Stromnetzausbau Thema bei Bürgermeisterversammlung
Noch viel Diskussionsbedarf

Wir brauchen den Stromnetzausbau, aber so bürgerfreundlich wie möglich.
Politik
Tirschenreuth
27.04.2016
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Aus den Augen, aus dem Sinn: Das wird mit der Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung (HGÜ) selbst mit einer Verlegung in der Erde nicht funktionieren. Schließlich entstehen auch bei Erdkabeln, wie sie gesetzlich vorrangig beschlossen wurden, 20 Meter breite Schneisen, die baumfrei bleiben müssen.

Noch gibt es keinen genauen Verlauf für die Süd-Ost-Passage. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass sie auch durch den Landkreis Tirschenreuth führt, ist relativ groß. Denn das bayerische Kabinett legte für die in Wolmirstedt bei Magdeburg beginnende Gleichstromtrasse als Endpunkt Landshut mit dem Atomkraftwerk Isar fest, nicht Gundremmingen in Schwaben.

"Bisher konnte mir keiner die Notwendigkeit dieser Verschiebung erklären", grummelte Landrat Wolfgang Lippert in der Bürgermeister-Versammlung. Schon in den nächsten Tagen solle geklärt werden, ob die Trasse westlich oder östlich am Fichtelgebirge vorbeiführt. "Entscheidend ist, den Bürgern klarzumachen, warum sie überhaupt eine HGÜ brauchen. Das ist bis heute nicht angekommen. Es ist ja nicht nur Windstrom, sondern auch Braunkohlestrom, der vom Norden in den Süden transportiert wird", wandte sich der Landrat an einen, der in dieser Sache und vielen weiteren Streitpunkten vermitteln möchte.

Dialogmobil


Joachim Scheid vom "Bürgerdialog Stromnetz" war bei den Kommunalvertretern aus dem Landkreis zu Gast und bot seine Dienste an. Die deutschlandweite Initiative wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie gefördert. Sie soll Dialogangebote vor Ort unterbreiten, besonders da, wo hoher Diskussionsbedarf herrscht. Büros gibt es unter anderem in Regensburg und Nürnberg. "Wir brauchen den Stromnetzausbau", betonte Scheid, "aber so bürgerfreundlich wie möglich. Dazu möchten wir einen Beitrag leisten." Das Bürgerbüro wolle die Diskurse versachlichen, auf gleicher Höhe mit der Bevölkerung kommunizieren. "Wir vermitteln Ansprechpartner für Veranstaltungen und Experten, beispielsweise in Gesundheitsfragen wie der nach der elektromagnetischen Strahlung. Wir bieten Workshops und Gesprächsrunden an, kommen mit dem Dialogmobil zu den Bürgern." Auf der Internet-Plattform fänden sich viele Informationen, etwa über gesetzliche Grundlagen. "Die Förderung der Energiewende ist unser vorrangiges Ziel", erklärte der Referent. Auch biete man eine Mediation in festgefahrenen Konflikten an. Das gesamte Angebot sei kostenlos und werde hoffentlich auch im Landkreis Tirschenreuth angenommen.

Landwirte skeptisch


Grundsätzlichen Diskussionsbedarf sahen die anwesenden Bürgermeister ebenso wie Landrat Lippert. "Ich habe das Gefühl, der Ersatzbau des Ostbayernrings wird vom Großteil der Bevölkerung akzeptiert. Bei der HGÜ ist es nicht so einfach.Viele Bürger fragen, warum sie auch noch eine zweite Trasse aushalten sollen. Vor allem die Landwirte sind nicht begeistert von Erdkabeln. Da ist noch viel Aufklärungsarbeit nötig."

Wir brauchen den Stromnetzausbau, aber so bürgerfreundlich wie möglich.Joachim Scheid vom "Bürgerdialog Stromnetz"


Weitere Informationen unter www.buergerdialog-stromnetz.de
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