick auf die derzeitigen Kosten eines Platzes im Seniorenheim zeigt, dass das ein stattlicher Betrag ist. Für ein Einzelzimmer mit Bad in einer Tirschenreuther Einrichtung zahlen rüstige Senioren (Pflegestufe 0) pro Tag 47,57 Euro. Bei 30 Kalendertagen liegen die monatlichen Heimkosten bei rund 1427 Euro. Die Krankenkasse übernimmt in solchen Fällen nichts. Bei Pflegestufe 3 sieht das schon anders aus: Das gleiche Zimmer kostet täglich 112,18 Euro, im Monat 3365,40 Euro. Der Eigenanteil für Rentner liegt bei 1753,40 Euro.

Nur knapp zehn Tage


Von den 475 Euro, die einer Tirschenreuther Verkäuferin in Rente bleiben, könnte sie sich 9,98 Tage in einem Einzelzimmer leisten. Rutscht sie in Pflegestufe drei, würden dafür gerade einmal 4,23 Tage herausspringen. "Mit dem Pflegestärkungs-Gesetz II müssen Einrichtungen natürlich die Umlagekosten für Rentner neu berechnen und verteilen", erklärt der Leiter eines Tirschenreuther Seniorenheimes. Wie sich die Ausgaben dadurch entwickeln würden, sei noch nicht absehbar. Vorerst gehe er davon aus, dass sie konstant blieben.

Noch wandeln wird sich aber die Bevölkerungsstruktur in Tirschenreuth, wie das Bayerische Landesamt für Statistik in einer regionalisierten Bevölkerungsvorausberechnung für Bayern zeigt. Daraus geht hervor, dass wegen des demografischen Wandels die Einwohnerzahl in Tirschenreuth bis 2034 insgesamt abnimmt, die Zahl der Rentner aber steigt. Dies könnte auch die Unterhaltskosten in die Höhe treiben. Ob es sich dann in 25 Jahren tatsächlich so günstig in Tirschenreuth leben lässt, bleibt zumindest fraglich. "Wenn in der Stadt der Bär steppt, wird's halt auch teurer", gibt Professor Thomas Beyer, Vorsitzender des AWO Landesverbandes Bayern, zu bedenken. Außerdem fehle in der Studie die allgemeine Preisentwicklung der Stadt: Sinkt sie, steigt sie oder verläuft sie linear?

Wenn in der Stadt der Bär steppt, wird's halt auch teuer.Professor Thomas Beyer, Vorsitzender des AWO-Landesverbandes Bayern


Laut Claudia Spiegel vom Sozialverband VdK Bayern ist die Rentenperspektive 2040 schon eine anerkannte Studie des Instituts. "Hundert Prozent verlässlich ist sie aber nicht, weil in der Prognose nicht alle Punkte berücksichtigt werden." Außerdem müsse man im Hinterkopf behalten, wer die Studie in Auftrag geben habe, betont die Referentin für Sozialpolitik. In diesem Fall sei es der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft gewesen.

Das Zukunftsmodell enthält zwar wichtige Parameter wie Biografien und Berufe, aber das allein reicht nicht für eine verlässliche Aussage. "Eine Rolle spielt auch, wie später die Infrastruktur, das Freizeitangebot oder die Pflege vor Ort aussehen." Spiegel sieht in dieser Studie nur einen kleinen Fingerzeig, der einen Blick auf die unterschiedliche Rentenentwicklung erlaubt. Ihre Ortspolitik sollten Bürgermeister und Landräte daran nicht ausrichten. "Prognos hat nur in der Theorie das heutige Lebensverhalten in die Zukunft transportiert."

Ein Szenario


In den kommenden 25 Jahren kann noch viel passieren. "Was wäre, wenn bis dahin weniger Menschen in Tirschenreuth arbeiten und viele nach Tschechien ziehen?", führt Spiegel als Beispielszenario an. Vor allem Regionen nahe der tschechischen Grenze, und dazu gehöre eben auch die Kreisstadt, hätten mit hohen Abwanderungsquoten zu kämpfen.

Die Studie lässt viel Raum für Spekulation. Beyer findet es daher "mutig", Tirschenreuth als zukünftiges "Rentner-Paradies" darzustellen. "Das aktuelle Wirtschaftswachstum könnte auch stoppen, oder München entwickelt sich doch anders." Außerdem seien Groß- und Kleinstädte schlecht zu vergleichen. Seiner Meinung nach wäre es sinnvoller, ganze Regionen in die Bilanz aufzunehmen.
Weitere Beiträge zu den Themen: Studie (20)Renten (14)Demografischer Wandel (13)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.