Arbeitskreis Historisches Handwerk
Arbeiten wie Opa und Urgroßvater

In der Hobby-Werkstatt von Herbert Konrad produzieren die Handwerker ihre historischen Produkte. Bilder: Grüner (3)
Vermischtes
Tirschenreuth
08.07.2016
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In der Kreisstadt Tirschenreuth gibt es unter dem Dach des Oberpfalzvereins den Arbeitskreis (AK) Historisches Handwerk. Der hat sich auf seine Fahnen geschrieben, alles was mit traditionellen Tirschenreuther Handwerken zu tun hat, zu sammeln, zu bewahren, zu vermitteln und zu erforschen.

Wo gehobelt wird, da fallen Späne. Acht AK-Mitglieder sind heute in der Hobbywerkstatt von Herbert Konrad in Matzersreuth zugange. Mit alter Handwerkstechnik bauen sie Bottiche nach historischem Muster, schlagen Stricke aus Naturfasern und binden Reisigbesen.

Zwei Jahrzehnte


Vor fast 20 Jahren gründeten 18 Interessierte den Verein. Heute zählt der AK 25 Mitglieder, von denen 15 aktiv sind. Die Frauenquote lässt allerdings zu wünschen übrig. Lediglich Erika Rahm und Roswitha Reisnecker vertreten das "schwache Geschlecht".

Die Idee einen Verein zu gründen hatte Herbert Konrad. Vorausgegangen war die Auflösung der Fassbinderei Mickisch im Jahr davor. Alles was dort vorhanden war, laut Inventarliste weit über 10 000 Teile einschließlich mehrerer Spezialmaschinen, die je mindestens eine Tonne wiegen, wie eine Stemm-, Daubenbiege- oder Fügemaschine, erbte die Familie der Bäckerei Zintl. Der Sohn des Hauses Alex Zintl ist heute der AK-Vorsitzende. Die Familie übereignete die komplette Werkstatt der Stadt Tirschenreuth. Die hat alles in einer ehemaligen Werkshalle in der Bahnhofstraße deponiert.

Das Bestreben des AK ist es, ein geeignetes Gebäude zu finden, wo die Werkstatt wieder aufgebaut werden kann. Alle Maschinen sind funktionsfähig und der Wunschtraum der Hobby-Handwerker ist es, dass Interessierte eines Tages wieder damit arbeiten können, so wie anno dazumal. Kein einfacher Weg. Laut Bürgermeister Franz Stahl sei die Stadt schon lange auf der Suche nach einem geeigneten Projekt - bisher ohne Erfolg.

Der AK sammelt unter anderem Werkzeuge, Maschinen, Rohstoffe, Produkte, Pläne, alte Hobel, Bier- und Butterfässer. Er will historische Produkte für die Nachwelt erhalten, sich alte Handwerkstechniken von den noch wenigen Fachleuten zeigen lassen, übernehmen und nachmachen und in der Öffentlichkeit präsentieren. Die Forschungsarbeit dient dazu, Vergangenes und Gegenwärtiges der Tirschenreuther Handwerker-Geschichte nicht in Vergessenheit geraten lassen. Heutzutage seien viele der alten Techniken schon fast gänzlich verschwunden. Es existierten nicht mehr viele Spezialisten, die diese Fähigkeiten besitzen und weitergeben. Einer von ihnen war Josef Schmeller aus Pilmersreuth am Wald, der Ende 2014 verstarb. Er gab sein Wissen um das Reisigbesen-Binden an die AK-Mitglieder weiter. Ein anderer ist Johann Häring aus Brunn, ein absoluter Fachmann, was das Strickschlagen betrifft. Auch Schafflmacher Wilhelm Staufer aus Falkenberg ließ sich bei der Arbeit über die Schulter schauen und zeigte wie Butterfässer, Fleischfassln und Bottiche gebaut werden. Letztere gehen den AK-Handwerkern mittlerweile recht flott von der Hand und sind der Verkaufsschlager bei Veranstaltungen. Wenngleich auch die Bottiche selten mit Flüssigkeit gefüllt, sondern meistens als Pflanzkübel genutzt werden. "Strick allerdings genga ganz schlecht", weiß Josef Reisnecker aus Asch. Begehrt dagegen sind die Reisigbesen. Im Außenbereich leisten sie wertvolle Dienste. "Die Birkenreiser dafür müssen zur richtigen Zeit geerntet werden. Die Stiele sind aus Fichtenstämmchen", erklärt Josef Schuller aus Tirschenreuth.

Authentizität gefragt


Tätigkeiten, die früher viele Landwirte beherrscht, und die Produkte, die sie dabei herstellten, will der Arbeitskreis vor dem Vergessen bewahren. "Für die Leute damals waren das anstrengende und zeitaufwendige Arbeiten", erklärt Vorsitzender Alex Zintl. Um das authentisch nachvollziehen zu können, sind die Hobby-Handwerker stets auf der Suche nach originalen Werkzeugen.
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