Keine leichte Geburt
Tirschenreuth als Geburtshilfe-Standort nicht gefährdet

"Auch in Zukunft werden im Tirschenreuther Krankenhaus Kinder zur Welt kommen", ist Chefarzt Kurt Weber guter Hoffnung.
Politik
Tirschenreuth
08.01.2016
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Es war nur ein Nebensatz, eine eher laut geäußerte Überlegung zu den Geburtshilfeabteilungen der Kliniken Nordoberpfalz AG in Weiden und Tirschenreuth. Doch die Gerüchteküche brodelte schnell in der Kreisstadt. Aber Vorstand Josef Götz gibt Entwarnung.

"Es gibt keinerlei Planungen, die Geburtshilfe am Krankenhaus in Tirschenreuth einzustellen", widerspricht Vorstand Josef Götz den angeblich immer besonders gut informierten Kreisen, die genau das Gegenteil behauptet hatten.

Hervorragender Ruf


"Wir haben mit Tirschenreuth und Weiden zwei Geburtshilfen, die einen hervorragenden Ruf genießen und gut angenommen werden." Der Chefarzt der Tirschenreuther Abteilung, Kurt Weber, ergänzt: "Mein erklärtes Ziel ist es, in sechs Jahren meinem Nachfolger hier in Tirschenreuth eine funktionierende Geburtshilfe-Abteilung" zu übergeben."

Josef Götz lobt die hervorragende Zusammenarbeit beider Häuser. Vor allem das Weidener Perinatalzentrum für Risikoentbindungen streicht er dabei heraus. "Solange wir das Heft des Handelns selbst in der Hand haben, denken wir nicht über eine Schließung der Geburtshilfe in Tirschenreuth nach." Das könnte nur von außen aufgezwungen werden, wenn zum Beispiel die Rahmenbedingungen durch immer weitere Verschärfungen irgendwann nicht mehr erfüllbar und dadurch Patienten gefährdet wären.

Mein erklärtes Ziel ist es, in sechs Jahren meinem Nachfolger hier am Standort Tirschenreuth eine funktionierende Geburtshilfe-Abteilung zu übergeben.Chefarzt Kurt Weber

Keine Gefahr


"Nachdem aber die Anforderungen in der Grund- und Regelversorgung bereits sehr hoch sind", sieht Josef Götz nach rein persönlicher Einschätzung zumindest in den kommenden fünf Jahren keine Gefahr.

Die Strukturvorgaben, die die Berufsverbände der Gynäkologen und Hebammen fordern, seien auch in Tirschenreuth zu 100 Prozent erfüllt. Das Hauptproblem, mit dem allerdings auch alle Geburtshilfe-Abteilungen in Deutschland konfrontiert sind, ist nicht neu. Niemand will mehr Hebamme oder Geburtshilfepfleger werden. Die horrende Haftpflicht-Versicherung von 6000 Euro pro Jahr ist dabei laut Götz aber nur ein Aspekt.

Neues Konzept


Genauso schwerwiegend sei die Tatsache, dass Hebammen heute praktisch 365 Tage im Jahr zur Stelle sein müssten. "Wir machen uns darüber im Haus schon länger Gedanken und sind dabei, mit allen Beteiligten ein Konzept auszuarbeiten, das alle Anforderungen berücksichtigt und gleichzeitig Verbesserungen mit sich bringt." Bis Mitte des Jahres soll dieses Konzept stehen. Auch wenn noch nichts spruchreif sei, lässt Götz durchblicken, dass dabei vorhandene Strukturen flexibler gestaltet werden sollen. Zum Beispiel, dass man das Wirken freiberuflicher und angestellter Hebammen enger miteinander verwebt, um Freiräume zu schaffen. Ein allgemeingültiges Patentrezept gäbe es dabei nicht. Es ginge immer um das jeweilige Gesamtkonzept eines Hauses.

In fünf Minuten im KreißsaalDer Mangel an Hebammen ist überall in Deutschland gleich dramatisch. "Auch in Weiden und Amberg sind nicht alle Stellen besetzt", weiß der Vorstand der Kliniken Nordoberpfalz AG, Josef Götz. Das Krankenhaus Tirschenreuth setzt derzeit auf seine altbewährte Kernmannschaft bestehend aus den Beleghebammen, Elisabeth Reisnecker, Margareta Ackermann und Frieda Schieder-Emler.

Chefarzt Kurt Weber, Dr. Konrad Schmid aus Tirschenreuth, Dr. Ladislav Dedek aus Waldsassen und Dr. Elena Kitaynik aus dem Weidener Klinikum stehen als Gynäkologen zur Verfügung. Chefarzt Kurt Weber hat sein Wohnhaus direkt neben dem Krankenhaus gebaut, um jederzeit bei seinen Patientinnen sein zu können. Bei einer Geburt müssen, laut Vorschriften, eine Hebamme binnen fünf Minuten sowie ein Gynäkologe und ein Anästhesist innerhalb von jeweils zehn Minuten vor Ort sein.

"Unser Konzept mit Chefarzt Weber ist ein glasklares Bekenntnis pro Geburtshilfe in Tirschenreuth", sagt Josef Götz. "Denn sein Engagement ist schon ein sehr Spezielles", ergänzt er. Weber sieht die Situation eher gelassen: "Bei uns ist eigentlich alles ganz easy. Der Dienstplan für 2016 steht."

Im Schnitt wurden in Tirschenreuth in den vergangenen Jahren jeweils 360 Kinder geboren. Der Einzugsbereich umfasst praktisch den ganzen Landkreis sowie Neustadt/Waldnaab, Vohenstrauß und sogar Grafenwöhr. Hier spielt bei werdenden Eltern die Tatsache eine große rolle, dass Kurt Weber fließend spanisch spricht. Denn im Lager Grafenwöhr gibt es eine nicht zu unterschätzende Zahl an Latinos. Auch der eine oder andere Syrer hat bereits im Tirschenreuther Kreißsaal das Licht der Welt erblickt.

Eine Syrerin, die schon lange in Tirschenreuth lebt, fungiert dabei als Dolmetscherin. Insgesamt waren 2015 in Tirschenreuth 362 Geburten mit ebenso vielen Kindern zu verzeichnen. In Weiden waren es 1273 Geburten mit 1315 Kindern (darunter 42 Zwillinge). (tr)

Führung durch den Kreißsaal

Damit werdende Eltern wissen, was zu tun ist, wenn es soweit ist mit dem Nachwuchs, bietet Kurt Weber, Chefarzt der Geburtshilfe in der Frauenklinik im Krankenhaus Tirschenreuth, Informationsabende an. Sie beginnen immer um 19 Uhr. Bereits ab 18.30 erteilt die Schwangerenberatungsstelle des Gesundheitsamtes Tirschenreuth Informationen zu rechtlichen und finanziellen Ansprüchen.

Das Kreißsaal-Team informiert rund um das Thema Geburt, bevor die Kreißsäle und die Entbindungsstation besichtigt werden. Die Termine für 2016: 13. Januar, 3. Februar, 2. März, 6. April, 4. Mai, 1. Juni, 6. Juli, 3. August, 7. September, 5. Oktober, 2. November und 7. Dezember. Keine Anmeldung erforderlich.
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