Anja Busch spricht bei Informationstag zur Wohnberatung
Muster mit hohem Wohnwert

"Eine Wohnberatung beginnt schon vor der Haustüre", betonte Christine Offtermatt, Sprecherin der Landesarbeitsgemeinschaft Wohnanpassung. Bild: jr
Vermischtes
Tirschenreuth
02.03.2016
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Anita Busch war eine der ersten Wohnberaterinnen in Bayern. Nun soll das Angebot, das im Landkreis Tirschenreuth schon auf fruchtbaren Boden gefallen ist, im ganzen Freistaat eingeführt werden.

Die Vorreiterrolle bescherte dem Landratsamt am Dienstag einen Informationstag zur Wohnberatung. Gekommen waren rund 40 Interessierte aus der gesamten Oberpfalz, darunter etwa die Hälfte aus dem Landkreis Tirschenreuth. Ziel ist es, ein selbstbestimmtes Leben im Alter in der eigenen Wohnung zu ermöglichen.

Praxis-Beispiele


Stellvertretender Landrat Dr. Alfred Scheidler hieß die Teilnehmer willkommen. Er stellte die Musterwohnung heraus, die der Landkreis als Praxis-Beispiel in der Kreisstadt eingerichtet hat. Dort hätten sich schon viele Menschen Anregungen geholt, wie eine ideale Wohnung für Ältere aussehen könnte.

Sabine Wenng von der Agentur zum Aufbau der Wohnberatung Bayern stellte das Angebot vor. Ziel sei eine Vernetzung für ganz Bayern, um flächendeckend Wohnberater zu bekommen. "Wir informieren kostenfrei", betonte Wenng und nannte als Partner die Kommunen, die Seniorenfachstellen und die Wohlfahrtsverbände. Ein Starterpaket werde gerade entwickelt, das auf der Homepage www.aufbau-wohnberatung-bayern.de verfügbar ist.

"Die Beratung dient dem Zweck, Wohnungen und Häuser den individuellen Bedürfnissen älterer Menschen anzupassen und dadurch das selbstständige Leben im Zuhause weiterhin zu ermöglichen", berichtete Wenng von steigender Nachfrage. Unterstützung erhoffte sie für die hauptamtlichen Kräfte von Ehrenamtlichen, die entsprechend geschult würden.

Dass sich das Angebot nicht nur an Ältere richtet, betonte Christine Offtermatt von Landesarbeitsgemeinschaft Wohnungsanpassung. Auch Menschen mit Handicap und gesundheitlichen Beeinträchtigungen, etwa durch einen Unfall, brauchten maßgeschneiderte Lösungen. "Unser Ziel ist es, mit wenig Hilfe weiter ein selbstbestimmtes Leben in der eigenen Wohnung zu ermöglichen." Technische Hilfsmittel, eine Umgestaltung des Wohnraums und bedarfsgerechte Möbel könnten dazu beitragen. Die Wohnberatung steuere unabhängig und kostenlos Ratschläge für Umbau und Finanzierung bei. "Eine Beratung beginnt schon vor der Haustüre, setzt sich im Treppenhaus und in der Wohnung fort." Schon mit kleinen Veränderungen lasse sich viel erreichen. Offtermatt warnte vor freien Mitarbeitern, die ebenfalls dieses Modell anpriesen, aber natürlich dabei Geld verdienen wollten. Roland Steger von der Bayerischen Architektenkammer sagte, dass derzeit bayernweit acht Architekten und zwei Diplomsozialpädagogen in 18 Beratungsstellen tätig sind. Konkrete Planungen seien dann nicht mehr kostenfrei.

Handwerk ist dabei


Für die Handwerkskammer Niederbayern/Oberpfalz stellte deren Sprecher Tobias Knauer das Handwerk als tragende Wirtschaftsmacht der Region vor. Gerade im Umbau altersgerechter Wohnungen sah er großes Potenzial: "Wohnen im Alter, das Handwerk ist dabei." Es gebe im privaten Bereich einen großen Bedarf. Auch entsprechende Alarmsysteme, um die Bewohner im Ernstfall schnell zu retten, könnten mit eingebaut werden.

In der Diskussion wurde deutlich, dass in die Zukunft gerichtetes Bauen barrierefrei ist. Nach der Pause informierten Wohnberaterin Anita Busch sowie Waltraud Lobenhofer und Josef Hirsch von der Koordinierungsstelle "Alt werden zuhause" über gelungene Beispiele aus der Praxis. Eine Besichtigung der Musterwohnung der Wohnberatungsstelle schloss das Treffen anschaulich ab.
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