Arbeitsagentur beschäftig einen Syrer
Den Landsleuten helfen

Seit Anfang des Jahres ist Petra Klebl-Denk bei der Arbeitsagentur für noch nicht anerkannte Flüchtlinge zuständig. Seit März steht ihr dabei Hasan Jawish (links) zur Seite. Unter den Asylbewerbern gilt der Syrer längst als Respektsperson, die in allen Fragen kompetent weiterhilft. Im Büro in der Bahnhofstraße fungiert er auch als Dolmetscher, was gerade seine Landsleute schätzen, die der deutschen Sprache noch nicht mächtig sind.
Vermischtes
Tirschenreuth
12.08.2016
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Vergleicht man die beiden Fragebögen, wird schnell deutlich, wie wichtig die Arbeit von Hasan Jawish ist. Bilder: tr (3)

Wenn jemand fremd in einem Land ist, sind es oft kleine Dinge, die große Schwierigkeiten bereiten. Damit Flüchtlinge im Landkreis auf dem Arbeitsmarkt leichter Fuß fassen können, beschäftigt die Agentur für Arbeit seit März einen Syrer.

Oft ist es die Sprache, die gerade bei Neuankömmlingen unüberwindbare Barrieren bildet. Das wurde Arbeitsvermittlerin Petra Klebl-Denk schnell bewusst, als sie in den Unterkünften oder im Büro ihre Arbeit machen wollte. "Mit Hasan Jawish geht das jetzt viel einfacher." Der 42-Jährige kam 2014 mit seiner Familie nach Deutschland.

Die etwa 300 Asylbewerber, die in Unterkünften in 24 Gemeinden des Landkreises untergebracht sind, sind in der Hauptsache Syrer, Iraker, Iraner und Eriträer. Mit allen kann sich Hasan Jawish auch nicht verständigen, da hilft dann manchmal Englisch weiter. Die Kurzprofile, auf denen die Flüchtlinge auf zwei DIN-A-4-Seiten ihre Daten angeben, sind neben deutsch auch in persisch, arabisch und tigrinisch abgefasst.

Diese Kurzbiografie ist der erste Schritt bei der Erfassung. Neben Name, Geburtsdatum, Staatsangehörigkeit und Wohnadresse sind unter anderem auch die beruflichen und schulischen Qualifikation anzugeben. "Das ist der Ansatzpunkt für uns", sagt die Chefin der Arbeitsvermittlerin, Gerlinde Sollacher-Kraus.

Klebl-Denk ist im Arbeitsagenturbezirk ausschließlich für Asylbewerber zuständig, die noch nicht anerkannt sind. Ihre Hauptaufgabe ist es, die Menschen schnell in erste Qualifizierungsmaßnahmen zu bringen. Flüchtlinge, die bereits anerkannt sind, werden hingegen im Jobcenter betreut.

Gut ein halbes Jahr


Die Stelle sei aus der Situation heraus geschaffen worden, erklärt Sollacher-Kraus. Im Schnitt betreuen Klebl-Denk und Jawish etwa immer knapp über 100 Asylbewerber. In den Unterkünften sind sie dann unterwegs, wenn dort Neuankömmlinge eintreffen. Formulare ausfüllen, grundlegende Infos zum Aufenthaltsstatus und die Feststellung dass die Personen registriert sind, sind erste Maßnahmen. Die Betreuung geht meist über ein gutes halbes Jahr.

"In jüngster Zeit ist zu spüren, dass sich beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) etwas getan hat. Die Anerkennungen gehen jetzt deutlich schneller", sagt Sollacher-Kraus. Die Wartezeiten hätten sich in etwa halbiert.

Um die Flüchtlinge auf die Arbeitswelt vorzubereiten, bietet die Arbeitsagentur diverse Bildungsmaßnahmen an, von denen jede ungefähr sechs Monate dauert. Dabei werden neben Deutschkenntnissen in der Hauptsache diverse Arbeitstechniken vermittelt. Im Landkreis sind die Kooperationspartner das Berufliche Förderzentrum Weiden/Tirschenreuth, die Kolpingberufshilfe und der TÜV Süd aus Weiden.

Hasan Jawish ist es ein Herzensanliegen die Asylbewerber zu überzeugen, dass es wichtig ist, in Deutschland zu arbeiten und die Sprache zu lernen. Er sagt: "Wer hier bleiben will muss die Sprache und die Kultur verstehen." Nicht jeder Flüchtling sei aber davon überzeugt.

Bisher ist es gelungen 17 Asylbewerber in die Arbeitswelt zu integrieren. Die Arbeitgeber seien zufrieden mit den Leistungen. Es handle sich um Leute, die sich hier eine Existenz bauen wollen. Keine 10 Prozent der Flüchtlinge, die arbeiten wollen, seien Akademiker. Der Anteil der Frauen sei noch wesentlich geringer. Das läge auch daran, dass viele Großfamilien im Landkreis ankommen und die Frauen mit der Kindererziehung vollbeschäftigt wären. Die meisten die Arbeit suchen, seien Männer zwischen 23 und 40 Jahre.

Baumaschineningenieur


Bevor Hasan Jawish nach Deutschland kam, arbeitete er 14 Jahre als Baumaschinen-Ingenieur in Aleppo in Syrien. Als der Krieg alles zerstört hatte, fuhr er mit seiner Frau, den drei Söhnen und zwei Töchtern mit dem Auto in die Türkei und buchte sieben Monate später den Flug nach München. Die Familie lebt derzeit in Fuchsmühl und will in Deutschland bleiben. "Meine Arbeit ist sehr gut. Ich habe hier eine sehr interessante Aufgabe und freue mich, dass ich meinen Landsleuten helfen kann." Das einzige was er sich wünscht ist ein Umzug nach Tirschenreuth in eine eigene Wohnung.

Die Anerkennungen gehen jetzt deutlich schneller.Gerlinde Sollacher-Kraus Geschäftsstellenleiterin
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