Amateurfunker auf Exkursion
Im Buchenwald nach Israel

Manfred Meier (links) und Felix Saalfrank mit dem provisorischem Aufbau im Wald. Bild: Felix Saalfrank/hfz
Vermischtes
Tirschenreuth
13.08.2016
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10 Hektar groß und eingezäunt ist das Schutzgebiet Tisina. Bild: Manfred Meier/hfz

Portabel bedeutet für Amateurfunker: Unter extremen Bedingungen werden Funkstellen betriebstauglich. Auf Kurzwellen-Bändern geht's hinaus in die weite Welt.

"Du spannst zwei 10-Meter-Drähte auf und kommst damit nach England und Norwegen", sagt Manfred Meier über den besonderen Reiz am Amateurfunk. Seit rund fünf Jahren betreiben Mitglieder des Ortsvereins Stiftland des Deutschen Amateur Radio Clubs (DARC) ihr besonderes Hobby mitunter in Naturschutzgebieten. Manfred Meier und Felix Saalfrank erkundeten kürzlich die tschechischen Gebiete Bucina u Zdaru und Tisina. Sie liegen etwa 1,5 Kilometer Luftlinie von der deutschen Grenze entfernt im Naturpark Cesky Les, ganz in der Nähe des Grenzüberganges Mähring-Broumov.

35 Kilo Einsatzgewicht


Felix Saalfrank - mit dem Rufzeichen DE3DKW - und Manfred Meier (DF6EX) brachen morgens über den Grenzübergang Griesbach auf. Die Ausrüstung: Ein umgebauter Einkaufstrolly mit Halterung für einen ausfahrbaren Glasfiber-Mast. Mit verstärkter Bodenplatte für die Stromversorgung mit leistungsstarkem Akku, Funkgerät, Kabel und Abspannmaterial summierte sich das Einsatzgewicht auf über 35 Kilo - was die an sich nicht weite Tour auf unwegsamem Untergrund beschwerlich machte. Bucina u Zdaru liegt auf 780 Meter Höhe und ist eine eingezäunte Insel aus Buchenwald - ringsherum umgeben von typischen Fichtenwaldbeständen. In den vielen Höhlenbäumen nisten seltene Vogelarten - Hohltaube, Schwarzspecht und Raufußkauz. In wenigen Minuten war die Station am Rande des Waldweges aufgebaut - der Mast auf 6 Meter Höhe ausgefahren, die Dipolantenne an den Enden mit zwei Weidezaunpfählen abgespannt. Nach 15 Minuten lief der Funkbetrieb. Doch dann setzte Regen sein, der am Ende immer heftiger wurde. Geplant waren rund 1,5 Stunden Betrieb vom ersten Haltepunkt. Obwohl der Regen immer stärker herunterprasselte, harrten Meier und Saalfrank weiter aus. Ein Gewitter zog glücklicherweise landeinwärts weiter. In den rund 2 Stunden Betriebszeit konnten 256 Stationen aus 29 Ländern erreicht werden. Neben den nahezu gleichstark vertretenen Ländern Deutschland, Italien und Polen mit jeweils rund 40 Kontakten war die weiteste Verbindung nach Israel.

"Nachdem wir uns fast schon damit abgefunden hatten, es unter diesen Umständen bei Ziel 1 zu belassen, setzte eine Regenpause ein und wir beschlossen im Eiltempo die knapp 1,5 Kilometer bis zum Naturschutzgebiet Tisina zu gehen", berichtet Meier weiter: Auch Tisina ist ein Buchenwald-Naturreservat von etwa 10 Hektar Größe. "Hier fanden wir leider keinen so komfortablen Rastplatz und auch der Regen setzte wieder ein." Somit einigten sich die Stiftländer auf ein "absolut provisorisches Setup und betrieben Amateurfunk im Stehen", neben der Umzäunung.

