Marlene Mortler zur Freigabe von Cannabis
"Als Medizin ja, als Droge nein"

Marlene Mortler, die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, war Ehrengast beim "Stadtgespräch" des Kreisjugendrings Tirschenreuth. Dabei lobte sie die Aktivitäten in der Drogenprävention. Bild: kro
Politik
Tirschenreuth
19.05.2015
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Strikt gegen die Freigabe und Legalisierung von Cannabis sprach sich die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler, beim Stadtgespräch des Kreisjugendrings beim "Hoanfbartl" aus. "Wir haben schon ein Alkohol- und Nikotin-Problem." Cannabis sei nachweislich schädigend und dürfe keinesfalls verharmlost werden.

Auch Gerhard Krones von der Aktion "Need no Speed", ehemaliger Leiter der Caritas Suchtambulanz in Weiden, lehnte eine Freigabe kategorisch ab. "Diese Droge brauchen wir nicht. Wir haben schon genügend volkswirtschaftlichen Schaden durch den Alkohol." Wenn Cannabis aus medizinischen Gründen nötig sei, habe er jedoch nichts dagegen. Marlene Mortler ergänzte: "Cannabis als Medizin ja, als Freizeitgenuss nein." Georg Hecht, der Leiter des Stiftland-Gymnasiums: "Mit Drogen löst man keine Probleme."

Breiten Raum nahm Crystal Speed ein. Die "Teufelsdroge" hat sich von einem regionalen zum bundesweiten Problem entwickelt. Gerhard Krones berichtete von 3200 Fällen allein 2014 in der Oberpfalz. Der Sprecher sah darin ein Phänomen dieser Zeit. Crystal verspreche höhere Leistungsfähigkeit, könne das aber nicht halten. Viele nehmen die Droge wie Sportler Dopingmittel. Ziel sei es, oberpfalzweit ein Netz aufzubauen, um nicht nur den Drogenabhängigen zu helfen, sondern auch deren Eltern und dem Umfeld. Viele fühlten sich alleingelassen mit ihren Problemen.

Ein wichtiges Thema des Stadtgesprächs unter der Moderation von Kreisjugendring-Vorsitzenden Jürgen Preisinger war auch der Alkoholkonsum Jugendlicher. Bürgermeister Franz Stahl, verwies darauf, dass Aufklärung wichtig sei. Ein Bier zu trinken, sei nicht verwerflich, aber man müsse schon das richtige Maß finden. Marlene Mortler sah es ähnlich. "Kinder und Jugendliche sind neugierig, wollen alles ausprobieren, wollen ihre Grenzen austesten." Da helfe kein erhobener Zeigefinger. Wichtiger sei vielmehr, den Kindern ein Vorbild zu sein und sich selber zurück zu nehmen.

Großes Lob zollte sie dem Kreisjugendring Tirschenreuth, der sich sehr der Drogenproblematik annehme. "Was ihr hier macht, ist einmalig. Ihr geht gezielt auf die Schulen zu und sensibilisiert die Kinder, Jugendliche und deren Eltern." Die Oberpfalz, so die Drogenbeauftragte, sei bei der Prävention bundesweit Spitze. Georg Hecht ergänzte, dass es wichtig sei, in den Schulen auf die Gefahren von Alkohol und Nikotin als "legale Drogen" hinzuweisen. Gutes Vorbild, Aufklärung und sinnvoll eingesetzte Verbote seien auf diesem Gebiet wichtig.

Franz Stahl sah es ähnlich. "Mit erhobenem Zeigefinger auf die Jugendlichen zuzugehen, bringt nichts. Besser ist das vertrauliche, persönliche Gespräch." Wer gewohnheitsmäßig Alkohol trinkt und Probleme mit Getränken ohne Alkohol hat, ist laut Krones bereits gefährdet. "Wenn aus Gewohnheit eine Gier wird, ist die Sucht schon vorhanden."

Marlene Mortler berichtete, dass der Alkoholkonsum bei Jugendlichen rückläufig sei. Dies sei vor allem der starken Präventionsarbeit zu verdanken. Gerhard Krones ergänzte, dass 75 Prozent der in Krankenhäuser eingelieferten "Alkoholleichen" Erwachsene sind. In den Schulen, so Georg Hecht, gebe es Ansprechpartner, die Kontakte zu allen Instituten haben und der Schweigepflicht unterliegen. Wichtig sei die Kinder im Vorfeld zu stärken und ihnen Mut zu machen, "Nein" zu sagen. Großes Lob zollte er in diesem Zusammenhang dem Medienzentrum T1, das in die Schulen geht und sich dieser Problematik annimmt.

Für Marlene Mortler war der Alkohol längst zu einer Alltagsdroge geworden. Vor allem in der Clique werde oft zu viel konsumiert, sei eine Art Gruppenzwang feststellbar. Nicht nachvollziehen konnte die Sprecherin, dass viele Frauen während ihrer Schwangerschaft Alkohol trinken und so die Gesundheit ihrer ungeborenen Kinder gefährden. Alleine in Deutschland kämen jährlich 2000 Babys mit dem Syndrom des Alkoholmissbrauches auf die Welt.
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