17. Feuerkinder-Einsatz in Tansania
Humanitäre Hilfe für die Ärmsten

Das Feuerkinder-Team (im Bild mit den Patienten) beim jüngsten Einsatz in Tansania. Der nächste beginnt am 16. September. Bild: privat
Vermischtes
Tirschenreuth
08.07.2016
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Einige Jugendliche wurden orthopädietechnisch versorgt. Mit im Einsatz Andreas Rieppel (Mitte, mit dem behandelten Mädchen Emiliana und Nanjaro, Orthopäde aus Tansania). Rieppel ist Technischer Leiter der Orthotechnik Rummelsberg, mit dem in der Cnopf'schen Kinderklinik enge Zusammenarbeit besteht. Das Team ist überzeugt, dass die Arbeit vor Ort, nach der die Kinder ihre eigenes Leben gestalten können, die beste "Fluchtprophylaxe" ist: "Jugendliche, die einen Beruf erlernen und ausüben können, bleiben im L

63 Operationen im Nkoaranga-Krankenhaus im Norden, 17 Operationen in Ifunda - einer katholischen Missionsstation im Süden: Das Feuerkinder-Team unter Leitung von Dr. Annemarie Schraml ist vom bisher anstrengendsten Einsatz aus Tansania zurückgekehrt.

"420 Kinder und Jugendliche sind ambulant untersucht worden", teilt Dr. Schraml in der Bilanz über die Reise im Mai und im Juni. Seit etwa 16 Jahren wird in Ifunda eine Dispensary vom Ehepaar Monika und Horst Blaser aus Bad Waldsee unterstützt. "In den vergangenen Jahren wurden zwei sehr schöne Operationssäle angebaut, aber trotz größtem Bemühen fehlt es dort an der gesamten Infrastruktur."

Die Kinder müssten etwa 40 Kilometer zum Röntgen gefahren werden; es gebe keine Physiotherapie. "Der nächste Schuhmacher ist 20 Kilometer entfernt." Im Umkreis von 250 Kilometer sei keine orthopädische Werkstatt vorhanden. Im Nkoaranga-Krankenhaus habe sich im Vergleich zum Vorjahr die Situation etwas gebessert. "Es waren wieder mehr Schwestern und Ärzte da. Gehälter waren auch gerade durch Unterstützung aus privaten Spenden aus dem Landkreis Tirschenreuth nachbezahlt worden." Die Gespräche von Dr. Schraml während ihres Aufenthaltes in Tansania im Januar zeigten Erfolg: Das Dach, durch das es in den Vorraum zum Operationssaal geregnet hatte, war repariert worden. Allerdings waren der neue Sterilisator und das Röntgengerät defekt: Patienten mussten zum Röntgen in ein nahe gelegenes Regierungskrankenhaus oder 20 Kilometer nach Arusha gefahren werden. Das habe die Kosten deutlich gesteigert.

Dr. Schraml erklärt, dass trotz mancher Widrigkeiten wieder viele Operationen - viele doppelseitige - ohne jede Komplikation durchgeführt werden. "Sehr bewährt hat sich die Zusammenarbeit mit dem Plasterhouse, einer von einer Frau aus Australien geleiteten Einrichtung in Arusha." Dort werden Klumpfußkinder vorbehandelt und es können operierte Kinder mit ihren Müttern bis zum Abschluss der Behandlung kostenfrei wohnen.

Ein neues Röntgengerät


Aufgabe der nächsten Zeit sei der Kauf eines Röntgengeräts fürs Nkoaranga-Krankenhaus. Absolut notwendig wäre dies auch für den durch Spenden in Tansania ausgebildeten Chefarzt Dr. Kiwesa. Er versorge inzwischen hervorragend Knochenbrüche. "Wenn auch die Achskorrekturen von Dr. Annemarie Schraml ohne Röntgenkontrolle gemacht werden, so muss doch wenigstens eine Röntgenaufnahme vor Entlassung des Patienten durchgeführt werden." Eine größere Medikamenten-Spende für das Krankenhaus habe die Schulden des Nkoaranga-Krankenhauses verringert. Dort sei der Andrang der Patienten groß gewesen: Die Vormerkliste sei erstellt, das OP-Programm für den nächsten Einsatz ab 16. September nahezu gefüllt. Als "sehr erfreulich" bezeichnet die Chefärztin die Klumpfuß-Arbeit im Reha Zentrum Usa River, durch ein sechsköpfiges einheimisches Team. Ein Physiotherapeut, der bis zum Ruhestand im Reha Center Usa Riva gearbeitet hatte, betreibt eine kleine physiotherapeutische Praxis und behandelt sowohl operierte Kinder, aber auch Unfall-Patienten die im Nkoaranga-Krankenhaus von Dr. Kiwesa operiert wurden. "Für Tansania ein kleiner aber echter Fortschritt."

Besucht wurden auch die von Augsburger Diakonissen gegründete Niederlassung Ushirika wa Neema, sowie das Krankenhaus und die orthopädische Ausbildungsstätte in Moshi. Dort werden Orthopädietechniker ausgebildet. Doch sie finden im Land keine Arbeit. "Unglaublich, dass es in einem Land, dass viermal so groß wie Deutschland ist, an einer Hand abzählbare orthopädische Werkstätten gibt." Dabei sei der Bedarf enorm angestiegen - besonders auch durch viele unfallverletzte jungen Männer, die mit ihren aus China stammenden Motorrädern Taxifahrten anbieten. Sie beförderten ohne Helm mit großer Geschwindigkeit bis zu drei Personen mit Gepäck. "Insgesamt ist im Land ein gewisser Fortschritt zu sehen", so Dr. Schraml. Aber das Verantwortungsbewusstsein einer sich herausbildenden reicheren Mittelschicht für Arme sei verbesserungsfähig. "Die Schere zwischen Arm und Reich geht auseinander."

Zwei Franziskanerinnen


Kurz vor dem Rückflug noch eine Fahrt nach Rhotia, drei Fahrstunden von Usa Riva. Dort besuchte das Feuerkinder-Team zusammen mit Dr. Hans Beyer - dem früheren Chefarzt der Kinderchirurgie an der Cnopf'schen Kinderklinik und seiner Gattin - die beiden Franziskanerinnen, mit denen das Team seit 17 Jahren zusammenarbeitet. "Es ist bewundernswert, was diese zwei 78- und 85-jährigen Schwestern geleistet haben und immer noch leisten."

SpendenkontoDr. Schraml bedankt sich im Namen des Teams und der Kinder in Tansania für die vielen während des Jahres gegebenen Spenden, sowie für jede Unterstützung in Nürnberg, Rummelsberg und Neuendettelsau und bittet weiterhin um Zuwendungen. Ohne diese Hilfe könne "... die so nötige Arbeit in Tansania nicht fortgesetzt werden". Die Bankverbindung: Projekt Feuerkinder, EKK Kassel, IBAN: DE53520604100103509982, BIC: GENODEF1EK1


Das TeamZum Team gehörten Neuropädiaterin Dr. Mirjam Triebel, Anästhesist Dr. Rolando Rossi, Lehrerin für Pflege Marion Belzner als OP-Schwester, OP-Schwester Daniela Klughardt, Physiotherapeutin Susanne Schambeck, Orthopädietechniker Andreas Rieppel und für eine Woche Orthopäde Dr. Stephan Oehler.


Insgesamt ist im Land ein gewisser Fortschritt zu sehen.Dr. Annemarie Schraml
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