Polen am häufigsten


Beiden war klar, dass die Aktion nur kurz bleiben würde: "Im Schutz von Kapuze wurde sowohl das Funkgerät, wie natürlich auch das Logbuch mit den gearbeiteten Stationen genommen, damit es später auch noch lesbar war." Für diese zweite Aktivität wurde, wie es heißt, das deutsche Rufzeichen OK/DF6EX verwendet. In einer knappen Stunde Betriebszeit konnten hier nochmals 135 Stationen in insgesamt 24 Ländern erreicht werden. Mit 29 Verbindungen war Polen am häufigsten vertreten. Auch von hier ging die weiteste Verbindung nach Israel.

Der Rückweg verlief bergauf um das Reservat herum, auf dem ehemaligen Todesstreifen, gesäumt von zahlreichen Isolatoren im Wald, die auffälligsten Überreste des früheren Elektrozaunes. "Der Weg war hier erheblich schlechter und von großem Geröll und Schotter gezeichnet."

Die Amateurfunker sahen die Strecke vor der Exkursion als relativ einfach an: "Ist ja nur ein guter Kilometer von der Grenze aus." In Summe wären es dann doch sieben Kilometer mit relativ schwerem Gepäck geworden. "Die Ausrüstung hat gut mitgespielt und auch das Ergebnis kann sich, aufgrund der widrigen Wetterverhältnisse, sehen lassen", sind die Funker zufrieden: Sie erreichten mit 100 Watt Sendeleistung rund 390 Stationen. (Info-Kasten)

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Informationen über den Ortsverband Stiftland im Deutschen Amateur Radio Club: www.u23.de

Amateurfunk im 21. JahrhundertFast jeder verfügt über ein Mobiltelefon, könnte damit auch in Australien anrufen. Wozu also noch Amateurfunk? Manfred Meier hat darauf eine einfache Antwort: "Ein Handy-Gespräch hat effektiv nur die Reichweite bis zum nächsten Sendemast überbrückt." In ländlichen Gebieten sei der nächste "Umsetzer" vielleicht fünf Kilometer entfernt, im Ortsbereich oft nur wenige 100 Meter. "Die Verbindung kommt unter Zuhilfenahme von vielen kleinen elektronisch überbrückten Wegstrecken zustande." Kurzwellen-Amateurfunk dagegen ermögliche auch ohne weitere elektronische Unterstützung weltweite Funkverbindungen. "In diesem Frequenzbereich wird das Signal an einer elektrisch geladenen Luftschicht in der Ionosphäre, der sogenannten F2-Schicht, reflektiert, geht somit in mehreren Sprüngen maximal bis ans andere Ende der Welt", erklärt der Experte. Die Ausbreitung sei unterschiedlich zu verschiedenen Tag- und Nacht-Zeiten wie auch der Sommer- und Winterzeit. "Darüber hinaus gibt es auch noch verschiedene Kurzwellenbänder mit unterschiedlichen Charakteristiken", sagt Meier. So etwa sei auf dem 40-Meter-Band über weite Teile des Tages Deutschland mit den angrenzenden Nachbarländern zu erreichen. Auf dem 20-Meter-Band dagegen sei der Nahbereich mit Deutschland, Belgien, Niederlande etc. ausgeblendet, dafür wäre fast den ganzen Tag weltweiter Funkbetrieb möglich. "Amateurfunk ist weit mehr, als abgeschottet in der Funkbude zu sitzen." Das Hobby könne auch in der Natur betrieben werden: Neben dem Peilen von Wettersonden, Orientierungsläufen, Fuchsjagden und Teilnahme an internationalen Wettbewerben, zählten portable Aktivitäten mit selbstgebauten Antennen, improvisierten Gerätschaften, teils auch mit reduzierter Leistung und entsprechenden Reichweitenversuchen zu den immer häufiger betriebenen Arten des Hobby. Dabei nennt Meier die "Maker Faire Messe". Sie stelle gemeinsam mit der "Ham-Radio" - der weltgrößten Amateurfunkmesse alljährlich in Friedrichshafen - das Zusammenwachsen der Selbstbau-Szene mit der Amateurfunk-Szene unter Beweis. Durch spielerisches Heranführen sollten Technikbegeisterte inspiriert werden, diese durch eigene Selbstbauaktivitäten besser zu verstehen.


Die Ausrüstung hat gut mitgespielt und auch das Ergebnis kann sich sehen lassen.Manfred Meier
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