Leiharbeiter von heute soll der Stammbeschäftigte von morgen werden
Immer mehr „Jobs zweiter Klasse“

Politik
Tirschenreuth
24.10.2016
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Die Zahl der Leiharbeiter im Landkreis hat stark zugenommen. Im vergangenen Jahr gab es nach Angaben der Arbeitsagentur 306 Beschäftigte in Leiharbeit - fünf Jahre zuvor waren es noch 196. Das macht eine Zunahme von 56 Prozent, wie die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten mitteilt. Die NGG Oberfranken, zu der auch der Landkreis Tirschenreuth gehört, spricht von einer alarmierenden Tendenz - und fordert die Politik zum schnellen Handeln auf.

"Die Zahlen zeigen, dass wir eine Regelung dringender brauchen denn je", sagt Geschäftsführer Michael Grundl. Allerdings müsse am Gesetz noch deutlich nachgebessert werden, um den "Wildwuchs im heimischen Arbeitsmarkt" wirklich zu bekämpfen. Hierfür sollten sich jetzt die Bundestagsabgeordneten in Berlin stark machen.

Bei der Leiharbeit werden Beschäftigte an einen Betrieb verliehen, wo sie dann für den gleichen Job weniger Geld bekommen als das Stammpersonal. Ursprünglich sollte das einmal auf Auftragsspitzen bei den Unternehmen beschränkt sein. "Missbrauch gibt es aber dann, wenn permanent ein fester Anteil der Arbeitnehmer als Leiharbeiter beschäftigt ist", sagt Michael Grundl. Das nutzten Chefs letztlich allein zur Lohn-Drückerei. Und die Leiharbeiter bekämen meist keine Chance, ins Stammpersonal aufzurücken. Außerdem seien Leiharbeiter bei der Altersvorsorge und beim Urlaub schlechter gestellt als die Stammbelegschaft, kritisiert der Gewerkschafter. Das neue Gesetz müsse dem Anstieg dieser "2.-Klasse-Jobs" endlich einen Riegel vorschieben.

Der Gesetzentwurf von Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles sieht im Wesentlichen vor, dass Leiharbeiter spätestens nach neun Monaten in einem Betrieb die gleiche Bezahlung bekommen wie das Stammpersonal. Die Höchstverleihdauer soll auf 18 Monate begrenzt werden. Dies gelte jedoch nur für Personen, nicht aber für die Arbeitsplätze. "Damit können Leiharbeiter im Prinzip alle 18 Monate einfach ausgetauscht werden." "Trotz allem wäre das Gesetz ein erster Schritt", betont Grundl, damit der Leiharbeiter von heute zum Stammbeschäftigten von morgen.
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