Adler besiedeln Waldnaabaue

Vermischtes
Tirschenreuth
13.07.2016
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Schweigend lässt "A0/04" die Prozedur über sich ergehen, auch wenn ihr Gebaren nicht darüber hinwegtäuschen kann, dass ihr das alles ganz und gar nicht gefällt. Die Zahlenkombination auf dem großen Fußring hilft, die Fischadler-Dame künftig zweifelsfrei zu identifizieren.

Am Dienstag ging für dieses Jahr die letzte See- und Fischadler-Beringungsaktion im Bereich des Bayerischen Staatswaldes in der Waldnaabaue über die Bühne. Und die zog nicht nur zweibeinige Prominenz an.

Der Vorstand der Bayerischen Staatsforsten (BaySF), Reinhardt Neft, Markus Kölbl von der Naturschutzabteilung der BaySF und Wolfgang Nerb von der Höheren Naturschutzbehörde waren aus Regensburg angereist um die Aktion vom Boden aus zu beobachten. Aber auch in der Luft schauten sich praktisch alle hier vorkommenden ornithologischen Raritäten an, was da vor sich ging. Hatten die Elterntiere gleich den Horst verlassen und kreisten über dem Nest auf der hohen, 200 Jahre alten Kiefer, als die Gruppe, bestehend aus zehn Zweibeinern, im Gänsemarsch immer näher rückte, füllte sich der Luftraum nach und nach mit weiteren Vögeln. Die, so hatte es den Anschein, wissen wollten, was da geschah.

Gefiederte Raritäten


Plötzlich tauchten wie aus dem Nichts zwei weitere Fischadler, danach ein Schwarzstorch und schließlich noch ein Baumfalke auf. Musikalisch begleiteten irgendwo aus dem dichten Gestrüpp trompetende Kraniche stimmgewaltig das Spektakel. Der Falkenberger Revierleiter Matthias Gibhardt des Forstbetriebs (FB) Waldsassen und Dr. Daniel-Schmidt-Rothmund vom Nabu Vogelschutzzentrum in Mössingen sind ein eingespieltes Team, wenn es um die Beringung von Adlern geht. Diesmal stieg Gibhardt, gesichert mit Spezialausrüstung, gekonnt in die Krone der mächtigen 30 Meter hohen Kiefer, verpackte den Jungvogel in einen Sack und seilte ihn behutsam ab. Unten übernahm der Biologe die wertvolle Fracht, beringte und wog sie. Die Zuschauer bildeten einen Halbkreis um die Szenerie. Schmidt-Rothmund erklärte was er gerade tat und beantwortete viele Fachfragen.

Gerhard Schneider, der Leiter des FB Waldsassen erklärte, dass in seinem Zuständigkeitsbereich in diesem Jahr zwei See- und zwei Fischadlerpaare erfolgreich Jungvögel aufgezogen haben. Insgesamt kamen im Bayerischen Staatswald 23 Fisch- und Seeadler zur Welt, wusste Reinhardt Neft. Der Sprecher betonte, dass die Neuansiedlung der seltenen Vögel in Bayern auch ein guter Beleg für den Erfolg einer praktizierten, naturnahen und integrativen Forstwirtschaft sei. "Wir fördern beide Adlerarten indem wir an geeigneten Stellen künstliche Nisthilfen anlegen und rund um bewohnte Horste während der Balz- und Aufzuchtzeit eine Schutzzone einrichten, um mögliche Störungen zu minimieren."

Artenschutz und Holzernte


Zudem würden Biotop-Bäume erhalten und Feuchtflächen gepflegt und renaturiert. So ließen sich Holzernte und Artenschutz hervorragend miteinander vereinbaren. Die Maßnahmen zeigten Erfolg. Seit 1992 sei die Population kontinuierlich gewachsen. In diesem Jahr wurden im Staatswald sechs erfolgreich bebrütete Fischadlerhorste mit 15 Jungtieren und genauso viele Seeadlerhorste mit mindestens 8 Jungtieren gezählt. Zudem gäbe es sicher noch unentdeckte Horste und solche in anderen Waldbesitzarten. Etwa drei Wochen werden noch vergehen bis der Adlernachwuchs flügge ist. Erfahrungsgemäß sei es so, dass weibliche Tiere eher abwanderten und männliche in die Nähe ihres Geburtsortes zurückkehrten. "Eine Einrichtung der Natur, um Inzucht zu vermeiden", so Schmidt-Rothmund.

Hand in HandDer Leiter des FB Waldsassen, Gerhard Schneider erklärte bei der Fischadler-Beringungsaktion, dass das Bundesnaturschutzgroßprojekt Waldnaabaue, das zwischen 1998 und 2011 realisiert worden ist ausschlaggebend für viele Erfolge beim Artenschutz sei. Hier hätten alle maßgeblichen Stellen wie Naturschutz und Bayerische Staatsforsten Hand in Hand zugunsten einer intakten Naturlandschaft gearbeitet. Immer dort wo sich Raritäten wie Adler, Kraniche oder Baumfalken anschickten Interesse für ein bestimmtes Areal zu zeigen, werde alles getan um diese Lebensräume weiter zu verbessern. (tr)
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