Koordinatorin "Wohnen im Alter" stellt Bürgermeistern Lösungsansätze vor
Ein paar Jahre oft Gold wert

Politik
Tirschenreuth
06.05.2016
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Wohnen im Alter sollte für alle Bürgermeister ein vordringliches Thema in ihren Kommunen sein. Davon ist Sabine Wenng überzeugt und leistet entsprechende Aufklärungsarbeit. Die Leiterin der Koordinationsstelle "Wohnen im Alter", gefördert vom bayerischen Ministerium für Arbeit, Sozialordnung, Familie und Frauen, stieß in Tirschenreuth bei der Kreisversammlung des Bayerischen Gemeindetags mit ihrem Anliegen auf offene Ohren.

Die Musterwohnung für Senioren, die der Landkreis in Tirschenreuth mit Unterstützung von Sponsoren eingerichtet hat, sei vorbildlich: "Man braucht einfach Dinge, die das Leben erleichtern, zum Anschauen und Anfassen." Die Beratung erfordere viel Einfühlung und Personaleinsatz. Die Diplom-Psychogerontologin brach eine Lanze für eine nachhaltige Finanzierung bei den Kommunen: "Der Wert lässt sich oft erst ermessen, wenn bei den eigenen Angehörigen ein paar Jahre mehr im alten Umfeld möglich sind."

Generell stellte die Koordinatorin im ländlichen Raum eine bessere Verwurzelung, mehr Nachbarschaftshilfe und nicht zuletzt bezahlbaren Wohnraum für die ältere Generation fest: "Die Mieten in München sind so hoch, dass sich das immer weniger Leute leisten können", empfahl sie den Kommunalpolitikern, das Potenzial an Heimatrückkehrern im Blick zu behalten.

Ein wichtiger Ansatzpunkt auf dem Land sei, die Bereitschaft für neue Wohnformen im Alter zu wecken. "Viele haben sich hier Eigentum geschaffen, aber das altert mit den Bewohnern", spielte sie auf die oft wenig seniorenfreundlichen Häuser an. Eine Möglichkeit, Zuhause alt werden zu können, biete das Modell "Wohnen für Hilfe". Besonders in größeren Städten funktioniere der Austausch mit jüngeren Mitbewohnern, die je nach Quadratmeterzahl bestimmte Stunden an Hilfsdiensten leisten, schon gut.

Manche Senioren täten sich auch in Genossenschaften zusammen, um sich miteinander im Alter das Leben zu erleichtern. Gerade Gemeinden ohne eigenes Pflegeheim riet Sabine Wenng, über ambulant betreute Wohngemeinschaften und Projekte für mehrere Generationen nachzudenken. Zur Verwirklichung dieser Wohnformen gebe es verschiedene Möglichkeiten, nannte die Koordinatorin einen Anschub zwischen 10 000 und 40 000 Euro für Sach- und Personalkosten.
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