Kewog-Geschäftsführer Bernd Büsching rät zu Rundem Tisch
"Verhindern ist keine Lösung"

Da kommen doch keine Verbrecher nach Waldershof.
Politik
Tirschenreuth
05.02.2016
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Der Bebauungsplan ist rechtskräftig. Hält sich die Kewog an die Vorgaben, darf sie in Waldershof eine Unterkunft für 150 Asylsuchende bauen. Dafür hat sie den klaren Auftrag des gesamten Aufsichtsrats. Klagen vor Gericht scheut die Kewog nicht.

Waldershof. Der Aufsichtsrat der Kewog tagte am Donnerstag. Dabei thematisierte Kewog-Geschäftsführer Bernd Büsching den geplanten Bau einer Asylbewerberunterkunft in Waldershof. Am Freitagvormittag berichtet Büsching im Gespräch mit unserer Zeitung: "Der Aufsichtsrat gab uns ein klares Mandat." Bernd Büsching verweist auf die jüngste Stadtratssitzung mit Landrat Wolfgang Lippert und bekräftigt die Aussage des Landkreischefs: Das Landratsamt ist nicht Auftraggeber, die Kewog baut. Dennoch dürfe kein falscher Eindruck entstehen. Landrat Lippert, der auch Aufsichtsratsvorsitzender der Kewog ist, stehe voll hinter dem Vorhaben. Büsching stellt heraus: "Die Unterkunft wird realisiert." Und das sei Wille der Kreispolitik, die das Feld nicht irgendwelchen Spekulanten überlassen wolle. Die Kewog errichte in Waldershof in Absprache mit der Regierung eine Gemeinschaftsunterkunft. "Eine dezentrale Lösung funktioniert nicht." Dafür seien zu wenig Wohnungen vorhanden. Entsprechende Vorschläge seitens der Stadträte seien zum Scheitern verurteilt. Erstaunt reagiert der Kewog-Chef auf die von der CSU Waldershof ins Spiel gebrachte Kaufoption (wir berichteten). Die Kewog habe im gesamten Landkreis viele Grundstücke. Wenn die alle von den Städten und Gemeinden gekauft würden, "könnten wir viel Geld verdienen". Der Kewog-Geschäftsführer erklärt aber: "Aber wir verkaufen nicht. Denn wir haben den politischen Auftrag eine Gemeinschaftsunterkunft zu bauen." Der Standort in Waldershof sei gut. In der Nähe gebe es Geschäfte und einen Arzt. Büsching ist in der Debatte wichtig: "Da kommen doch keine Verbrecher nach Waldershof. Das sind traumatisierte Menschen, die Schreckliches erlebt haben."

Runder Tisch


Bürgermeisterin Friederike Sonnemann mache er keinen Vorwurf, dass sie die Öffentlichkeit informiert habe, so Büsching. Schlimm sei, dass negative Stimmung in der Stadt verbreitet und vom Stadtrat verstärkt werde. Deshalb appelliert der Kewog-Geschäftsführer: "Setzen wir uns an einen Runden Tisch. Da sollten auch AWO und Bürgermeister dabei sein, die mit Unterkünften gute Erfahrungen gemacht haben." Er riet dazu, Helferkreise zu bilden. Das Motto müsse lauten: "Gemeinsam finden wir eine Lösung." Auch möchte er die Kirchen eingebunden wissen - "Stichwort Nächstenliebe".

Das Konzept der Gemeinschaftsunterkunft werde eng mit der Regierung der Oberpfalz abgestimmt, wobei die Kewog den Wohncharakter betonen möchte, um die Immobilie später im herkömmlichen Mietwohnungsmarkt zu positionieren. Er sei bislang noch nicht gefragt worden, "aber ich komme gerne in eine Bürgerversammlung oder Stadtratssitzung, um über das Vorhaben zu informieren" Büsching macht aber auch klar: Wenn die Stadt die Verhinderung im Blick habe und das über eine Veränderungssperre für das Grundstück erreichen wolle, "werden wir klagen und Recht bekommen". Der Kewog-Geschäftsführer ergänzt: "Und da ist jeder Stadtrat persönlich haftbar."
Da kommen doch keine Verbrecher nach Waldershof.Kewog-Geschäftsführer Bernd Büsching


Landkreis braucht die UnterkunftKewog-Geschäftsführer Bernd Büsching greift die Unterschriftensammlung in Waldershof auf und meint: "Nur weil viele dagegen sind, macht es doch keinen Sinn, das Projekt sein zu lassen." Fakt bleibe: Der Landkreis muss die Menschen unterbringen. "Wir haben hier doch kein Wunschkonzert." Büsching wundert sich über die negative Stimmung in Waldershof. Aus Neualbenreuth, wo demnächst rund 60 Flüchtlinge untergebracht werden sollen, kenne er das nicht. Für die kleine Gemeinde Neualbenreuth bedeute die Gemeinschaftsunterkunft wirklich einen Kraftakt. 150 Asylbewerber in Waldershof seien zu viel, dieser Aussage setzt Büsching entgegen: "In Grenzregionen Bayerns gibt es Dörfer, da leben mehr Flüchtlinge als Einwohner."


Büsching: Ziel ist eine schwarze NullIm Landkreis Tirschenreuth sei es als Immobilienunternehmen schwer Geld zu verdienen. "Das gelingt nur überregional", sagt Kewog-Geschäftsführer Bernd Büsching. Er wehrt sich vehement gegen Vorwürfe, die Kewog wolle mit dem Bau einer Gemeinschaftsunterkunft für 150 Flüchtlinge in Waldershof den großen Reibach machen. "Wenn es nur ums Geldverdienen ginge, müsste ich woanders hin, beispielsweise nach Nürnberg." Natürlich müsse das Projekt Gemeinschaftsunterkunft wirtschaftlich sein. "Draufzahlen dürfen wir nicht. Wir brauchen eine schwarze Null."

In etwa drei Wochen will Büsching die Baupläne im Waldershofer Stadtrat präsentieren. Im Anschluss könne damit an die Öffentlichkeit gegangen werden. (hd)
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Richard Bäumler aus Kulmain | 06.02.2016 | 20:29  
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