Sonderförderprogramm für den Landkreis Tirschenreuth
Schub für die Lebensqualität

Abreißen und dafür senioren- und familiengerechte Wohnungen schaffen kann sich Mitterteich bei diesen Wohnblocks in der Zanklgartenstraße vorstellen. Bild: Grüner
Politik
Tirschenreuth
25.10.2016
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Staatssekretär Albert Füracker (rechts) hat MdL Tobias Reiß eine gute Finanzausstattung des Sonderprogramms zugesichert. Bild: hfz
 
Die Sanierung des Waldsassener Rathauses wird mit dem neuen Sonderförderprogramm finanziell besser darstellbar. Bild: Grüner

Der große Schritt für die Menschheit ist bekanntlich schon vor ein paar Jahrzehnten getan worden. Der für den Landkreis erst am Dienstag. Sagt wenigstens MdL Tobias Reiß.

Mit der Kabinetts-Entscheidung, das Sonderförderprogramm auch auf den Landkreis Tirschenreuth auszudehnen, erwartet sich der Abgeordnete jedenfalls einen "regelrechten Schub für die Lebensqualität in der Region und eine viel stärkere Dynamik bei der Sanierung unserer Ortskerne".

Dass der Leerstand in den Ortskernen nicht nur in den oberfränkischen Landkreisen Wunsiedel, Hof und Kronach eines der zentralen Themen ist, habe er schon bei der CSU-Klausurtagung in Kloster Banz dem Ministerpräsidenten deutlich machen können. "Dem Bevölkerungsschwund von über 11 Prozent bis 2034 muss kraftvoll entgegen getreten werden." Für die Kommunen sei das eine Steilvorlage. Denn es liege an ihnen, in den kommenden vier Jahren die Projekte anzugehen. (bz)

"Wir müssen die Wohnstandorte in der Innenstadt stärken", ist der Mitterteicher Bürgermeister überzeugt. Roland Grillmeier , der auch Vorsitzender der Ikom Stiftland ist, weiß um ähnliche Probleme in allen zehn Mitgliedsgemeinden. Auch in Mitterteich, wo gerade die mit 80 Prozent geförderte Sanierung des unteren Marktplatzes abgeschlossen ist, gibt es großen Handlungsbedarf. Eine höhere Förderung wäre beispielsweise für die Sanierung des Spross-Hauses in der Bahnhofstraße willkommen. Dieses Anwesen hat die Stadt erworben, um modernen Wohnraum zu schaffen. Ein weiteres Feld täte sich in der Zanklgartenstraße auf, wo vier leerstehende Wohnblöcke der Kewog vor sich hin gammeln. Hier käme die höhere Förderung für einen Abriss in Frage, um anschließend mit Hilfe von Investoren senioren- und familiengerechte Wohnungen zu bauen.

Auch das Umfeld des Stadtparks im Zentrum von Mitterteich steht in den nächsten Jahren im Fokus, wenn es um modernes Wohnen geht. "Wir müssen vor allem auch private Bauherren gewinnen", hofft Roland Grillmeier auf eine entsprechende Signalwirkung durch den Kabinettsbeschluss. "Eine Kommune kann nicht alles machen. Wir müssen private Anreize schaffen und für flexible Unterstützung sorgen." (as)

Franz Stahl sagt: "Wenn wir 90 Prozent Förderung bekommen, nehmen wir die freilich gerne." Von der neuen Förderungsmöglichkeit macht der Bürgermeister aber kein neues Projekt abhängig. "Wir arbeiten das alles so ab, wie es in unserer Liste des Integrierten Stadtumbaukonzepts aufgeführt ist." Aktuell seien in diesem Zusammenhang zum Beispiel die Sanierung des Hösl-Anwesens, der ehemaligen Polizei und der Abbruch der SMCS-Brache geplant. (tr)

"Ich habe schwer dafür gekämpft, dass der Landkreis in die Förderoffensive Nordostbayern kommt", erklärt Wiesaus Bürgermeister Toni Dutz . Im Zuge der Städtebauförderung möchte Wiesau das Bahnhofsgebäude, das Bahnhofsgelände und die Hauptstraße (Richtung Kreuzung Marktstraße/Egerstraße) sanieren.

