Meinungsfreiheit das höchste Gut

Bini (rechts) wirkte nicht nur bei der Tirschenreuther Passion, hier als Page des Stadthalters Pontius Pilatus (Florian Winklmüller) mit, sondern auch im Tirschenreuther "Jedermann" und im "Jonny Cash"-Musical des Modernen Theaters Tirschenreuth. Wo Leute gebraucht werden, ist der Äthiopier zur Stelle und meistert mit Bravour das, was von ihm erwartet wird. Bilder: Grüner (3)
Politik
Tirschenreuth
03.01.2016
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Beim Tirschenreuther Weihnachtsmarkt fungierte Bini als "Mädchen für alles" und sorgte auch dafür, dass die Feuer nicht ausgingen.

Bineyam Anteneh Seyaum kam vor fünf Jahren nach Deutschland und erhielt kürzlich die Mitteilung, dass er zwei weitere Jahre lang bleiben darf. Der Äthiopier, der im Tirschenreuther Asylbewerberheim Zuflucht gefunden hat, ist ein Paradebeispiel für gelungene Integration. Seine Wünsche für das neue Jahr sind eher pragmatisch und existenzieller Art.

Wenn Bineyam, den hier alle Bini nennen, seinen Integrationstest bei der VHS mit Erfolg abgeschlossen hat, will er eine Ausbildung zum Elektriker machen und eine eigene Wohnung mieten. Darin will er dann für seine Lebensgefährtin und den gemeinsamen Sohn sorgen. Wenn das mit Beruf und Wohnung klappt, denkt er auch an Heirat. Momentan ist das aus finanziellen Gründen aber nicht drin. Auch in seiner Heimat hatte er als Verkäufer in einem Elektrofachgeschäft gearbeitet. Zuvor absolvierte er eine zweijährige Ausbildung in Informationstechnik.

Bini ist bekannt in der Stadt und immer da, wenn jemand gebraucht wird. Er spielte in der Tirschenreuther Passion und im "Jedermann" mit und führte erst kürzlich eine Truppe aus Asylbewerbern an, um den Weihnachtsmarkt der Lions-Freunde mit auf- und abzubauen.

Führerschein und Auto


Sein Transportmittel ist seit fünf Jahren das Fahrrad. Was sich der 29-Jährige auch für die Zukunft wünscht, ist, "den Führerschein machen und ein eigenes Auto haben". Den Lions-Präsidenten Franz Göhl und Karl Schwägerl benennt Bini als seine besten deutschen Freunde.

Karl Schwägerl brachte ihn zum Theater und zum Fußball, wo Bini eifrig kickte. "Ich war aber nur Durchschnitt", schätzt er seine Leistungen auf dem Rasen ein. Über Schwägerl kam er auch auf die Idee, Elektriker zu werden. Schwägerl ist mit seinem Sohn Tobias immer dann gefragt, wenn es darum geht, bei Tirschenreuther Großereignissen Strom an bestimmte Stellen zu bringen. Eine Tätigkeit, die Bini fasziniert.

Politische Gründe


Im Mai 2010 kam Bineyam mit dem Flieger aus seiner Geburtsstadt, der Vier-Millionen-Metropole Addis Abeba nach Deutschland. Zwei Monate war er anschließend im Aufnahmelager in Zirndorf, bevor er direkt nach Tirschenreuth kam, wo er sich mittlerweile recht wohl fühlt. Seine Heimat hatte er aus politischen Gründen verlassen müssen. Er war Mitglied einer verbotenen Partei, saß deshalb einen Monat im Gefängnis und rechnete mit weiterer Willkür seitens der Behörden. Die Flucht sei für ihn die einzige Möglichkeit gewesen, dem zu entgehen und in einem freien Land zu leben. Vor allem die Meinungsfreiheit ist es, die Bini in Deutschland schätzt.

Freilich vermisst er seine Eltern sehr, aber ein Zurück gibt es für ihn nicht. Er würde sofort verhaftet, sobald er äthiopisches Hoheitsgebiet beträte. Von den Tirschenreuthern ist er begeistert. "Ich habe bisher nur nette, hilfsbereite Leute kennengelernt und keinerlei Ausländerfeindlichkeit erfahren."

Zwei schwarze Gürtel


Was er außer den Eltern vermisst, ist seine Lieblingssportart Taekwondo. Sein Können kann der Inhaber zweier schwarzer Gürtel derzeit nicht weiter perfektionieren. In Tirschenreuth wird zwar Judo und Aikido angeboten, aber das sei nicht dasselbe. In Weiden gäbe es Möglichkeiten, aber das ist aus finanzieller Sicht im Moment nicht zu machen.

Manchmal fährt er nach Nürnberg, München oder Frankfurt. Der streng gläubige Christ geht dort dann in eine orthodoxe Kirche, in der Gottesdienste in seiner Muttersprache Amharisch zelebriert werden. Die Regelmäßigkeit solcher Feiern vermisst er ebenfalls sehr. Oft geht er irgendwo in eine Kirche, um alleine zu beten. Die Waldsassener Basilika schätzt er dafür sehr. Für Bini ist es wichtig, sich so schnell und so gut wie möglich zu integrieren. Daran arbeitet er jeden Tag. Vor allem die deutsche Sprache besser zu beherrschen, sei wichtig, um weiterzukommen. Nicht zuletzt deshalb sucht er immer wieder Kontakt zu den Einheimischen.
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