Uli Hoeneß zu Gast in Wunsiedel
Die "Abteilung Attacke" beim FC Bayern ist zurück

Uli Hoeneß' zweite Amtszeit als Präsident des FC Bayern ist noch relativ jung. Beim Fanclub-Besuch in Wunsiedel ist der 64-Jährige aber schon wieder ganz der Alte. (Foto: Eger)
Sport
Tirschenreuth
27.11.2016
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Die "Abteilung Attacke" beim FC Bayern München ist zurück. Zwei Tage nach seiner Wiederwahl zum Präsidenten und einen Tag nach dem 2:1 der Bayern über Leverkusen, stattete Uli Hoeneß der Festspielstadt Wunsiedel einen Besuch ab.

Die Fanclubs aus Röslau, Vordorf, Bernstein, Brand bei Marktredwitz, Nagel und Schönbrunn hatten sich eigentlich für die Visite eines Bayern-Spielers beworben. "Als dann der Anruf kam, dass der Präsident zu uns kommt, ist mir vor Schreck fast das Handy aus der Hand gefallen. Das ist noch mal eine andere Dimension", sagte Chef-Organisator Martin Taucher vom Bayern-Fanclub Röslau, während sich der Stargast nach seiner Ankunft in Oberfranken erst einmal zum Weißwurstessen zurückzog.

Als Hoeneß dann aber unter dem tosenden Applaus der etwa 400 Fans und "Super-Uli"-Rufen in die Fichtelgebirgshalle eingezogen war und auf dem Podium mit zwei Moderatoren sowie den Fanclub-Vorsitzenden Platz genommen hatte, benötigte er keine lange Anlaufzeit. "Wir haben heute den Vertrag mit Franck Ribéry bis 2018 verlängert. Ich denke, das ist ein schönes Weihnachtsgeschenk für alle Bayern-Fans." Bereits nach dem ersten Hoeneß-Statement brandete erneut großer Jubel auf.

Online-Kritik


Und im Rückblick auf seine Haftstrafe holte Hoeneß zur Medienschelte aus: "Über ein Jahr lang stürzten sich die Journalisten auf mich. Sie kritisierten neben der Sache auch die Person." Besonders die Onlinebranche bekam jetzt ihr Fett weg. "Im Internet geschieht alles anonym. Medien starten dort Umfragen über mich. Und was von diesen Online-Umfragen zu halten ist, das zeigten jüngst die Abstimmung über den Brexit und die Trump-Wahl. Alle falsch." Stattdessen sei das Volk mündig genug, sich ein eigenes Bild zu machen und Dinge eigenständig zu beurteilen. "Meine Kritiker kennen mich nicht und gehen stattdessen von sich aus. Viele meiner Kritiker hätten diese schwierige Zeit nicht überstanden."

Und einmal in Fahrt, nahm der Bayern-Patriarch auch den sportlichen Schlingerkurs seiner erfolgsverwöhnten Bayern unter die Lupe: "Wir haben keine Krise, nur eine kleine, sportliche Delle." Er bat um Geduld für Neu-Trainer Carlo Ancelotti, dessen Spielphilosophie noch mit den Vorstellungen der Spieler zusammenwachsen müsse. "Pep Guardiola war sehr streng. Carlo lässt die Leine lockerer und gewährt den Spielern mehr taktische Eigenverantwortung. Das dauert." Hoeneß führte zudem die ständigen verletzungsbedingten Ausfälle von Führungsspielern wie Arturo Vidal ("Der ist für uns lebensnotwendig!") an, die einen Rhythmus verhinderten.

In der Personalie Philipp Lahm widersprach der neue FCB-Präsident dem Vorstandsvorsitzenden Karl-Heinz Rummenigge: "Philipp hat bei uns einen Vertrag bis 2018. Wir tun alle gut daran, das zu respektieren. Die ganzen Spekulationen stören ihn am Blick für das Wesentliche." Lahm sei aber zweifelsfrei für den vakanten Posten des Sportdirektors geeignet. Nur eben noch nicht sofort. "Unabhängig davon kann ich versichern, dass der FC Bayern spätestens zum 1. Juli 2017 wieder einen neuen Sportdirektor präsentieren wird."

Keine Allianz mit BVB


Er revidierte seine Aussage vom Freitag, als er Tabellenführer RB Leipzig "im Überschwang des Wahlergebnisses" als "neuen Feind" bezeichnet hatte. "Im Irak oder in Syrien gibt es Feinde, wenn ich ums Überleben kämpfe, aber nicht im Fußball. Da habe ich mich in der Wortwahl vergriffen." Der Sport lebe von Rivalitäten. So sei auch keine Allianz mit Borussia Dortmund gegen Leipzig geplant. "Wenn ich mir vieles vorstellen kann, aber gewiss nicht, mit Aki Watzke (Dortmunds Vorstandsvorsitzender, Anm. d. Red.) Arm in Arm durch die Welt zu laufen."

Hoeneß über ...... die Kooperation mit dem TSV 1860 München

"Mit einem schwindsüchtigen Partner ist es immer schwierig"

"1860 sollte mal im Weißen Haus anrufen. Donald Trump hat Erfahrung, wie man Stadien baut. Und sicher auch ein paar Millionen für bedürftige Löwen übrig."

... Arturo Vidal

"Es ist eine Schande, wie in manchen Ländern mit Verletzungen umgegangen wird. Arturo kam aus Chile letztens mit einem Klumpfuß zurück und hatte nicht mal einen Verband rum."

... Bastian Schweinsteiger

„Fußball in den USA ist nichts für ihn. Der soll mit seiner Ana durch den Canale Grande schippern. Ich rate ihm, seinen Vertrag in Manchester abzusitzen, nach allem, was sie ihm dort angetan haben, und sich künftig um die Familienplanung zu kümmern. Da hat er genug zu tun.“

... mögliche Neuzugänge

"Im Winter werden wir sicher nichts machen. Welcher Verein ist schon so blöd und gibt seine besten Spieler im Winter ab?"

"Wir haben Renato Sanches für viel Geld verpflichtet. Wie soll der jemals sein Potenzial abrufen, wenn wir ihm ständig teure Stars vor die Nase setzen."

... Thomas Müller

"Der Junge hat so viel für den Verein getan. Der gehört nicht auf die Bank. Den müssen wir so lange durchziehen, bis er wieder trifft."

... das neue Nachwuchsleistungszentrum

"Wir haben 70 Millionen investiert, um aus Steinen gute Beine zu machen. Momentan sind wir nicht konkurrenzfähig."

...Weihnachtsgeschenke

"Eigentlich schenken wir Erwachsene uns im Familienkreis nichts mehr. Aber wenn ich die Aussagen meiner Frau richtig deute, bekomme ich endlich mal eine vernünftige Uhr."

"Mein Enkel Leopold ist begeisterter Müllautofahrer und bekommt vom Christkind ein neues. Die Müllentsorgung am Tegernsee ist somit gesichert." (fle)
2 Kommentare
Alexander Unger aus Amberg in der Oberpfalz | 28.11.2016 | 10:11  
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Leser Onetz aus Weiden in der Oberpfalz | 28.11.2016 | 12:46  
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