Fuchsmühls Bürgermeister Wolfgang Braun verweist auf das mit den Bürgern abgestimmte Ortsentwicklungskonzept, das "diverse Projekte und Maßnahmen" beinhalte. "Wir haben viele Ideen", sagt Friederike Sonnemann , Bürgermeisterin der Stadt Waldershof. "Denn wir wollen die Region voranbringen." Es gebe mehrere Maßnahmen, die Stadt und Umland stärken könnten. (hd)

"Das eröffnet uns richtig gute Möglichkeiten", sagt Waldsassens Bürgermeister Bernd Sommer und spricht von einem "Schubladen voller Ideen, die sich dann realisieren lassen." Sommer lässt durchblicken, dass er mit der Entscheidung in München eine große Sorge los ist: Die Finanzierung des Rathaus-Umbaus, der wegen Statik und Brandschutz deutlich mehr kosten wird als geplant, wird die Stadt Waldsassen über das neue Programm besser schultern können. "Das wäre unser erstes Projekt", sagt Sommer. Seit zwei Jahren geplant und bisher noch nicht angepackt ist außerdem der Abbruch der maroden Wohnhäuser in der Adalbert-Stifter-Straße. Dort sollen attraktive Bauplätze entstehen. "Mit den Fördermitteln können wir nun loslegen." (pz)

Für Plößbergs Bürgermeister Lothar Müller ist die Entscheidung des Kabinetts ebenfalls ein sehr gutes Signal für die Region. Konkrete Maßnahmen kann der Plößberger Bürgermeister auf die Schnelle nicht vorlegen. Zunächst schöpft die Marktgemeinde aus dem Kommunal-Investitionsprogramm Geld für die Rathaussanierung. Danach wäre die Renovierung eines alten Gebäudes für einen Seniorentreff bei der Städtebauförderung angemeldet. Wenn sich dafür die Förderung von 60 auf 90 Prozent erhöhen sollte, würde Müller nicht ablehnen.

Große Hoffnung setzt Alfred Wol f, 3. Bürgermeister von Bärnau, in die Erweiterung der Förderoffensive. Denn Bärnau sei in der Region wohl am meisten von den Leerständen betroffen. Für die Städtebauförderung soll deshalb ein Entwicklungskonzept angestrebt werden. Von der hohen Förderung erwartet sich Wolf auch eine Initialzündung. Konkrete Projekte hätte Bärnau durchaus in der Schublade. Nennen will Wolf diese noch nicht. "Wir werden demnächst damit an die Öffentlichkeit gehen", kündigt der 3. Bürgermeister aber schon interessante Pläne an.

Alte Forderung jetzt realisiert

Tirschenreuth. (bz) Als richtigen Weg bezeichnet Kewog-Geschäftsführer Bernd Büsching die Kabinettsentscheidung. "Aber wir sind noch lange nicht am Ziel." Büsching sieht mit der Förderoffensive auch eine seit vielen Jahren von ihm immer wieder gestellte Forderung endlich realisiert. Auch in der von der Kewog vorgelegten Studie zur Immobilien-Wirtschaft im Landkreis sei der Leerstand in den Kommunen als wichtiges Handlungsfeld aufgeführt. "Wo eine Sanierung nicht wirtschaftlich dargestellt werden kann, muss es eine Bestandsbereinigung geben, muss auch ein Abbruch entsprechend gefördert werden."

Büsching bestätigt Gespräche mit verschiedenen Kommunen, wie beispielsweise Mitterteich, Wiesau und Waldsassen. Jetzt gelte es auch Anreize zu schaffen, damit private Investoren mit einsteigen könnten. Und wo keine attraktiven Wohnungen machbar sind, ist für den Geschäftsführer auch die "grüne Wiese" denkbar.

An der Situation ändert nach Büschings Worten auch nicht der oftmals beklagte fehlende Wohnraum für anerkannte Asylbewerber. "Wir haben nicht zuwenig Wohnungen, sondern nicht die passenden. Da passen halt die Zuschnitte nicht." Bislang hat die Kewog 35 Wohnungen an Asylbewerber vermietet.

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