Verein der Bienenfreunde im Bezirksamt Tirschenreuth feiert 150-jähriges Bestehen
Eigene Sauna für die Bienen

Es ist eine faszinierende Welt, die die Bienenvölker in ihren Waben entstehen lassen. Und fasziniert sind nicht nur die Imker, die heuer das 150. Jubiläum des Kreisverbandes feiern. Bild: Grüner
Politik
Tirschenreuth
21.10.2014
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Dem Pfarrer von Münchenreuth verdanken die Imker im Landkreis ihre Verbandsgründung. Das war vor 150 Jahren. Auch wenn die Bienenzucht aktuell von Krankheiten bedroht ist und sogar ein Bienensterben prophezeit wurde, so gibt es zum Jubiläum viel Erfreuliches.

Gegründet wurde der heutige Kreisverband als "Verein der Bienenfreunde im Bezirksamt Tirschenreuth" Ende 1864/Anfang 1865 durch den Pfarrer von Münchenreuth, Gottfried Wöhrle (1821-1866), zusammen mit Kooperator August Schaller in Tirschenreuth, die beide aktive Imker waren. Im Februar 1865 gab Bezirksamtmann Josef Schreyer die Gründung offiziell im Amtsblatt bekannt. Im Laufe des Jahres traten sogleich 134 Imker dem Verein bei. Der Jahresbeitrag betrug 24 Kreuzer.

Herber Rückschlag

Nachdem Pfarrer Wöhrle noch im April 1866 sein Büchlein als "Unterricht in der Bienen-Zucht" verfasst hatte, ergab sich schon im Mai durch den plötzlichen Tod des Pfarrers ein herber Rückschlag. Die Leitung des Vereins übernahm nun Kooperator August Schaller, der 1867 als Expositus nach Arzberg wechselte. Als 2. Vorsitzender fungierte der Konditor Alois Gotthard von Tirschenreuth, der 1872 auch eine umfangreiche Imker-Statistik für die einzelnen Gemeinden im Bezirksamt Tirschenreuth erstellte. Zu einer Neuauflage des Kreisverbandes Tirschenreuth-Waldsassen kam es im April 1883, als Johann Baptist Sparrer zum neuen Pfarrer von Waldsassen berufen worden war. Er hatte sich schon an seinem vorherigen Wirkungsort Premenreuth der Imkerei gewidmet. 1884 saßen weitere Persönlichkeiten aus der Klosterstadt in der Vorstandschaft, darunter Bürgermeister Friedrich Kolb als 2. Vorsitzender und Anton Fick als Kassier.

Durch lange und kalte Frostperioden erlitten die Imker mit ihren Bienenvölkern teilweise erhebliche Verluste und zogen sich enttäuscht zurück. In den Jahrzehnten um die Jahrhundert-Wende entstanden dann im Stiftland drei Ortsvereine, so 1899 in Leonberg, 1912 in Tirschenreuth und 1918 in Waldsassen. Durch den Ersten Weltkrieg kam es zu erheblichen Beschränkungen sowie zu Einbrüchen bei der Zucker-Versorgung, aber auch bei den aktiv tätigen Bienenzüchtern. Ab 1922 ging es mit der Imkerei im Stiftland wieder aufwärts, wurden zehn weitere Ortsgruppen ins Leben gerufen.

Neugründung

1928 gründeten nun die Delegierten der 13 Ortsvereine den Kreisverband Tirschenreuth neu, der sich nun als "Bezirksverband Tirschenreuth" etablierte. Zum neuen Vorsitzenden wurde dabei der damalige Bezirksamtmann Wilhelm Wüst gewählt. Ende der 1930-er Jahre kam es zur Zusammenlegung der drei Bezirksverbände Tirschenreuth, Eschenbach und Kemnath unter der Leitung des Imkers Max Strickner in Kemnath. Nach dem Zusammenbruch 1945 regte sich bald wieder neues Leben, nahmen auch die Ortsvereine ihre Arbeit wieder auf. Im Frühjahr 1954 setzte sich der damalige Landrat Franz Sproß dafür ein, dass der Kreisverband Tirschenreuth wieder seine Selbständigkeit erlangen konnte, was im März 1954 auch besiegelt wurde. Die Leitung oblag nun Landrat Franz Sproß, dem Schmiedemeister Hans Müller aus Tirschenreuth als Stellvertreter und Georg Wittmann als Kreisfachberater.

Mit der Landkreis-Reform 1972 kamen schließlich auch die Ortsvereine von Erbendorf, Neusorg und Kemnath zum Kreisverband Tirschenreuth, der heute 13 Ortsvereine umfasst. Als Kreisvorsitzende wirkten in den letzten fünf Jahrzehnten Hans Müller, Tirschenreuth (1965 - 1971), Robert Schnurrer, Ernestgrün (1971 - 2000), und Helmut Standfest aus Tirschenreuth (2000 - 2012). Derzeit wird der Kreisverband von Johann Schön, Schönficht geleitet. Zum besseren Verständnis der Bienenwelt hat die Umweltstation des Klostergartens in Waldsassen auf Initiative von Michael Selinger erst in diesem Jahr eine "Bienen-Sauna" mit vier Völkern geschaffen. Verbunden damit ist auch ein "Bienenwunder-Erlebnispfad"
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